Cupfinal-Verlust?

Das Cup-Finale hätte in Wien-Favoriten statt-finden sollen, stieg aber in Klagenfurt. Ein Verlust?

Rapid und Austria Wien haben eine interessante, nicht einzigartige Beziehung. Überall auf der Welt gibt es Derbys und Lokalrivalitäten. Das war lange bekannt. Auch als sich der ÖFB entschied, das Cupfinale jahrelang in der seit Sommer neu gebauten Generali Arena austragen zu lassen; bzw. im Viola Park, wie das gedachte Finalstadion im Cup heißt. Freilich kam es ganz anders: Rapid stieg als unterlegene Mannschaft gegen den LASK ins Finale auf, wo Red Bull Salzburg wartete. Schon im Vorfeld hatten Austria-Fans Unmut darüber geäußert, dass „ihre“ Fantribüne anderen Fans überlassen werden würde.

Unmittelbar nach dem Aufstieg verlautbarte Rapid-Präsident Michael Krammer mit Ausblick auf den ersten Titel der Grün-Weißen seit 2008: „Mein Appell an den ÖFB: Bitte verlegen wir das ins Happel-Stadion.“ Krammer nannte die höhere Kapazität und Sicherheit als Gründe – schließlich mussten beim Dezemberderby tausende Rapid-Fans in der Kälte ausharren, die Polizei hatte den Zugang zum Stadion gestoppt. Krammers Wunsch wurde quasi von der Exekutive erhört, am 8. April fand eine Gesprächsrunde mit der Polizei statt. Die meinte, man könnte die Sicherheit nicht mit rechtfertigbarem Aufwand garantieren.

Dass Rapid oder auch Sturm Graz – die Klubs mit den wohl meis­ten Fans Österreichs – ins Finale kommen könnten, steht als Möglichkeit immer offen. Bernhard Neuhold, Geschäftsführer ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH, blickt auf die Situation zurück: „Die Austria und wir hatten einen Vertrag geschlossen, wonach das UNIQA ÖFB Cup-Finale bis 2022 im Viola Park ausgetragen wird. Im Rahmen des mehrstufigen Vergabeprozesses haben wir uns aber selbstverständlich auch Gedanken gemacht, wie ein Finale mit Rapid und/oder Sturm durchführbar sein würde. Wir sind zu dem Ergebnis gelangt, dass das möglich sein muss.“ Als der Vertrag im Juni 2018 geschlossen wurde, hatten aber die Vorfälle von Dezember 2018 logischerweise noch nicht stattgefunden, „die Entscheidung gilt nur für dieses eine Spiel zu diesem Zeitpunkt, die Polizei könnte gemäß eigener Aussage in Zukunft die Freigabe für ein Finale im Viola Park erteilen“. Das Thema wäre aber eben erst aufgekommen, als letztlich tatsächlich feststand, dass Rapid im Finale sein würde.

In Folge dessen waren ÖFB und Austria davon überzeugt gewesen, dass man das Finale so durchführen konnte. Das gewählte „Exit-Szenario war dann aufgrund der Sicherheitsbesprechung unausweichlich. Die Exekutive war sehr klar in den Aussagen, alternative Lösungen wurden daraufhin gar nicht diskutiert.“ Das Finale vor diesem Hintergrund durchzupeitschen, wäre „fahrlässig“ gewesen, wie Neuhold meint.

FINALSTANDORTFRAGE
Der Cup hatte in den letzten Jahren unter mauen Zuschauerzahlen gelitten. 2008 hatte man ihn ausgesetzt, seitdem pendelten die Zuschauerzahlen alleine im Finale zwischen 10.200 (Austria – Admira, 2009) und 27.100 (Sturm – Salzburg, 2018). Auf Basis des Viertelfinales hätten auch Wiener Neustadt und der SKN St. Pölten im Endspiel stehen können – da wäre vermutlich der Viola Park mit seinen 17.656 Plätzen zu groß gewesen. Zudem war die Diskussion nach mehr Attraktivität und einem möglichen Zielstadion – wie in Deutschland mit seinem bekannten Fan-Chant „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ – in einer schwierigen Situation. Der ehemalige Sponsor Samsung hatte den Vertrag nicht verlängert, UNIQA war zu Beginn des Diskussionsprozesses über den neuen Final-Standort noch nicht fixiert. „Die Idee hinter dem Viola Park war ja auch, dass er eine limitierte Kapazität hat. Ein ausverkauftes Stadion ist attraktiver und strahlt positiv auf den ganzen Bewerb aus.“ 2011 verloren sich schließlich knapp 15.000 Fans im Happel-Oval bei Rieds Sieg gegen Austria Lustenau.

UND NUN?
Der Vertrag mit der Wiener Austria läuft bis 2022. Was passiert nun, wenn wieder Rapid und/oder Sturm ins Finale kommen? „Man muss das möglichst unabhängig von den Finalisten gestalten. Finalspiele mit den Grazern und Hütteldorfern werden auch in Klagenfurt sehr gut besucht sein. Es gibt aber eben auch Finali mit mäßigem Zuspruch. Der Viola Park wirkt bei 12.000 Zuschauern voller als das Wörtherseestadion.“ Nun gebe es drei verschiedene Szenarien: erstens, dass man beim aktuellen Vertrag bleibt. Zweitens, man löst ihn ganz auf. Drittens, der Vertrag wird adaptiert. Diesbezüglich laufen derzeit die Gespräche zwischen ÖFB und Austria Wien. Die Zielsetzung sei, dass man bis Ende Juni eine Entscheidung treffen würde, wie mit dem Vertrag weiter verfahren würde. Die theoretischen Varianten, beispielsweise Rapid gegen Sturm oder Sturm gegen den WAC, mit dann entsprechenden Verlegungen in den Prater oder Kärnten, wären Gegenstand der Verhandlungen.

EIN VERLUST?
Ob die Verlegung nun irgendeinem der Beteiligten einen finanziellen Schaden bereitet, ist noch offen. „Ein finanzieller Schaden ist nicht entstanden. Vom wirtschaftlichen Standpunkt sollte es in Anbetracht der Finalpaarung so sein, dass Klagenfurt mit dem größeren Fassungsvermögen keinen Nachteil mit sich bringt.“ Es sollte – das weiß man erst nach Abschluss des Bewerbsjahres im Laufe von 2019 – sogar ein besseres Ergebnis zustande gekommen sein. Das wäre aber „Spekulation“. Am Ende käme es dann noch drauf an, wie die Gespräche mit der Austria enden würden. Denn schließlich hätten die Veilchen ja einen Vertrag, der auch finanziell attraktiv gewesen sei. Aber die Austria und der ÖFB hätten eine gute Gesprächsbasis, eine Abschlagszahlung könnte Teil der Verhandlungen sein: „Wir sind zuversichtlich, dass es eine Gesamtlösung geben wird, bei der keine der beteiligten Parteien als Verlierer übrig bleibt.“ Es scheint also so, dass man sich trotz des Vertrages nun vorbereiten will, um ein tagelanges Spekulieren um einen möglichen Finalstandort nicht noch einmal zu haben.

FOTO: GEPA

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