eSports erobert heimisches TV

eSports erobert zusehends die Gaming-Szene weltweit. Auch die österreichischen TV-Sender haben das Potenzial dieses Business erkannt.

Bis einschließlich 30. März geht in der Diskothek im Wiener Donau Plex wieder die größte LAN-Party des Landes, das Electronic Sports Festival, über die Bühne. Auf dem Programm stehen 72 Stunden eSports, die  entweder direkt vor Ort oder live über das Streaming-Portal Twitch geboten werden. Die Veranstalter rechnen auch dieses Jahr wieder mit einem gehörigen Ansturm – kein Wunder, liegt dieser Gaming-Bereich doch voll im Trend. Beim ersten „Dota 2“-Turnier „Chongqing Major“ etwa geht es mittlerweile um ein Preisgeld in der Höhe von 1 Mio. US-Dollar.

E-SPORT-TV-SENDER

Auch unter den Fernsehmachern hat sich das Potenzial herumgesprochen, sodass im Jänner 2019 der erste deutschsprachige eSports-TV-Sender on air ging: eSports1 heißt der Kanal, der von T-Mobile Austria und UPC ins Leben gerufen wurde. Der Content reicht von „League of Legends“ über „Dota 2“ bis hin zu „FIFA“ oder „Overwatch“ und „CS:GO“ – 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Auch Sport1 und die FIFA gaben dieser Tage bekannt, ihre Kooperation im Bereich eSports zu verlängern.

Anlässlich dieser Entwicklungen hat sich Color of Sports bei den  heimischen TV-Sendern umgehört, wie sie zum Thema eSports stehen. Und der Tenor ist durchaus gemischt. Obwohl das Thema natürlich auch von den Verantwortlichen von ServusTV verfolgt und Trends grundsätzlich beobachtet werden, gibt es beim Salzburger Free-TV-Sender aktuell keinerlei Pläne in diese Richtung, wie man auf Anfrage wissen ließ.

E-SPORTS VS. BEWEGUNG

Auch ORF-Sportchef Hans Peter Trost ist überzeugt, dass „das Thema eSport im Fernsehen verstärkt Berücksichtigung finden wird, ORF SPORT + hat da bereits im Vorjahr die eSport-Formel 1-WM auf Fernsehtauglichkeit getestet“. Dennoch möchte der ORF mit seiner Sportberichterstattung auch „Lust auf Bewegung“ machen. „Und damit ist im Zweifel mehr als der linke und rechte Daumen gemeint“, so Trost weiter, der darüber hinaus klarstellt, „dass sogenannte Ego-Shooter-Spiele für mögliche Übertragungen nicht in Frage kommen. Andererseits gilt es natürlich auch zu klären, inwieweit die verwendete Software vor Manipulationen geschützt ist.“

Mario Lenz, Head of Sports Content und 4 Sports, der bei Puls 4 und bei ATV für dieses  Thema verantwortlich ist, beobachtet die Entwicklung ebenfalls genau und betont, dass die Sendergruppe bereits vielfältige Zugänge im TV bietet. „Eine Strategie, um das Thema auch im TV weiter auszubauen, ist nur in engem Austausch mit den relevanten Publishern und der Community möglich. Daran arbeiten wir über verschiedene Kanäle“, stellt Lenz in Aussicht und meint, dass  eSports natürlich nur ein Überbegriff sei. „Daher gibt es differenzierte Herangehensweisen je nach Spiel bzw. Genre und Verbreitungsweg.“ Lenz sieht ProSiebenSat.1 Puls 4 als einen der Vorreiter, wenn es um eSports im TV geht. „Als Partner der A1 eSports League Austria haben wir bereits die ,League of Legends‘-Finals live auf ATV 2 übertragen. Zudem ist die Liga ein wichtiger Bestandteil des 4Gamechangers Festivals. Weiters gibt es auf ProSieben MAXX wöchentlich ein Spiel der Virtual Bundesliga live in der Prime Time zu sehen, sowie das ebenfalls wöchentliche ‚ran eSports – Professional. Gaming. Magazine‘.“

MARKT MIT POTENZIAL

Bei Sky Österreich ist Maximilian Heske, Head of Digital Sports, Mann der Stunde, wenn es um eSports geht. Er zeigt sich beeindruckt von der Entwicklung dieses Bereichs. „Es handelt sich um einen rasant wachsenden Markt mit unglaublich viel Potenzial. Auch die Entwicklung in Österreich ist sehr positiv zu bewerten – im internationalen Vergleich ist sie aber noch längst nicht so weit fortgeschritten. Es bedarf hier also noch einiger Pionierarbeit.“

Heske hebt vor allem die ehrenamtlichen Arbeit des ESVÖ (ESports Verband Österreich) lobend hervor, der  zunehmend zur Professionalisierung beitrage. „Bewerbe wie die von der Österreichischen Fußball Bundesliga organisierte eBundesliga tragen darüber hinaus dazu bei, eSports in die Öffentlichkeit zu holen“, betont Heske, der eSports nicht nur als Innovationstreiber, sondern auch als „eine Art Spielwiese für neue Produktionsweisen“ bezeichnet.

„Wir sehen es als unsere Pflicht an, diese Entwicklung mit voranzutreiben und zu festigen. Mit unserer über zehnstündigen Live- TV-Coverage zur eBundesliga haben wir nicht nur in Österreich Maßstäbe gesetzt und gleichzeitig eSports einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, so Heske.

E-CHAMPIONS LEAGUE

Mit der eBundesliga habe Sky in den letzten Jahren nur positive Erfahrungen gemacht. „Sowohl digital als auch linear“, betont Heske. „An diesen wollen wir grundsätzlich auch festhalten und anknüpfen. Von einer eigenen reinen eSports-TV-Sender-Strategie, also einer One-Channel Strategie, zu sprechen ist aus meiner Sicht nicht zielführend und in Österreich auch verfrüht.“ Nachdem Sky die Rechte an der  UEFA Champions League hält, interessiert sich der Head of Digital Sports von Sky Österreich aber auf jeden Fall für die neue eChampions League. „Darüber hinaus gibt es auch schon sehr konkrete Ansätze und Ideen für ein eigenes eSports-Format. Aber alles step by step.“

FOTO: GEPA

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