„Es ist der zweite Frühling“

eSport ist derzeit in aller Munde. Das war nicht immer so. Sprachrohr ist der eSport Verband Österreich (ESVÖ).

ESport ist wieder in aller Munde. Color of Sport hat Manuel Haselberger vom eSport Verband Österreich (ESVÖ) befragt, wie es der noch jungen Sportart ging, geht und wie es weitergehen soll sowie was es braucht, um eSport voranzutreiben.

Color of Sports: Wie geht es dem eSport in Österreich?
Manuel Haselberger: Seit zwei Jahren gibt es einen Aufwärts­trend, wir nennen es auch den zweiten Frühling. Vor zehn Jahren ist der eSport in der LAN-Party schon angekommen. Dann kam es zur Stagnation. Jetzt kommt wieder frischer Wind rein, es kommen neue Partner, die Wirtschaft interessiert sich wieder dafür, die Publisher unterstützen das.

CoS: Ist das ein österreichisches Phänomen?
Haselberger: Das ist ein weltweiter Trend. Als hier nichts passiert ist, ist auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern wenig passiert.

CoS: Was hat der Verband in der Zeit gemacht, als es abflaute? Und kommt es nur durch äußere Umstände wieder zu einem Hype?
Haselberger: Wir haben die Strukturen aufrechterhalten. Wir haben Turniere veranstaltet, die es sonst nicht gegeben hätte. Es gab Schiedsrichter- und Caster- Schulungen. Viele neue Player, wie z.B. die Österreichische Fußball Bundesliga, konnten auf diese geschaffenen Strukturen zurückgreifen. Es gab Schiedsrichter und Caster, es konnten Teams eingeladen werden, die vorher bei Verbandsturnieren gespielt haben. So konnten wir bei dem jetzigen Aufwärtstrend sehr schnell durchstarten.

CoS: Was macht der Verband neben dem Turnierbetrieb?
Haselberger: Es gibt uns seit gut zehn Jahren. Wir sind für Medien, für die Politik, für Spieler und Teams bei Unstimmigkeiten die erste Anlaufstelle, auch beispielsweise für die eBundesliga bei einem Regelcheck. Dazu gibt es noch die verschiedenen Boards des Verbandes. Es gibt ein LAN-Party-Board, ein Team- und Spielerboard, für rechtliche Themen gibt es ein Legal-Board, wo es einen Anwalt gibt, der sich kostenlos um Spielerverträge kümmert.

CoS: Wie viel finanzielles Volumen ist im österreichischen eSport?
Haselberger: Es sind insgesamt keine Unsummen. Wir haben als unabhängiger Verband keine fördernden Mitglieder oder Unternehmensmitgliedschaften. Aber bei Projekten schauen wir schon, dass etwas an die zahlreichenden mitwirkenden Personen zurückkommt und hier nicht die Ehrenamtlichkeit von unseren Mitgliedern ausgenutzt wird. Wenn jemand aus der Wirtschaft kommt und sich an dem fruchtbaren Boden der Community bedienen möchte, soll das auch nachhaltig passieren.

CoS: In Deutschland gibt es eine breite Diskussion darüber, ob eSport ein Sport ist oder nicht. Wie sieht es damit in Österreich aus?
Haselberger: Ich persönlich war sehr skeptisch und das hat sich bestätigt. Es wird gerade eher wieder zurückgerudert. In Österreich waren wir während der Koalitionsverhandlungen der aktuellen Regierungsparteien in Gesprächen und haben ihnen eSports näher gebracht, sind im Austausch mit dem Sportministerium und anderen öffentlichen Stellen, das Thema ist in die entsprechenden Gremien aber vorgedrungen. Es kann von heute auf morgen passieren, 2025 oder gar nicht.

CoS: Die Wachstumszahlen indizieren aber, dass der eSport eher größer wird.
Haselberger: Die lassen darauf schließen, dass es sich bei dem gegenwärtigen Hype um etwas handelt, das gekommen ist, um zu bleiben. Man wird um das Thema nicht mehr herumkommen, eSport irgendwann als Sportart anzuerkennen.

CoS: Was sind die Themen, die in näherer Zukunft auf den Verband zukommen? Oder schwimmt man mit eBundesliga oder A1 eSports League mit?
Haselberger: Das ist nichts Negatives. Wir unterstützen die Spieler und versuchen das, wo die Wirtschaft dahinter ist, nach bestem Wissen und Gewissen voranzutreiben – wenn auch die Spieler entsprechend profitieren. Und wir müssen die Strukturen fördern. Das betrifft vor allem den ländlichen Raum. Wer Fußball spielen will, kann das überall machen. Das gibt es im eSport noch nicht. Es gibt ganz wenige Zentren, wo sich Jugendliche treffen können und eSport abseits der Onlinewelt ausüben können. Das ist ein ganz zentraler Punkt für die Weiterentwicklung Nur online zu spielen ist einfach etwas anderes, als gemeinsam zu trainieren, sich zu besprechen. Das sehen auch die Spieler so.

CoS: Wer sind die Stakeholder, die das bereitstellen sollten?
Haselberger: Auf jeden Fall die Politik auf lokaler, kommunaler Ebene. Wir befinden uns auf einem guten Weg. In Wien und Graz gibt es schon Hotspots, die von den Landesregierungen unterstützt werden. Sehr viel weiter sind wir aber noch nicht.

CoS: Zum Abschluss: Was genau ist ein eSport-Profi? Misst sich das an verdientem Geld oder Können?
Haselberger: Es gibt beide Definitionen. Ich tendiere dazu, dass es um Skills geht, dass einer weltweit mithalten kann. Profis nach der anderen Definition, dass jemand davon leben kann, kann man in Österreich an einer Hand abzählen. Nur weil jemand gut ist, heißt das nicht, dass er davon leben kann. Es geht auch um Eigenvermarktung. eSports-Profis sind jene, die sich aufgrund ihrer Fähigkeiten mit der weltweiten Spitze messen können.

FOTO: ESVÖ

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