Entsprechend gut

Fast jeder kennt Federball, weltweit ist Badminton beliebt. In Österreich ist es schwierig.

Am Anfang steht wie immer die österreichische Erkenntnis: „Der Sportart Badminton geht es, so wie jeder Sportart in Österreich, die nicht Skisport oder Fußball heißt, entsprechend gut.“ Das sagt Rena Eckart, Sportkoordinatorin beim Badminton-Verband (ÖBV). Die Problematik dieser Sportarten lässt sich ohnehin so zusammenfassen, wie es Michael Dickert, Generalsekretär des ÖBV, tut: „Weltweit gehört Badminton zu den Topplayern am Markt. Vor allem durch unsere geringe Präsenz in den Medien ist es schwer, diese rasante und dynamische Sportart in Österreich weiter zu entwickeln.“ Dabei ist der Verband durchaus erfolgreich.

Mit einer 2006 implementierten Leistungssportstruktur konnten Talente gesucht, gefunden und gefördert werden. Michael Lahn­steiner im Herreneinzel und Simone Prutsch im Dameneinzel nahmen 2012 an den Olympischen Sommerspielen teil, Elisabeth Baldauf und David Obernosterer 2016 in Rio de Janeiro. Mit Anfang Mai befand sich Luka Wraber, ein möglicher Kandidat für Olympia 2020, auf Platz 92 der Weltrangliste im Herreneinzel, Dominik Stipsits/Philip Birker lagen auf Rang 90, weltweit, ist Österreich im Nationenranking als 46. gelis­tet, Europaweit auf Platz 22. Dabei geht es immer um Vergleiche. Die Sportnation Deutschland ist auch „nur“ 14. der Weltrangliste – obwohl es dort ca.190.000 Mitglieder gibt. In Österreich greift man auf 4.200 Mitglieder in 120 Vereinen zurück.

GUTE VERBANDSARBEIT
Die Mitgliedszahlen sind in einem Zehnjahreszeitraum konstant, wie erwähnt hat man 2006 angefangen, umzustrukturieren. „Unsere derzeitige Organisationsstruktur – inklusive Kaderstruktur, Standortförderung, Fördersysteme für Kaderspieler sowie leistungssportorientiert arbeitende Vereine und Landesverbände, ebenso eine Trainerentwicklungskonzeption – ist auf allen Ebenen gut etabliert und wird aus jeglichen Richtungen akzeptiert und anerkannt“, stellt Rena Eckart klar. „Mit Hilfe all dieser breit aufgestellten, unterstützenden Rahmenbedingungen war und ist es möglich, trotz ständig wachsender internationaler Konkurrenz den Anschluss an das mittlere Leistungsniveau insbesondere im Herreneinzel nicht zu verlieren und nun auch im Mixed und Damendoppel Schritt für Schritt vorwärtszukommen.

“Badminton ist ein „sport for all“ – Inklusion hat für den ÖBV einen sehr hohen Stellenwert. Im ÖBV gibt es jeweils ein Para-Badminton-Referat für Breitensport und Leistungs- und Spitzensport. Zahlreiche Maßnahmen werden gesetzt, um Spieler für die Sportart zu gewinnen und regelmäßige Spiel- und Trainingsmöglichkeiten in den ÖBV-Mitgliedsvereinen anzubieten. „Henriett Koósz, zweifache Bronzemedaillengewinnerin der Para-EM und Top 10 in der Einzel-Weltrangliste, hat Nationalkaderstatus und erhält die gleichen professionellen Rahmenbedingungen“, so Dickert, der neben seiner Funktion als Generalsekretär als Para-Badminton-Nationaltrainer tätig ist.

ZAHLEN
Dickert kann die Arbeit an Zahlen festmachen: „Blickt man zehn Jahre zurück, erhielten wir von der öffentlichen Hand Subventionen in Höhe von 423.043 Euro. 2019 konnte die Summe um 75 Prozent auf 738.611 Euro gesteigert werden. Dank sparsamer Budgetpolitik geht sich Jahr für Jahr ein kleines Budgetplus aus.“ Der Aufbau von Rücklagen wäre allerdings nicht möglich. Das Verbandsbudget setzt sich auch maßgeblich aus Förderungen der öffentlichen Hand zusammen: „Leider sind wir extrem von den Förderungen abhängig – allein 80 Prozent unseres aktuellen Budgets in Höhe von 930.361 Euro kommen aus Fördermitteln. Die restlichen 20 Prozent setzen sich unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen, Spielerlizengebühren und Sponsorengeldern zusammen.“

TOP-TC-SPORTART
Badminton leidet gewissermaßen an der mangelnden medialen Aufmerksamkeit. Dabei wäre die Sportart durchaus attraktiv, viele werden das eine oder andere Video einmal in die Facebook-Timeline gespült bekommen haben. Dabei werden die großen Turniere – hier braucht es mindestens 13 Kameras – im Internet gestreamt. Dabei „wäre Badminton eine Top TV Sportart. Wir sind sehr unzufrieden. Die mediale Präsenz hängt natürlich unter anderem von internationalen Erfolgen ab. Daran arbeiten wir tagtäglich. Zum anderen gilt es, Sponsoren zu finden und TV-Zeiten zu kaufen.“ Rena Eckart sieht es aber positiv, wie sich der Sport entwickelt: „Diejenigen, die die Sportart für sich entdeckt haben, werden ihr Leben lang Badminton spielen und auch Wettkämpfe bestreiten wollen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Turnieren, inklusive dem Ligaspielbetrieb bundes- und landesweit.“ Aber natürlich leide die Sportart auch unter der neuen Zeit, in der sich immer weniger freiwillig in der Freizeit engagieren wollen.

OUTDOOR!
In den letzten Jahren arbeitete der Weltverband an einer allgemeinen Verbesserung  der Attraktivität. Dickert erklärt: „Ein neues Projekt des Weltverbandes macht Hoffnung, in die Breite zu gehen. Mit AirBadminton sollen weltweit mehr Personen zum Badmintonsport gebracht werden. Dabei handelt es sich um eine Outdoor­version – ein eigener Outdoorball wurde entwickelt.“ Eckart schließt dennoch mit Problematiken: „Den Übertritt in den Spitzensport mit all seinen Konsequenzen vollziehen aus inners­ter Überzeugung dann tatsächlich nur die Wenigsten.“

FOTO: GEPA

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