Auf Schiene

Im Dezember erstmals vorgestellt, wurde die Sport Strategie Austria nun vorangetrieben.

Anfang April präsentierte Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) in Wien die im Dezember groß angekündigte „Sport Strategie Austria“. Als eine der ersten personellen Maßnahmen stellte Strache dabei den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Bundes Sport GmbH vor. Diese Position wurde nach dem Rücktritt von Armin Assinger vakant und wird künftig von Werner Kuhn eingenommen. Kuhn war über viele Jahre Manager beim SK Rapid und auch Radrennfahrer. Für Strache ist Kuhn ein erfahrener Mann, „der Zahlen gut lesen kann, auch daher für diese Aufgabe gut geeignet ist“, so der Sportminister, der ergänzte: „Ich habe mir das Ziel gesetzt, Probleme zu lösen und nicht aufzuschieben. Wir haben einen Prozess eingeleitet, der wird Punkt für Punkt von Kindern über den Breiten- zum Spitzensport abgearbeitet.“ Kuhn meinte in einer ersten Reaktion auf seinen neuen Job, angesprochen auf die beiden Geschäftsführer, denen er nun vorsteht: „Clemens Trimmel und Michael Sulzbacher leisten gute Arbeit. Ich möchte unterstützen und meine Erfahrung einfließen lassen.“

BERUFSSPORTGESETZ
Die „Sport Strategie Austria“ wurde im Dezember mit den Bereichen Leistungssport, Breitensport, Rahmenbedingungen für den Sport, Sportinfrastruktur/Sportveranstaltungen, Wissenschaft im Sport, Bildungssystem Sport und Sport und Gesellschaft vorgestellt. Ein wichtiger Punkt in der Agenda von Strache ist die Installierung eines Berufssportgesetzes. „Das soll für alle gelten, die im Sport erfasst sind. Im Herbst soll das Gesetz in Begutachtung gehen“, meinte dazu Philipp Trattner, stellvertretender Kabinettschef und Leiter der Sektion Sport. „ Die Beschlussfassung des Gesetzes könnte im Dezember über die Bühne gehen.

Rudolf Hundstorfer, Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO), begrüßte die Ankündigung von Sportminister Heinz-Chris­tian Strache, angedachte Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen des Sports nun in Umsetzung zu bringen: „Unsere Botschaft ist angekommen. Wir freuen uns sehr, dass Sportminister Strache ein weiteres Mal die Verwirklichung vieler Anregungen und Forderungen der Bundes-Sportorganisation in Aussicht gestellt hat. Viele davon befinden sich ja auch im Regierungsprogramm. Wir hoffen auf eine zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen, die dem Sport helfen werden, sein auch gesellschaftspolitisch gewaltiges Potenzial voll entfalten zu können.“ Für Hundstorfer seien Steuererleichterungen, u.a. auch durch eine Reduktion der Mehrwertsteuer auf Sportinfrastrukturkosten und die Ausweitung der Spendenbegünstigung auf den gemeinnützigen Sport, notwendige Impulse für eine dynamische Entwicklung des Sportsektors. „Die Valorisierung der Besonderen Sportförderung (von derzeit rund 80 Millionen Euro jährlich, Anm.) ist darüber hinaus zum Ausgleich des Realwertverlusts von 18% seit 2010 längst fällig.“

NACHWUCHS
Handlungsbedarf bestehe laut Trattner auch bei den Nachwuchskompetenzzentren. Der Schulversuch laufe 2025 aus, daher sei spätestens 2021 ein Regelbetrieb erforderlich. Im Fokus der Bemühungen stehe zudem, die Österreicher mehr zu bewegen. Dazu meinte Christian Günther, Leiter in den Bereichen Breitensport, Schulsport und Gesundheitssport: „Wir legen den Fokus auf den Kindergarten und die Volksschule.“ Mit „Kinder gesund bewegen 2.0“ soll das Manko behoben werden. In dieser Legislaturperiode soll mit budgetierten 7 Mio. Euro eine Erfolgsquote von mehr als 90 Prozent erreicht werden. Bei Ausdehnung auf die Pflichtschule wären es bis 50 Mio. Euro.

Gernot Schweizer, jetzt Bundes­koordinator für Bewegung, will für seine Ideen auch die Industrie gewinnen und Instruktoren österreichweit ausbilden. „Wir haben zu wenig ausgebildetes Know-how“, meinte Schweizer, der aber auf Unterstützung des Bildungs- und Gesundheitsministeriums baut  und meint: „Von diesen beiden Ministerien hoffe ich auf Hilfe.“

Bei all diesen Maßnahmen geht es natürlich auch ums liebe Geld. Strache ist eigenen Aussagen zufolge bewusst, dass es einen erhöhten Finanzbedarf gibt. Mit der Steuerreform 2020 sollen so u.a. Gelder aus den Online-Sportwetten lukriert werden. „Wir reden da von 30 Millionen pro Jahr aufwärts“, so Strache selbstbewusst. Von nicht ordnungsgemäß abgerechneten Fördermittel kämen weitere finanzielle Ressourcen retour. Von gesamt 2,7 Mio. Euro sei noch 2018 und 2019 bisher gut eine Million Euro refundiert worden.

Nicht so gut sieht es bei der Forderung der Sportunion nach der Absetzbarkeit von  Mitgliedsbeiträgen in Sportvereinen aus. Dazu meinte Sektionschef Trattner: „Für Mitgliedsbeiträge gibt es Dienstleistungen. Und wir können nicht anfangen, Dienstleistungen von der Steuer abzusetzen.“ In Aussicht wurde jedoch eine Senkung der Mehrwertsteuer für gemeinnützige Vereine und die Absetzbarkeit von Spenden gestellt. „Sie können davon ausgehen, dass dies kommen wird“, meinte der Sportminister.

NEUE IMSB-FÜHRUNG
Eine neue Führung gibt es auch für das Institut für Medizinische und Sportwissenschaftliche Beratung (IMSB). Dieses wird von Sportrechtsexpertin Christina Toth in einem geführten Dreiervorstand geleitet. Parallel laufe jedoch noch das arbeitsrechtliche Verfahren nach der Trennung von Hans Holdhaus und Hans Holdhaus jun. Toth meinte dazu nur knapp, dass Gewinne nicht in den gemeinnützigen Verein zurückgeflossen seien. Trattner: „Die Rückforderungen für die Jahre 2011 bis 2017 belaufen sich auf 1,4 Mio. Euro.“

Ein Thema ist auch die Installierung eines  Sportmuseums. Dabei gehe es laut Trattner aber nicht nur um das Finden eines Standorts, sondern auch um ein virtuelles, digitales Sportmuseum, um der Jugend einen leichteren Zugang zu den Sportgrößen der Vergangenheit zu ermöglichen.

FOTO: GEPA

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