Arthrose und körperliche Aktivität

Unsere Gelenke ermöglichen uns je nach deren Freiheitsgraden einen großen Bewegungsumfang. Im Laufe eines Lebens werden sie beim Stehen, Sitzen, Lastentragen, bei schwerer körperlicher Arbeit, bei Fehlstellungen, einseitigen Beanspruchungen bzw. bei verschiedenen Sportarten mehr oder weniger stark belastet. Ein weiteres Problem ist die andauernde „Bewegungslosigkeit“! Dadurch atrophiert die Muskulatur, welche für unsere Haltung (im Speziellen der Wirbelsäule) sowie für die Gelenkführung einen wesentlichen Stabilisierungsbeitrag liefert. Die Folgen: Arthrosen! Etwa 2 Millionen Österreicherinnen und Österreicher klagen über Gelenkprobleme, davon 1,4 Millionen durch höhergradige Arthrosen. Meist beginnen die Beschwerden zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, sie können aber auch früher einsetzen, wenn langjährige Fehlbelastungen gegeben sind bzw. nach einem (Sport-)Unfall oder einer Verletzung die Gelenkknorpel und der dazugehörige Bandapparat krankhaft verändert sind.

Arthrose bedeutet Abnützung der Gelenke, wobei als typische Symptomatik Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, vereinzelt Gelenkschwellungen bzw. auch muskuläre Verspannungen anzutreffen sind. Der Gelenkknorpel, welcher nur durch die Gelenkflüssigkeit (die u.a. auch bei Bewegung gebildet wird) ernährt und geschützt wird, verliert an Elastizität, es entstehen Defekte und Einrisse. Auch abgeriebene Knorpelteilchen (sogenannte freie Gelenkkörper) können die Knorpeloberfläche weiter schädigen und zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen, sei es in der Beugung und/oder Streckung, führen. Zumeist sind die großen stark bewegten Gelenke wie Knie, Hüfte, Schulter und auch die kleineren Wirbelsäulengelenke betroffen.

Etwas anders ist die rheumatoide Arthritis zu betrachten, welche – auch Polyarthritis genannt – eine entzündliche rheumatische Erkrankung ist und zumeist schubweise verläuft. Dabei entstehen entzündliche Schwellungen im Bereich der Gelenkinnenhaut und der gelenknahen Struktur wie z.B. Schleimbeutel, welche starke Gelenkschmerzen, Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit, schmerzhafte Bewegungseinschränkungen, Überwärmung und Morgensteifigkeit hervorrufen können. Ursache dafür ist eine Autoimmunerkrankung, die aufgrund verschiedener Fehlfunktionen den eigenen Körper, in diesem Fall die Gelenke, angreift. Zumeist sind anfangs die kleineren Finger- und Zehengelenke, später auch Knie- und Hüftgelenke betroffen.

Bewegung ist sowohl in der Prävention als auch in der Therapie beider Erkrankungsformen ein wesentlicher Bestandteil eines Interventiongesamtkonzepts. Aber Achtung, bei allen akuten Schüben und akuten Entzündungen des Gelenks sind intensive körperliche Aktivitäten und Sport nicht indiziert. Hier bedarf es einer Basistherapie bzw. medikamentösen und physikalischen Behandlung, welche von Ihrem Arzt verordnet wird.

Wenn Sie eine dieser Fragen mit „ja“ beantwortet haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt über eine weiterführende Diagnostik und allfällige Therapie sprechen.

Neben den klassischen Therapiemöglichkeiten, also z.B. Glucosamine, Chondroitin, Hyaluronsäure, Schmerzmittel, kortisonfreie Entzündungshemmer, Gelenkinjektionen, Spülungen des Gelenks und physikalische Therapie, kommt der körperlichen Aktivität eine ganz besondere Bedeutung zu, da diese einerseits verhindert, dass es zu weiteren Bewegungseinschränkungen kommt, und andererseits die Muskulatur dadurch so trainiert wird, dass sie einen besseren Gelenkschutz und Gelenkführung ermöglicht. Als allgemeine Richtlinie gilt, dass alle jene Bewegungen/Sportarten günstig sind, bei denen das Körpergewicht nicht bzw. nur in geringem Maße getragen werden muss.

DAZU ZÄHLEN:

Radfahren: Das Rad muss richtig eingestellt sein – Fachgeschäft, Mountainbiken nur mit E-Bikes, sonst zu hohe Druckbelastungen beim Bergauffahren, im Winter Zimmerfahrrad.

Schwimmen: Brustschwimmen vermeiden; am besten sind Rückenschwimmen, Kraulen oder Aquagymnastik.

Nordic Walking: Ein richtiger Stockeinsatz stützt die Gelenke und trainiert zusätzlich Arm- und Schultermuskulatur.

Wandern: Nicht zu steile Wege, eher leicht bergauf. Auf gutes Schuhwerk achten!

Bergabgehen meiden – Seilbahn benützen!

Skiwandern/Skilanglauf: Nicht überlasten, versuchen, gleichmäßig zu gleiten.

Gezieltes Krafttraining: Dieses kann im Fitnesscenter unter Anleitung bzw. auch mit dem eigenen Körpergewicht durchgeführt werden. Empfehlenswert sind 10 bis 15 Wiederholungen bei etwa 50% bzw. 8 bis 12 Wiederholungen bei 75% des  1 Wh max, 1 bis 3 Sätze, 2- bis 3-minütige Satzpause.

Sensomotoriktraining: Koordination und Balanceschulung auf labilen und instabilen Unterlagen – führt zu einer verbesserten intermuskulären Koordination und hilft Gelenke zu stabilisieren.

Zusammenfassend: Also gerade bei Arthrosen regelmäßige körperliche Aktivität und Bewegung, allerdings gelenkschonend! Auf jeden Fall vorher einen Orthopäden zuziehen, da im Fall von Arthrosen und Fehlstellungen auch Schuhmodifikationen notwendig sein können. Auch physikalische Behandlungen (Kälteanwendungen bei Schwellungen, Muskelkräftigen, Dehnen, Wasser, Bädertherapie, Elektro- und Ultraschalltherapie u.a.) können sinnvolle Ergänzungen sein.

Zuletzt noch eine Empfehlung: Sollten trotz aller konservativen Bemühungen die Arthrosen fortschreiten und Bewegungseinschränkungen bzw. Schmerzen (auch schon in Ruhe) die Lebensqualität drastisch reduzieren, entschließen Sie sich zu einer Gelenkersatzoperation. Diese ist heutzutage ein Routineeingriff und gibt Ihnen Ihre alte Lebensqualität in hohem Maße wieder zurück!

FOTO: GEPA Pictures (2)

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