Bessere eBundesliga

Die neue Saison der eBundesliga steht vor der Tür, und die ­Verantwortlichen haben sich einiges einfallen lassen.

„eSport im Allgemeinen und FIFA im Speziellen sind in der Gesellschaft angekommen“, erklärt Patrick Lenhart, Leiter Marketing/PR bei der Bundesliga, gegenüber Color of Sports. Das sei das zentrale Learning der ersten eBundesliga-Saison. „Wir haben gemerkt, dass wir in der Zielgruppe eine sehr hohe Überschneidung mit der Bundesliga haben. Das ist keine Gruppe von Menschen, die nur vor der Konsole sitzt. Bereits vor Start der eBundesliga waren rund 20 Prozent der FIFA-Spieler in Öster­reich auch Follower eines Bundesligisten“, so Lenhart weiter. Das hat auf jeden Fall zugenommen. Die zentrale Frage ist aus Marketingsicht freilich, wie man die anderen 80 Prozent der FIFA-Spieler erreichen kann, um sie für die „echte“ Bundesliga zu begeistern. Ein wichtiger Aspekt war aber auch, dass die eBundesliga allen offen steht. Zuvor war das laut Lenhart ein relativ abgeschlossener Bereich. Nun sei man wesentlich breiter: „Viele Spieler hatten zuvor noch nie bei einem Turnier mitgespielt.“

ZAHLEN STEIGERN
Mit rund 6.000 Spielern bei der ersten Auflage war die eBundesliga aus Veranstaltersicht sofort ein Erfolg. Diese Zahl soll sich steigern. Erreicht werden soll das durch zusätzliche, wieder kos­tenfreie Qualifikationen. Es soll nun zwei Online-Qualifikationsmöglichkeiten pro Klub geben. Auch ein Angebot für Gamer, die die erste Runde nicht online spielen können, wird es geben. Geplant sind laut Lenhart drei bis vier Offline-Qualifikationen in Wien, Linz und Graz. So soll man sich auch für die Events bei den Klubs qualifizieren können. Damit auch jene mitmachen können, deren Internet zu schwach ist. Durch diese Streckung des Qualifikationsprozesses verlängert sich auch die Saison. Ansons­ten soll der Modus gleich bleiben, die Spieler entscheiden sich für ein Team, ein Zocken mit dem Ultimateteam ist nicht vorgesehen. Einzig das Finale wird eben vom Dezember in den Jänner wandern.

GUT AKTIVIERBAR
„Wir haben eine ziemlich klar abgegrenzte Zielgruppe. Die ist für unsere Sponsoren und Partner gut aktivierbar, mit einer relevanten Größe“, beschreibt Patrick Lenhart die wirtschaftliche Seite. Das ist im physischen Fußball gar nicht so leicht, weil die Masse an vier Millionen Fußballinteressierten nicht so leicht erreichbar ist. Grundsätzlich gilt: Qualität steht im Vordergrund, ein unternehmerischer Gewinn ist nicht das Ziel, die Einnahmen werden reinvestiert. Das ist in der Gamer-Community auch gar nicht so einfach, da man sie mit Werbung und Marketing nicht überhäufen kann. „Da muss schon ein Nutzen gegeben sein. Die Gamer sind gut vernetzt, verlangen Transparenz. Eine zu große Streuung oder gar Spam würden schnell auf Ablehnung stoßen“, so Lenhart. Von den großen Partnern sind die Kronen Zeitung, Media-Markt und T-Mobile wieder mit dabei, tipp3 nicht mehr. Ein neuer Partner konnte gewonnen werden, die Firma aus dem Finanzdienst-leis­tersegment wird aber erst am 8. Oktober bekanntgegeben.

NOCH PROFESSIONELLER
Mit all diesen Maßnahmen soll ein höheres Maß an Professionalität erreicht werden. Das möchte man auch den Spielern selbst ermöglichen. Da gibt es zwischen virtuellen und echten Kickern doch einen Unterschied. „Ein Fußballprofi kann in der Regel von seiner Arbeit leben. Ein eSportler braucht Präsenz in den Medien, einen Außenauftritt, er braucht mehrere Einnahmequellen, wie Moderation, Trainingslager, individuelle Sponsoren. Wir bieten den Gamern an, sie auf die große Bühne zu bringen. Dann können sie sich präsentieren. Je bekannter einer ist, desto leichter bekommt er Einnahmemöglichkeiten“, führt Patrick Lenhart aus.

DAS AUSLAND
Die eBundesliga gilt zudem als Rolemodel für andere Ligen. „Vor allem aus Deutschland haben sich viele bei uns gemeldet, war­um wir das als Bundesliga machen. Sie waren überrascht, dass wir mit eSport kein Geld verdienen wollen, sondern es als Marketingtool sehen, um Menschen für den österreichischen Fußball zu begeistern.“

FOTO: GEPA Pictures

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