eSport begeistert schon viele Zuschauer

Ist eSport eine Sportart wie jede andere? Das ist Gegenstand von Diskussionen. Color of Sports präsentiert den Status quo.

4.500 Teilnehmer, 300 Stunden Livecontent, 68.000 Euro Preisgeld – die A1 eSports League ist ein gutes Beispiel dafür, dass der eSport im Kommen ist. Konzentration über einen längeren Zeitraum, Präzision, (geistige) Ausdauer – das sind nicht wenige Attribute, die auch in klassischen Sportarten wichtig sind. Color of Sports hat den eSport-Verband ESVÖ und die Bundessportorganisation BSO befragt, wie es gegenwärtig um die Entwicklung des Gamings Richtung Sportart steht.

POSITION
Beim Sport Austria Summit 2019 diskutierte die BSO intensiv über eSport. Es ist ein weiter Weg hin zu einer Sportart, wie Georg Höfner-Harttila vom Bundssport meint: „Aktuell beschäftigt sich die BSO damit, eine Positionierung bis Ende des Jahres zu erarbeiten, inwieweit eSport oder Teile davon für den traditionellen Sport relevant sind. Das Inter­esse an großen Verbandsstrukturen seitens der eSport-Szene ist überschaubar, und auch die Strukturen zwischen Vereinen, nationalen und internationalen Verbänden müssen noch wachsen. Die Verbände sind von den Publishern abhängig.“ Viele Vorbehalte also. Das sieht auch Stefan Baloh, Präsident des ESVÖ, so: „Grundsätzliches Ziel des BSO-Summits war die Aufklärung der Mitgliederverbände zum Thema eSport. Falls die Entscheidung in Richtung der weiteren Integration bzw. Annäherung von eSport und Sport getroffen wird, muss allerdings noch ein weiter gemeinsamer Weg beschritten werden – und das Schritt für Schritt.“

ABLEHNUNG?
Natürlich ist Neues nicht immer allerorts gern gesehen, wie Baloh ausführt: „Es gibt Entscheidungsträger, die in alteingesessener Manier eher abblockend bzw., wie angesprochen, reserviert agieren.“ Höfner-Harttila meint: „Es gibt sehr viele Trendsportarten, die kommen und gehen. Auch eSport ist sehr volatil und steckt verhältnismäßig strukturell noch in den Kinderschuhen.“

ZUSATZ
Im Fußball mit der eBundes­liga oder im Segeln setzen einige Verbände schon auf eSport. „eSport ist bereits sehr populär, das streitet niemand ab“, sagt die BSO darauf angesprochen, „Außerdem steht für den traditionellen Sport an erster Stelle, Menschen zu Bewegung zu bringen. Inwieweit dies im ­eSport tatsächlich stattfindet, sei dahingestellt.“ Nicht gänzlich unähnlich ist der Eindruck beim ESVÖ: „Uneinig ist man sich nur, ob eine sinnvolle und beidseitig profitable Integration, wie z.B. im Fußball oder beim Segeln, möglich ist oder ob man ver­suchen soll, dagegen anzu­kämpfen.“

SPONSORING
Wie auch Color of Sport stets ­berichtet, gibt es mittlerweile potente Sponsoren, die lieber ­eSport unterstützen als klassischen Sport. Wie hoch schätzt man die Chance ein, dass Sponsoren sich vermehrt dem eSport zuwenden? „Wenn ein Sponsor gezielt einen Wertetransfer eines gesunden Lebensstils oder physischer Bewegung schaffen will, wird er vielleicht weiterhin den traditionellen Sport unterstützen. Anders könnte es aussehen, wenn er die Jugend ansprechen will oder auf Digitalisierung setzt. eSport ist also Gefahr und Chance zugleich“, meint Höfner-Harttila. Bahlos Position: „Derzeit ist das Sponsoring oft ergänzend zum Sport. Wichtig ist mir hier zu betonen, dass unser Ziel keineswegs das Ansägen von gesunden und etablierten Sportstrukturen ist.“

ZEHN JAHRE?
Abschließend wollte gewusst werden, wie es in der Zehnjahresperspektive aussieht. Hierbei gehen die Meinungen auseinander. Für den BSO ist denkbar, auch je nach der eigenen Entwicklung und jener der Gesellschaft, dass eSport in Sektionen in den Verbänden ein Zuhause findet, denn: „Ob jegliches Computerspielen als Sport in der BSO aufgenommen wird, darf aus heutiger Sicht bezweifelt werden.“ Anders sieht das logischerweise der ESVÖ, da hält man es in zehn Jahren für möglich. Am Ende des Tages wäre der eSport-Verband aber wohl einfach ein Verband mehr, der Fördermittel bekommt.

FOTO: A1 eSports/Gela Rachinger

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