Die Ruder-Profis

Vom 25. August bis 1. September steigt die Ruder-WM in Linz-Ottensheim. Ein gutes Beispiel für professionelle Organisation.

Es ist ein langer Weg, den die Veranstalter der Ruder-Weltmeisterschaft 2019 zurückgelegt haben. Fakt ist: Die Organisatoren, der oberösterreichische Ruderverband, liefert ein gutes Beispiel für ein gelungenes Großevent ab.

Color of Sports zeichnet mit Horst Anselm, Organisator der WM in Linz-Ottensheim und Präsident des veranstaltenden oberösterreichischen Ruderverbandes, die ereignisreichen Jahre seit der Bewerbung 2013 nach.

START VOR JAHREN
„Im November 2013 haben wir mit dem Projekt begonnen“, erinnert sich Horst Anselm im Gespräch zurück. „Bis 2015 mussten alle Unterlagen abgegeben werden – auch alle Finanzzusagen.“ Der wesentlichste Geldgeber ist die öffentliche Hand, Sponsoren könne man so früh nicht planen. Im September 2015 erhielt Linz-Ottensheim den Zuschlag, mit der Ausrichtung des Weltcups im Juni 2018. Insofern muss­te sofort mit dem einjährigen Bau der Infrastruktur begonnen werden. Dafür gab es Lob. „Der Weltverband meinte, dass alle anderen bis zur WM noch eine Baustelle hatten“, meint Anselm lachend. Aber bereits im Oktober 2017 konnte die Anlage eröffnet werden. Der Weltcup war auch wichtig, um Erfahrungen zu sammeln. Oder wie es der Veranstalter sagt: „Hätten wir den nicht gehabt, hätten wir schön blöd aus der Wäsch‘ g‘schaut.“

JEDES STEINCHEN
Nach und nach fügte sich in den letzten Jahren das Puzzle zusammen, um die WM zu ermöglichen. Auf der Nordseite mit dem Zielturm können rund zweieinhalbtausend Fans die Rennen verfolgen. Gemeinsam mit dem Bundesheer wird eine mobile Brücke gebaut, damit auf der anderen Seite 5.000 Menschen Platz haben. Die Tribünen auf der Zielturmseite sind überdacht und dort werden jene Menschen sitzen, die über die nationalen Verbände Tickets gekauft haben. Im Dezember öffnete der Ticketverkauf, zwei Drittel auf dieser Seite für die Verbände sind schon verkauft.

DAS BUDGET
Das Budget liegt bei circa 8,6 Millionen Euro. Dabei gibt es aber zu bedenken, dass die Infrastruktur in einem eigenen Verein ist. „Das Budget ist fast Hälfte-Hälfte zwischen Infrastruktur und Organisation aufgeteilt“, erklärt Anselm. Der Bund gibt gesamt 3,5 Millionen, das Land Oberösterreich ebenfalls. Hinzu kommen noch 300.000 Euro und 100.000 Euro Sachleistung von der (kleinen) Gemeinde Ottensheim und 220.000 Euro von der Stadt Linz. Gerade von Letzterer ist Horst Anselm enttäuscht, weil ja doch die Stadt Linz aufgrund der Hoteldichte der wahre wirtschaftliche Nutznießer der WM ist. Der Rest auf die Gesamtsumme besteht aus Sponsoreneinnahmen und Ticketing. Um die Sponsoren „müssen wir uns noch bemühen“.

FANS UND NÄCHTIGUNGEN
Für Anselm sind auch die Zuschauer mehr oder weniger Sponsoren. Er erwartet in der Wettkampfwoche 60- bis 70.000 Fans. Gemeinsam mit der Universität errechneten die Veranstalter, dass eine Person inklusive Nächtigung rund 180 Euro in Oberösterreich ausgeben wird.
Zu den Fans kommen noch zweieinhalbtausend Athleten und Betreuer: „Insgesamt rechnen wir mit rund 100.000 Nächtigungen. Konservativ gerechnet wird die Wertschöpfung für die Region bei über elf Millionen Euro liegen.“ Hinzu kommt noch der Umstand, dass auch die öffentlichen Gelder im Budget fast zur Gänze wieder in die heimische Wirtschaft fließen:„Wir machen uns ja nicht schöne Tage mit dem Geld, das ist quasi eine regionale Arbeitsplatzbeschaffung.“

BESTE WERBUNG
Dann kommt noch ein kaum messbarer Werbeeffekt hinzu. Alleine bis Jänner haben sich 22 internationale Fernsehstationen angemeldet. Bis zu 300 Millionen Menschen könnten auf Basis der Vorjahre verfolgen, was in Linz-Ottensheim geschehen wird. Der gesamtösterreichische Ruderverband kann sich indes zur Gänze auf sich und seine Athleten konzentrieren. Die Organisation der WM 2019 scheint in guten Händen zu sein.

FOTO: GEPA PICTURES

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