“Authetisch sein”

tipp3-CEO Philip Newald im Color of Sports-Interview über Sponsoringziele, Reichweiten im Pay-TV und das Projekt motion4kids, das in das zweite Jahr geht.

Philip Newald ist seit vielen Jahren eine bestimmende Größe in Österreichs Sponsoringlandschaft. Als CEO von tipp3 war er bereits vor Jahren für das Hauptsponsoring der tipp3-Bundesliga verantwortlich.

Seit einiger Zeit ist tipp3 Partner des ÖFB und weiterhin bei einigen Klubs der Tipico-Bundesliga wie etwa Rapid als Sponsoringpartner aktiv. Zuletzt wurde die Zusammenarbeit mit dem ÖFB verlängert und zwar mit einer Premiere, denn erstmals werden mit tipp3 und Admiral zwei Konkurrenten (wenn auch mit gleichen Eigentümern) gemeinsam eine Sponsoringpartnerschaft beim ÖFB bilden.

Im Interview mit Color of Sports spricht Newald über die Ziele des Sponsorings, die Diskussionen über Reichweite im Pay-TV und sein Herzensprojekt motion4kids.

COLOR OF SPORTS: tipp3 hat das Engagement mit dem ÖFB verlängert. Was hat für diese Verlängerung gesprochen?

PHILIP NEWALD:
Grundsätzlich ist es uns bewusst, dass eine Partnerschaft eines Sportwettenanbieters mit dem Fußballbund ein durchaus sensibles Thema ist. Wir versuchen mit aller Verantwortung diese Partnerschaft aktiv zu leben und dabei auch bei den sensiblen Schnittstellen möglichst authentisch zu sein. Wir versuchen mit unserem Angebot auch herauszuarbeiten, was das Wetten und den Sport spannend macht und erstellen nicht auf alles, was sich bewegt, ein Wettangebot.

COS: Wie wichtig ist das Nationalteam als Kommunikationskanal für tipp3?

NEWALD:
Wir haben über 500 unserer über 3.000 Annahmestellen, die 70 % unseres Umsatzes machen, dazu befragt, wie sie mit ihren Kunden ins Gespräch kommen. Dabei kam sehr oft das Nationalteam als Antwort. Wir haben uns dann überlegt, wie wir Franco Foda diesbezüglich integrieren können. Wir waren zu Beginn noch unschlüssig , doch die Moskau-Kampagne im letzten Jahr hat gezeigt, dass wir hohe  Aufmerksamkeit erreichen und 85 % unseres Umsatzes wird nun einmal über Fußball generiert. Insofern war es für uns die bes­te Möglichkeit, das Engagement auch mit Franco  Foda zu verlängern.

COS: Was hat den Charme ausgemacht, nach Marcel Koller auch mit Franco Foda zusammenzuarbeiten?

NEWALD:
Marcel Koller hatte ein unglaublich professionelles Arbeiten, am Ende war es schon eine Freundschaft. Wenn man dann eine neue Partnerschaft aufbaut, ist es wie eine zweite Ehe. Das hat am Anfang ein wenig gebraucht. Aber auch Franco Foda ist unglaublich professionell und auch beim Dreh selber hat er Freude daran gefunden, sich selbst darzustellen und dazuzulernen. Es hat ihn auch wirklich interessiert, wie das hinter den Kulissen alles abrennt und welcher Aufwand dahintersteckt. Er kommt auch bei uns im Team super an.

COS: Welche konkreten Ziele werden mit dem ÖFB-Sponsoring verfolgt? 

NEWALD:
Das Entscheidende ist die ungestützte Bekanntheit – das ist jene Benchmark, die das Sponsoring lösen kann. Man muss im Kopf der Konsumenten unter den Top 3 der Marken sein. Wenn man das nicht ist, wird es ganz schwer, dann geht es eigentlich nur über den Preis. Unser Ziel ist es, weiterhin unter diesen drei Marken zu sein, und das sind wir auch. Der ÖFB ist hier ein wichtiger Faktor, es sehen sich bis zu einer Millionen Menschen die Spiele des Nationalteams an. Die­se breite Masse in einem hart umkämpften Markt brauchen wir, um uns zu differenzieren können.

COS: Die Differenzierung zu Marktbewerbern ist wichtig, inwiefern passt es zusammen, dass tipp3 jetzt gemeinsam mit Admiral zusammen als Premium-Partner des ÖFB auftritt?

NEWALD:
Wir haben lange überlegt, ob wir es machen sollen oder nicht. Die Alternative wäre gewesen, es nicht zu machen und das Feld einem internationalen, digitalen Anbieter zu überlassen. Alleine hätten wir es aus Kostengründen nicht stemmen können, da muss man schon tief in die Tasche greifen und wir haben aufgrund unserer neuen Eigentümerstruktur auch unsere Limits. Dieses Sponsorenkonsortium war daher die einzige Möglichkeit und ich bin auch stolz darauf. Es sieht zwar leicht aus, so etwas auf die Beine zu stellen, aber dahinter steckt viel Arbeit, viele Gespräche auf einer hohen Vertrauensebene.

COS: Die österreichische Bundesliga hat vergangenen Sommer erstmals den Sprung hinter die Bezahlschranke gemacht. Da gab es viele Diskussionen rund um Reichweite, auch für Sponsoren. Was ist Ihr Fazit bisher? tipp3 ist ja bekanntlich auch bei Bundesliga-Vereinen engagiert.

NEWALD:
Es sind zwei Dinge sehr interessant, denn das neue Liga-Format ist auch für Wettanbieter interessant. Die Zuspitzung, welche Vereine die Qualifikation für die Meistergruppe schaffen und welche nicht, hat für erhöhtes Wettaufkommen gesorgt. Andererseits müssen wir achtgeben, dass die Bundesliga  nicht von der Bildfläche verschwindet. Die Zeitungen haben hier einen hohen  Anteil der Sichtbarkeit, aber wir müssen danach trachten, dass die Liga in Sachen Bewegtbild nicht ganz außer Acht gelassen wird und wieder mehr „talk of town“ wird. Es sind zu wenige Personen, die das derzeit im TV sehen und es ärgert mich, weil die Produkte sind super gemacht.

COS: Sponsoring-Experten meinen, dass die Qualität der Werbeempfänger im Pay-TV als Ausgleich zur geringeren Sichtbarkeit deutlich höher ist. Was heißt das für tipp3?

NEWALD:
Ja, durchaus, die Qualität ist top. Aber wir brauchen die Masse. Wir leben davon, wenn das Nationalteam gut spielt, wenn Dominic Thiem in Paris im Finale ist oder wenn Rapid oder Salzburg in der Europa League spielen. Wir müssen hier einen Schulterschluss finden, weil die Freizeitindustrie deutlich angezogen hat in den vergangenen Jahren, daher brauchen wir mehr Präsenz.

COS: Immer wieder hört man dann, dass Sponsoren überlegen, aufgrund der geringeren Reichweiten auszusteigen. Jetzt leben aber Wettanbieter im Speziellen von Fußball. Wird tipp3 Budgets vom Fußball woanders hin verschieben?

NEWALD:
Wir reagieren, indem wir unsere Verträge inhaltlich umbauen. Wir gehen deutlich weniger auf Präsenz und dafür hin zu Community- bzw. Loyality-Programmen. Wir treten möglichst direkt an den Konsumenten heran. Für einen Sportwettenanbieter gibt es aber kaum einen besseren Partner als einen Fußballverein, und diese haben auch in den vergangenen Jahren deutlich an Professionalität gewonnen und waren auch mit uns gemeinsam oft sehr kreativ in der Umsetzung, weshalb wir da nicht großartig Budgets verschieben werden. Wir haben zuletzt auch den tipp3-Club entwickelt, der mittlerweile 11.000 Mitglieder vorweisen kann. Hier wird demnächst noch mehr von uns kommen.

COS: Inwiefern hat sich der Change von tipp3 als Namensgeber der Bundesliga über viele Jahre und nun seit einigen Jahren als Sponsor des ÖFB in einer Änderung der Umsatzstruktur bemerkbar gemacht?

NEWALD:
Das wirkt sich nicht so direkt aus. Fans von Klubs sind meistens auch Fans vom Nationalteam. Wir sind noch immer sehr stark im österreichischen Fußball. Was wir aber sehr stark merken, sind die zunehmend erfolgreichen Legionäre in den Top-Ligen: Arnautovic, Hasenhüttl etc., da geht jetzt deutlich mehr.

COS: tipp3 ist bekanntlich sehr stark im stationären Bereich durch die Trafiken. Wie sehr wirkt sich der digitale Wandel in diesem Bereich aus?

NEWALD:
Wir haben da auch sehr viel dazugelernt. Die Digitalisierung findet auch bei uns am Point of Sale statt. Die Wettabgabe findet auch dort digital statt, auf unterschiedlichem Weg, sei es über die App oder direkt über den Scanner in der Trafik über die digitale Wettbox. Hier sehen wir auch unseren Wettbewerbsvorteil, weil wir hier etwas haben, was andere Wettanbieter nicht bieten können.

COS: Sie haben mit motion4kids im vergangenen Jahr eine Initiative ins Leben gerufen, die Kinder mithilfe von digitalem Einsatz zu mehr Bewegung aktivieren soll. Was ist Ihr bisheriges Fazit?

NEWALD:
Ich bin richtig stolz und habe auch eine große Freude damit, weil es auch etwas Neues ist und man viele neue Gesprächspartner und Umfelder trifft. Die Schnittstelle zwischen Bewegung und dem digitalen Bereich zu finden, ist sehr spannend. Der erste Call aus dem vergangenen Jahr ist abgearbeitet, wir haben 64 Einreichungen gehabt, wovon 15 bis 20 auf sehr hohem Niveau waren. Jetzt tauchen wir gerade sehr stark in die Blogger- und YouTuber-Szene ein, um diese mit den Projekten zusammenzubringen. Wir sind da recht umtriebig und eine Netzwerkplattform.

Wir betonen auch immer, dass wir „nur“ der Vermittler sind und keine eigenen Projekte ins Leben rufen. Aber wir haben viele neue Geldgeber lukriert, auch weil wir steuerliche Absetzbarkeit erreicht haben. Das war der Knackpunkt. Das Thema Bewegung und Bildung ist sehr präsent und immer mehr Leute nützen die digitale Kraft. Der zweite Call startet demnächst.

FOTO: Gepa Pictures

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