„Er wird uns fehlen“

Völlig überraschend verstarb BSO-Präsident Rudolf Hundstorfer am 20. August im 68. Lebensjahr. Unsere tiefe Anteilnahme gilt den Angehörigen.

Erst Mitte Mai hatte ich die Gelegenheit, mit BSO-Präsident Rudolf Hundstorfer für Color of Sports ein ausführliches Interview zu führen. Wir sprachen über den 50. Geburtstag der BSO, die Zukunftsthemen des Sports und die anstehende zweite Präsidentschaftsperiode bei der BSO. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Fassungslos ließ uns am 20. August die Nachricht zurück, dass Rudolf Hundstorfer von uns gegangen ist.

Unter seiner Führung unterstützte die BSO ihre Verbände erstmals bei der Teilnahme an den World Games, wurden erstmals statis­tisch belegbare Zahlen zur Sportvereinsmitgliedschaft der Österreicher erhoben und fand erstmals der Sport Austria Summit als Netzwerkveranstaltung im Sport statt. Weiters brachte er seine Expertise im neuen Bundes-Sportförderungsgesetz 2017 ein und wirkte maßgeblich an den Verhandlungen zur Umsetzung der sportpolitischen Ziele des Regierungsprogramms 2017-2021 mit. Oberstes Ziel Hundstorfers in seiner Funktion als BSO-Präsident war es, die Rahmenbedingungen der Sportverbände und von deren 15.000 Vereinen mit ihren 2,1 Millionen Mitgliedern zu verbessern. Nicht zuletzt deshalb leitete er erst kürzlich eine Parteienbefragung zum Thema Sport ein.

„RUDI, HAST DU EINE MINUTE?“
Seine Arbeit als BSO-Präsident war geprägt von hohem persönlichen Einsatz und vom Willen, Probleme zu lösen. Ein Ohr hatte er für jedermann. Im Büro, auf der Straße, in der U-Bahn. Für (Interview-)Termine in Kaffeehäusern musste man gar einen Zeitpolster einbauen. Denn vom Betreten des Lokals bis zum Tisch benötigte der Präsident mitunter schon einmal fünf bis zehn Minuten. „Rudi, servus, hast du einen Moment …?“ Sein dichter Terminkalender in seiner ehrenamtlichen Funktion als BSO-Präsident sprach diesbezüglich Bände. Er betrachtete die Pension nicht als Ende, sondern als Veränderung seiner beruflichen Tätigkeit. Sport als Querschnittsmaterie war für den ehemaligen Gewerkschafter, Sozialminister und Bundespräsidentschaftskandidaten „pure Gesellschaftspolitik“. Seine Aufgabe als BSO-Präsident brachte er in seiner typischen Art einmal so auf den Punkt: „Im Prinzip geht es darum, dass die Ruderer ein gutes Boot bekommen …“

„TIEF BETROFFEN“
„Ich bin tief betroffen vom plötzlichen Tod von Rudolf Hundstorfer, mit dem ich jeden Austausch sehr geschätzt habe, auch während unserer gemeinsamen Kandidatur zur Präsidentschaft. Hunds­torfer hat öffentliche Funktionen immer mit höchster Kompetenz und großer sozialer Verantwortung wahrgenommen. Zuerst sowohl als Wiener Gemeinderat und Landtagsabgeordneter als auch als Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Dann war er bewährter Krisenmanager als Präsident des ÖGB und zuletzt ein allseits geschätzter Sozialminister.

Hundstorfer war ein umgänglicher und heiterer Mensch, der mit allen reden konnte, mit Arbeiterinnen und Arbeitern genauso wie mit Spitzenpolitikerinnen und -politikern.

Er suchte auch immer das Gespräch über Parteigrenzen hinweg. Mit Rudolf Hundstorfer verliert Österreich einen warmherzigen Menschen und einen bedeutenden Gewerkschafter und Politiker. Er wird uns fehlen!“, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

FOTO: Gepa Pictures

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