„Es geht um gute Ergebnisse“

Clemens Trimmel, Geschäftsführer der Bundes-Sport GmbH, im Interview mit Color of Sports über die Vergabe der Bundessportförderung.

Die Diskussionen sind eröffnet: Die Sportförderung für die nächste Förderperiode wurde der Öffentlichkeit vorgestellt, genauer gesagt von Clemens Trimmel, der als Geschäftsführer der Bundes-Sport GmbH in den vergangenen Monaten 59 Verbandskonzepte studiert hat, um diese nach verschiedenen Kriterien in einer Matrix zu beurteilen. Im exklusiven Interview mit Color of Sports erzählt Trimmel, welche Herausforderungen zu meistern waren, wie professionell die Verbände agiert haben, warum Verbände mit olympischen Sportarten im Vorteil sind und welche Pläne es für die Zukunft gibt.

Color of Sports:
Wie sind die vergangenen Monate vom Zeitpunkt der Bekanntgabe der Fördermitteleinreichung bis jetzt zur Vergabe aus Ihrer Sicht verlaufen?
Clemens Trimmel:
Es war ein sehr intensiver Prozess, die Verbände hatten bis 30. Juni Zeit, ihre Anträge einzureichen. Es sind doch 59 Verbände, die ganze Abteilung Spitzensport hat diese Konzepte durchgearbeitet. Die Konzepte waren natürlich sehr unterschiedlich. Wir haben dann aber nicht den Fokus verlieren dürfen, denn das Konzept alleine ist „nur“ ein Papier, das einige Verbände umfassend, andere weniger umfassend gestaltet haben. Wir haben auch bewerten müssen, welches Potenzial in diesen Verbänden steckt. Wir haben einen guten Mix gefunden, die Förderung für 2019 sozial verträglich zu gestalten, was auch dem Wunsch des Ministers entspricht. Dennoch war es auch eine zielgerichtete und leistungsorientierte Bewertung. Wir sollten uns aber nicht untereinander mit den Verbänden messen, sondern Sport ist ein Weltmarkt, daher müssen wir uns international orientieren. Am Ende des Tages geht es um gute Ergebnisse im internationalen Sport.

CoS:
Hat man sich bei der Bewertung der Anträge an internationalen Beispielen orientiert?
Trimmel:
Das haben wir gemacht und uns viele Länder angesehen. Man muss aber natürlich vorsichtig sein, weil man viele Systeme aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen nicht einfach 1:1 kopieren kann. Wir haben uns an das Schweizer Modell sehr nahe angelehnt, das ebenfalls einen Mix aus Ergebnissen der Vergangenheit und Bewertung des Potenzials der Zukunft darstellt. Die Schweizer sind aber schon einen Schritt weiter, weil sie auf Sparten und Disziplinen speziell eingehen. Diesen Schritt wollen wir auch schaffen, aber nicht gleich im ersten Föörderzyklus. Das werden wir uns dann nächstes Jahr zu Herzen nehmen und Denkmodelle entwickeln.

CoS:
Nach Durchsicht der 59 Verbandskonzepte haben Sie bestimmt einen guten Überblick: Wie professionell sind Österreichs Verbände aufgestellt?
Trimmel:
Ich würde sagen, dass wenige Überraschungen dabei waren. Bei vielen Verbänden weiß man, wie professionell gearbeitet wird, das hat sich durch die Konzepte bestätigt.

CoS:
Laufen die kleineren Verbände nicht Gefahr, aufgrund der mangelnden Administration um Fördermittel umzufallen?
Trimmel:
Der Auftrag war, dass die olympischen Sportarten mehr Bedeutung erhalten, Ausnahme Fußball, wo die WM am meisten zählt. Das bekommen nichtolympische Sportarten auch zu spüren. Der administrative Aufwand für die Fachverbände wird eingedämmt, das Feedback der Verbände zur neuen Online-Antragstellung war äußerst positiv.

CoS:
Gibt es für die Verbände eine Möglichkeit, die beschlossenen Fördersummen noch zu verhandeln, weil sich eventuell ein Verband ungerecht bewertet fühlt?
Trimmel:
Die Summen werden sicher nicht weniger werden, sollten zusätzliche Mittel lukriert werden, werden diese aliquot aufgeteilt. Das Gesetz zwingt uns zu einer Rücklagenbildung von 5% der Fördermittel, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können, also zum Beispiel, wenn ein Sportevent statt im Nachbarland plötzlich auf einem anderen Kontinent stattfindet und sich die Ausgaben dadurch erhöhen. Die Matrix-Bewertung ist aber fix und wird nicht mehr verändert.

CoS:
Transparenz ist ein wichtiges Thema, wenn es um öffentliche Fördermittel geht. Inwiefern ist diese Transparenz für die Verbände und den Steuerzahler gegeben?
Trimmel:
Für den Steuerzahler ist es insofern transparent, als dass jeder sieht, wo welcher Verband in der Matrix zu finden ist. Auch die genauen Zahlen sind auf unserer Homepage abrufbar. Die Verbän- de bekommen ein detailliertes Bewertungsergebnis, und im Verbandsgespräch gibt es dazu von uns Erläuterungen. Ich hoffe, dass jene Verbände, die etwas verloren haben, das als Ansporn sehen, sich weiterzuentwickeln. Ich hoffe auch, dass wir ab dem nächsten Jahr die sportliche Entwicklung der Verbände in einer Begleiterrolle noch näher verfolgen können.

CoS:
Wie kommen die Verbände nach Bekanntgabe der Fördermittelhöhe dann schlussendlich zu ihrem Geld?
Trimmel:
Die Verbände können ab sofort im Online-System ihre Fördermittel beantragen und genau aufteilen, für welche Bereiche sie wie viel benötigen. Wir kontrollieren die Schlüssigkeit der Angaben in Bezug auf das abgegebene Konzept. Ich bin dafür verantwortlich, dass die zugesagten Fördermittel sinnvoll eingesetzt werden, insofern muss das alles zusammenpassen. Sollte es Differenzen ge- ben, muss ich mit dem Verband Gespräche führen und das klären. Ich glaube aber nicht, dass es hier große Probleme geben wird. Wenn alles passt, erfolgt die Überweisung quartalsweise im Vorhinein, so ist das im Gesetz auch festgelegt.

CoS:
Wird es eine Evaluierung des aktuellen Matrix-Systems geben, d.h. kann sich das System auch wieder ändern bei der nächsten Vergabe?
Trimmel:
Theoretisch kann es sein, dass wir draufkommen, dass wir an dem einen oder anderen Rädchen drehen müssen, aber prinzipiell bin ich für Kontinuität, weil sich die Verbände auch darauf einstellen. Die vorher schon erwähnte Erweiterung in Richtung Förderung von Disziplinen wäre aber eine mögliche Änderung für die nächste Periode. Dieser Prozess hat aber in der Schweiz auch lange gedauert.

CoS:
Die Erweiterung der Fördermittelvergabe auf Disziplinen klingt aber im ersten Moment für die Verbände auch nach noch mehr Administration, oder täuscht das?
Trimmel:
Ganz im Gegenteil. Wir müssen natürlich immer möglichst genau sein, wenn wir Fördermittel vergeben, im Endeffekt geht es aber mit der angesprochenen Erweiterung um die effizientere Fördermittelvergabe, speziell im Hinblick auf die olympischen Sportarten. Wenn man gewisse Disziplinen speziell fördert, hätte das die Chance, dass man auch sportlich mehr Erfolge generiert. Es ist festzuhalten, dass man dem Steuerzahler gegenüber in der Verantwortung steht, dass Fördermittel so effizient und zielorientiert wie möglich eingesetzt werden. Dies gilt ebenso für die Förderkontrolle und für eine korrekte Abrechnung der Mittel.

Danke für das Gespräch!

FOTO: GEPA Pictures

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