Etwas anderes?

OTRO, der digitale Fanclub, wo sich Fußballfans und Stars näherkommen, hat sich vom Abonnementmodell abgewandt und die Paywall gestürzt.

OTRO, was auf Spanisch so viel wie „ein anderer“ bedeutet, wurde von 23 Capital – einer­ Investmentfirma exklusiv für die Bereiche Sport, Musik & ­Entertainment – und mit prominenter Unterstützung von in der Fußballwelt klingenden Namen gegründet und startete im Dezember letzten Jahres mit viel ­Social-Media-Getöse in 26 ­Ländern gleichzeitig. Einem unbestätigten Bericht der britischen Wirtschaftszeitung City AM zufolge soll 23 Capital 50 Millionen britische Pfund (rund 54 Millionen Euro) in OTRO investiert haben. Die Online-Plattform will seither die Fußballfans hautnah an ihre Stars heranbringen und produziert exklusive Videos – wie Originaldokumentationen, Live-Chats und Q&As mit Spielern etc. –, die sich vor allem an junge Fans richten. In der Verlautbarung hieß es damals, dass OTRO „beispiellosen“ Zugang zu den Spielern bieten würde, indem die Stars sich selbst und ihr Leben abseits des Spielfeldes beleuchten.

STARPOWER
Lionel Messi, Neymar Jr., Zinédine Zidane, David Beckham, Eric Cantona, Luis Suárez, James Rodríguez, Paulo Dybala, David Luiz, Isco, Gabriel Jesus, Jérôme Boateng, Dele Alli, Romelu Lukaku, Benjamin Mendy sowie die Frauen Lieke Martens und Toni Duggan – so lautet die beeindruckende Schar der Ballkünstler, die als Werbefiguren von der ers­ten Stunde an mit von der Partie sind – und dem Vernehmen nach auch die nächsten fünf Jahre bleiben. Das Credo bei ­ihrem „anderen Club“ („Our other Club“ ist der Slogan der Plattform) lautet: „Bei OTRO arbeiten wir direkt mit den Spielern und ihren Fans zusammen, um einen intimen und unvergleichlichen Einblick in die Leben der besten Fußballstars zu liefern.“ Anfänglich waren aber nur manche Inhalte frei zugänglich. Die Monetarisierung sollte mittels Social Media und Abonnements (3,99 Euro pro Monat) erfolgen.

NEUE SPIELREGELN
Nach acht Monaten verändern sich nun aber die Spielregeln für die User: Das Abo wurde gestrichen, der Fokus liegt nun darauf, sich als Digital Content Studio zu etablieren, das sich auf die Erstellung und Verbreitung von originellen Inhalten konzentriert, die die Liebe der Fans zum Fußball vertiefen sollen. Man habe gesehen, dass Inhalte, die auf den sozialen Kanälen außerhalb der Paywall veröffentlicht wurden, „unglaublich gut“ abgeschnitten haben, wird in einem offiziellen Statement als Grund für diesen Schritt angegeben. Der neue Ansatz eröffne somit Zugang zu einem größeren Publikum und einer Vielzahl von Einnahmequellen. Dazu müssen aber erst weitere Hausaufgaben erledigt werden. Konkrete Zahlen zu aktuellen Nutzungsdaten verlautbart das Unternehmen nicht.

ZWEITE GEIGE
Auf Instagram steht man mit 751.000 Abonnenten noch am besten da. Zu sehen gibt es dort etwa einen Überraschungsbesuch von Will Smith bei Neymar, Messi beim Ballspiel mit Hund und Kids oder einen „Road Trip“ mit James Rodríguez bei der Copa América. Twitter und Facebook werden zwar auch bespielt, sind mit rund 29.000 Followern (Twitter) und knapp 56.000 Abonnenten (Facebook) aber mehr als nur die zweite Geige. Auf Youtube wird erst der baldige „Kick-off“ angekündigt. Das Problem: Allein die vier genannten Stars kommen kumuliert mit ihren eigenen Instagram-Kanälen auf über 330 Millionen Abonnenten. Luft nach oben besteht also noch – immerhin geht man von weltweit 3,5 Milliarden Fußballfans aus.

HARAUSFORDERUNG
Und da liegt nun die große Her­ausforderung für OTRO. Die Verbraucher sind es gewohnt, über Social-Media-Plattformen (heutzutage allen voran Instagram) Content ihrer Sportstars und Einblicke hinter die Kulissen ihrer Lieblingsvereine zu erhalten. Konkurrenzangebote wie Dugout (die Plattform wurde von großen Fußballvereinen wie z.B. FC Liverpool, FC Barcelona oder FC Bayern angetrieben) konnten bisher nicht wirklich Fuß fassen. Und auch der Schritt weg vom Bezahlmodell gibt zu verstehen, dass mit Content abseits von Spielübertragungen und Wettkämpfen kaum Nutzer zum Bezahlen animiert werden konnten.

FOTO: Otro

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