Das Zukunftsthema

Längst hat die Digitalisierung auch den Sport durchdrungen – auf allen möglichen Ebenen.

Sie ist wohl eines der zentralen Themen unserer Zeit: die Digitalisierung. Längst hat sie alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche erfasst; und natürlich auch den Sport. Dazu, welche Potenziale dieses Phänomen für den Profisport in sich birgt und wie die österreichischen Verbände und Vereine diese für ihre Sportarten und -fans heben wollen, haben wir die Branchenvertreter befragt. Die Digitalisierung tangiert sämtliche Ebenen des Sportbetriebs – vom Scouting über die Trainingssteuerung und etwaige Analysen bzw. Datenverarbeitung oder CRM bis hin zu den administrativen Bereichen und zur Interaktion mit den Fans bzw. zur medialen Aufbereitung von Sportevents selbst.

Der ÖSV sieht zudem eine enorme Vereinfachung zahlreicher Arbeitsprozesse durch digitale Technologien. Als Beispiele hierfür nennt Präsident Peter Schröcksnadel unter anderem die Bereiche Ticketing oder E-Learning-Plattformen, die auch im Bereich Anti-Doping optimal eingesetzt werden können. „Das setzt sich fort bis zu einer Ausweitung der Echtzeit- und Hintergrundinformation für die Fans, was wiederum eine Reichweitensteigerung ermöglicht“, so Schröcksnadel weiter. Er verweist auch auf den rundum erneuerten Online-Auftritt seines Verbands www.oesv.at, der noch vor dieser Saison live geschaltet wurde. Das Ergebnis nennt er „eine erfrischende, attraktive Informations- und Kommunikationsplattform“, mit der „die vielen Facetten des Österreichischen Skiverbandes innovativ, interaktiv und exklusiv präsentiert werden sollen“. „Dafür wurden zahlreiche neue technische Features und Funktionalitäten installiert, um Neuigkeiten aus den einzelnen Sportarten schneller und umfangreicher bereitstellen zu können“, fügt Bernhard Foidl, Medien- und Online-Chef des ÖSV, hinzu. „Die mobile Ausrichtung spielt dabei natürlich eine zentrale Rolle, bereits jetzt erfolgen mehr als 50 % aller Zugriffe über ein Smartphone.“

APROPOS MOBILE
Auch die heimischen Fußballklubs setzen mit ihren Apps verstärkt auf diesen Draht zu den Fans. Red Bull Salzburg möchte die tipico Bundesliga-Tabelle nicht nur sportlich anführen, sondern auch im Bereich Digitalisierung „First Mover sein“, wie Christoph Glasner, Leiter Marketing und Medien beim FC Red Bull Salzburg, meint. Die App des Vereins mit eigenem Video-on-Demand-Channel sei eine wichtige konkrete Maßnahme von Red Bull Salzburg in Richtung Digitalisierung. „In den nächsten beiden Spielsaisonen werden wir einen noch größeren Fokus auf dieses Thema legen – vor allem Projekte in Richtung eines Loyalty-Programms“, kündigt Glasner an und erwartet dadurch auch „zusätzliches Erlöspotenzial“.

Auch Rapid „möchte sich als innovativer Verein positionieren“, wie Christoph Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft des SK Rapid, wissen lässt. „Und als erster Verein der österreichischen Bundesliga haben wir Ende 2018 einen Hackathon (Anm.: Kunstwort aus „Hack“ und „Marathon“) umgesetzt, der spannende Erkenntnisse und neue Ideen geliefert hat, wie wir unserem Anspruch des ‚Vereins zum Anfassen‘ weiterhin gerecht werden können.“

E-BUNDESLIGA
Natürlich ist die Digitalisierung auch für den Fußball insgesamt ein absolutes Zukunftsthema. Neben zahlreichen Maßnahmen zur Arbeitserleichterung und Effizienzsteigerung der Vereine setzt etwa die Österreichische Fußball-Bundesliga unter anderem auf ein zentrales Online-Akkreditierungssystem für Journalisten, eine digitale Spieldatenbank für Bundesliga-Spielbeobachter, ein eigenes Schiedsrichter-Quiz und die krone.at-eBundesliga. „Die krone.at-eBundesliga ist der erste von einem Sportverband organisierte eSport-Bewerb in Österreich“, so die Bundesliga auf Anfrage. Auf der Liste der Sponsoren stehen neben krone.at namhafte Unternehmen wie MediaMarkt, Raiffeisen-Club, T-Mobile sowie der TV-Partner Sky und Sony Playstation.

„Die krone.at-eBundesliga war nicht nur im ersten Jahr bereits auch aus kommerzieller Sicht ein voller Erfolg, sondern vor allem das beste nationale Beispiel für den internationalen Megatrend eSports“, freut sich die Bundesliga. Red Bull Salzburg ist auch „einer der Haupttreiber bei der Initiierung der österreichischen eBundesliga“, wie Glasner betont und meint, dass sein Verein dieses Segment des digitalen Entertainments auch in Zukunft prägen möchte.

FAN-ERLEBNIS
„Wir wollen unseren Klub erlebbar machen, unsere Anhänger begeistern und neue dazugewinnen“, meint Christoph Pflug, Leiter Medien und Kommunikation bei der Wiener Austria. „Im Sinne unserer Wachstumsstrategie muss es auch unser Ziel sein, neue Märkte zu erschließen.“

Beide Wiener Traditionsklubs haben ihre nagelneuen Stadien nicht nur modernisiert, sondern eben auch digitalisiert, um das Fan-Erlebnis möglichst komfortabel zu gestalten. Die Palette reicht von bargeldlosem Zahlen, kostenlosem flächendeckenden WLAN sowie TV-Bildschirmen über IPTV-Systeme bis hin zu LED-Banden und vieles mehr. „2.000.000 Euro wurden insgesamt in die IT- und Medieninfrastruktur der neuen Generali-Arena investiert“, betont Pflug.

Rapid hat seiner innovativen Zahlungsmethode einen eigenen Namen gegeben: „Rapid Mari€“. Und: „Wer sich Stadion-Flair nach Hause holen möchte, kann dies außerdem mit unserer 360-Grad-Stadiontour auf unserer Website machen. Hierfür wurden beachtliche 636 Informationsspots programmiert und auf 125 Panoramaaufnahmen eingebunden“, erläutert Peschek und kündigt hier auch den Einsatz von VR-Technologien in naher Zukunft an.

Auch Red Bull Salzburg verspricht weitere Investitionen in die digitale Infrastruktur der Red Bull Arena, „um dem Need nach steigenden Bandbreiten gerecht werden zu können. Darüber hinaus halten wir unsere Augen und Ohren gemeinsam mit unserem Partner A1 auch offen, um schnell auf neue Trends wie etwa 5G-Netz reagieren zu können“, so Glasner.

Aber auch das Live-Erlebnis in den Ski-Arenen hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. „Über unser Ski Austria Fan-TV werden die Zuschauer noch stärker in das Live-Geschehen miteingebunden. So sorgen vor und während der Rennen Gewinnspiele und spezielle Interaktionen mit den Fans für Unterhaltung und Abwechslung“, geht Foidl vom ÖSV ins Detail.

Natürlich nutzen auch die heimischen Sportidole digitale Technologien wie Facebook, Twitter und Co, um in direkten Kontakt mit ihren Fans zu treten. Einen eigenen Verhaltenskodex dafür gibt es offenbar nicht – es gelten lediglich die allgemeinen Kommunikationsrichtlinien des jeweiligen Verbands bzw. Vereins.

FOTO: GEPA PICTURES

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