Challenge accepted

Der Sportartikelmarkt ist in Bewegung, denn nicht nur die Konkurrenz wird größer, auch die Anforderungen des Endkunden an den stationären Handel nehmen zu. Sport 2000 und Intersport nehmen die Herausforderung an.

Sport wird gerne als die wichtigste Nebensache der Welt bezeichnet. Jedenfalls könnte man so die Meinung der Österreicher zusammenfassen. Das freut natürlich auch die Sporthändlerverbände Intersport und Sport 2000, die nach jüngstem Stand (Quelle: RegioPlan 2018) in Österreich auf 60 Prozent Marktanteile kommen. Die Nase vorne hat die Marke Intersport mit 31 Prozent, knapp gefolgt von Sport 2000 mit 29 Prozent. Damit hat sich die Lage ein wenig auf den Kopf gestellt. Denn vor nicht allzu langer Zeit zeigte der Rechenschieber noch das Gegenteil und listete Sport 2000 als Nummer eins.

BEWÄHRTE STRATEGIE
Das Jahr 2018 ist, vor allem dank des ausgezeichneten Sommers, für die insgesamt 283 Sport 2000- Händler aber wieder über den Erwartungen gelaufen. Im Kalenderjahr 2017 wurde außerdem ein Gesamtumsatz von 533 Mio. Euro erzielt und somit ein Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwirtschaftet. „Wir sind mit der Entwicklung dieses Jahres sehr zufrieden und sehen Potential, dies zukünftig noch weiter auszubauen“, zieht Holger Schwarting, Vorstand Sport 2000 Österreich, Bilanz und gibt gleichzeitig die Marschroute für die Zukunft vor: „Die neuen Herausforderungen im österreichischen Sportfachhandel bestätigen uns darin, unsere Strategie in Sachen Qualität und Beratung fortzusetzen. Ebenfalls ein Erfolgsfaktor ist unsere starke Gemeinschaft aus österreichischen Sportfachhändlern mit Rückhalt eines starken internationalen Verbands. Ziel ist es, wieder die Marktführerschaft am österreichischen Sportmarkt zu übernehmen und wir befinden uns auf einem guten Weg dahin.“ Sport 2000 hat aktuell in Österreich 250 Händler, neben Filialen in Tschechien und der Slowakei. Bis Ende 2018 sollen 50 neue Händler hinzustoßen. Mit Ende des Vorjahres kamen erst 25 neue Händler hinzu, deren Umsätze nun wirksam werden.

NEUER KAPITÄN
Der Stolperstein auf dem Weg zum Ziel könnte hingegen Thors­ten Schmitz heißen. Der 40-jährige hat nämlich mit 1. Oktober 2018 als neuer Geschäftsführer der Intersport Austria GmbH die Verantwortung für die Märkte in Österreich, der Slowakei, Tschechien und Ungarn übernommen. Und auch hier lautet die Devise, den Wachstumskurs von Intersport Austria aus den vergangenen Jahren fortzusetzen. „Dass wir mit Thorsten Schmitz einen Kandidaten aus unserer Mannschaft für diese wichtige Aufgabe gefunden haben, freut mich ganz besonders. Thorsten ist ein Teamspieler mit hoher operativer und strategischer Kompetenz. Er versteht den Markt und unsere Händler bestens. Mit ihm werden wir unsere hervorragende Ausgangsposition in Österreich und den MOEL-Ländern weiter ausbauen“, so Vorgänger Mathias Boenke, der mit Anfang Oktober als Vorstand für den Bereich „Intersport“ in die Zentrale wechselte. Künftig berichtet der neue Geschäftsführer also direkt an seinen Vorgänger. Schmitz war zuletzt zwei Jahre als Leiter Sortiment/Vertrieb in Österreich, der Slowakei, Tschechien und Ungarn tätig gewesen. Gleichzeitig verantwortet er seit Anfang 2018 den Bereich Category Management im Fünf-Länder-Verbund mit Deutschland.

HARTER KAMPF
Eines bleibt aber beiden nicht erspart: Die kommenden Jahre werden von intensivem Wettbewerb und neuen Mitbewerbern geprägt. Der Markt ist dadurch in Bewegung – allerdings hauptsächlich preisgetrieben. Was bekanntlich nicht der Weg der beiden großen Sporthändlerverbände ist. Diese setzten auf Marken und Produktqualität sowie Service und Top-Beratung. Dabei werden auch Regionalität und Individualität groß geschrieben. Das bedeutet: Fachgeschäfte für Skifahrer sind verstärkt in Westösterreich, Märkte mit Schwerpunkt im Bereich Sport-Fashion. im Osten zu finden. Stärker denn je stehen sich also die Konzepte „Kette, Preis und Uniformität“ und „Individualität, Qualität und Regionalität“ gegenüber. „Berücksichtigt man die neuen Marktteilnehmer und den zunehmende Onlinehandel, so rechne ich damit, dass mittelfristig zehn bis zwölf Prozent des bestehenden Marktes den aktuellen Akteuren im Sportfachhandel verloren gehen, auch uns“, so Schwarting. Um in diesem harten Kampf um Marktanteile bestehen zu können, setzen Sport 2000 und Intersport daher auf das Nummer-1-Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Mitbewerb (neben der Qualität): den Menschen. Die selbstständigen, regional verankerten Sportfachhändler kennen die Kunden wie kaum ein anderer und differenzieren sich durch regionale Sortimente, die genau auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind.

STEILVORLAGE
Aber wie tickt der österreichische Sportler wirklich? Diese Frage stellten sich beide Unternehmen im Rahmen ihrer Sportreports für das Jahr 2018. Im Bericht „Sport 2000 Sports Insights“ wurden dafür die aktiven österreichischen Sportler, das heißt jene, die mindestens fünf Mal pro Monat sportlich aktiv sind, genauer unter die Lupe genommen. Etwa 60 % der Österreicherinnen und Österreicher betätigen sich mindestens einmal die Woche sportlich.

Dabei werden die Sportarten Radfahren (49 %), Laufen (31 %) und Fitness (23 %) am intensivsten ausgeübt. Lediglich 12 % der befragten Personen gaben an, aktiv zu schwimmen. Österreichische Sportler haben bei der Ausübung ihrer sportlichen Aktivität unterschiedliche Ziele vor Augen. Die meisten sehen die Bewegung an der frischen Luft (69 %) und die Verbesserung des Gesundheitszustandes (70 %) als ihre Hauptmotivatoren, Sport zu treiben. Gewichtsreduktion durch Sport ist im Vergleich, in dieser Zielgruppe der bereits aktiven Sportler, weniger wichtig (34 %). Wird längere Zeit kein Sport getrieben, so fühlen sich 43 % der Befragten unausgeglichen und sind schlecht gelaunt. 67 % der Befragten passiert dies jedoch selten – sie planen ihre Sporteinheiten fix in den Wochenplan ein. Auf der anderen Seite der Theke muss der Spezialistenhändler vor allem eines können: Individuell beraten und über ein breites Fachwissen der Vor- und Nachteile der angebotenen Produkte verfügen. Die Umfrage, die für den weiteren Weg der Händler maßgebend ist, bezieht sich auf 1.000 Personen über 18 Jahre.

PRÄGENDER TEIL
Im „Intersport Sportreports 2018“ stehen zwei wichtige Botschaften voran: Für mehr als zwei Drittel ist Sport ein wichtiger und prägender Teil des Lebens (63,5 % der befragten Österreicher betreiben mindestens einmal pro Woche aktiv Sport, wobei sich 10,4 % sogar fast täglich sportlich betätigen), und 95 % der Österreicher sind überzeugt, dass Sport den Familienzusammenhalt fördert und Kinder mehr Sport betreiben sollten. Im Klartext: Ob im Sportverein, beim Radausflug oder in der täglichen Turnstunde – den Österreichern ist die Bewegung ihrer Kinder enorm wichtig.

Die Österreicher lassen sich das auch was kosten. Rund 276 Euro jährlich geben Herr und Frau Österreicher für die sportlichen Aktivitäten ihrer Kinder aus. „Wir lesen aus diesen Zahlen durchaus auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag heraus. Es gibt immer weniger Vereine, die Schulsportaktivitäten sind auf ein Minimum reduziert und die Kinder sind immer mehr den Verlockungen von Computer und Handys ausgesetzt. Da wollen wir einen bewussten Gegenpunkt setzen und Sport für Familien attraktiv machen“, stellt Boenke vor seinem Wechsel noch klar. Und egal ob jung oder alt, ob in Wien oder am Arlberg zu Hause, Biken steht bei den Österreichern ganz vorne auf der Beliebtheitsskala. Jeder zweite Österreicher radelt regelmäßig, am liebsten mit dem Mountainbike, gefolgt vom City- und Trekkingbike. Auch der E-Bike-Trend schreitet zügig voran. Für rund ein Drittel der E-Bike-Besitzer ist ihr Pedelec nicht mehr aus dem Leben wegzudenken und sie wollen es möglichst oft nutzen. Zudem gaben mehr als 750.000 Österreicher an, in Kürze ein E-Bike kaufen zu wollen.

Größere Unterschiede zwischen den Bundesländern zeigen sich hingegen bei den Sportarten. So geben 51 % der Wiener und 66 % der Tiroler und Vorarlberger an, gerne zu wandern. (Im Vergleich dazu: OÖ: 53 %, Sbg: 64 %, K: 61%, Stmk: 50 %, NÖ und Bgld: 46 %) Nur 19 % der Wiener fahren Ski, hingegen 36 % der Tiroler und Vorarlberger, sowie 41 % der Salzburger, (OÖ: 29 %, K: 32 %, Stmk: 34 %, NÖ und Bgld: 21 %), was aber auf Basis der geografischen Unterschiede keine große Überraschung bedeutet.

FOTO: Intersport

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