Europaspiele

Von 21. Juni bis 1. Juli fanden die Europaspiele statt. Sie sind auch wirtschaftlich interessant.

Minsk, Weißrussland – das ist für viele wohl Terra incognita. Im Grunde wie Baku, wo die European Games 2015 zum ersten Mal stattfanden. Diese finden unter dem Dach der olympischen Bewegung statt.  Dieses Mal machten sich 57 Athleten, davon 22 Damen und 35 Herren, auf, um Österreich im (wie Aserbaidschan) autokratisch regierten Weißrussland zu vertreten. Den Auftakt machte ein Event im Studio44, wo die weißrussische Botschafterin in Österreich, Aliny Kupchyna, meinte: „Wir freuen uns auf die besten Sportler Europas. Und ganz besonders auf das Team Austria.“ Der ehemalige Vizekanzler Erhard Busek konnte als Botschafter gewonnen werden und sagt ergänzend über das nicht einmal zwei Flugstunden von Wien entfernte und doch so unbekannte Land: „Weißrussland ist Teil von Europa. Die European Games schaffen eine Plattform, um das Land bekanntzumachen. Um weitergehende Beziehungen in wirtschaftlicher, touristischer und kultureller Hinsicht aufzubauen, sind vielfältige Kontakte eine Grundvoraussetzung. Weißrussland kann jetzt zeigen, dass es verschieden und ein wichtiger Teil Europas ist.“

AUTOKRATISCH!
Bevor man sich jedoch auf den Sport konzentrieren kann, sei erwähnt, dass die Menschenrechtslage im von Präsident Alexander Lukaschenko regierten Weißrussland nicht gut ist, wie etwa Amnesty International 2018 festhielt: „Zwischen Februar und April 2017 gingen die Behörden massiv gegen friedliche Proteste vor. Die Regierung weigerte sich noch immer, das Mandat des UN-Sonderberichterstatters über die Menschenrechtssituation in Belarus anzuerkennen. Mehrere Personen, die in Belarus um internationalen Schutz ersucht hatten, wurden in Länder zurückgeführt, in denen ihnen Folter und andere Misshandlungen drohten. Die starken Einschränkungen für Medien, NGOs, politische Parteien und öffentliche Versammlungen galten weiter. 2017 wurden vier Todesurteile verhängt; eine Person wurde hingerichtet.“

MEHR BEKANNTHEIT
Das Land vorzustellen, das erhoffte sich auch Alexei Bogdanovich, Head of Communications, gegenüber Color of Sports: „Belarus wächst kontinuierlich, und auch unsere Bekanntheit steigt. Wirtschaft, Technologie und der Start-up-Sektor von Belarus wachsen stetig.“ Österreich weiß das grundsätzlich, ist man doch nach Russland der zweitgrößte Investor im Land, mehr als hundert heimische Unternehmen sind im Land engagiert. Das zeigt ein Beispiel: „Austrian Airlines war die erste Fluglinie, die Flüge von Minsk via Wien nach Westeuropa angeboten hat.“ Auch für die Sponsoren des ÖOC hat Weißrussland eine große Bedeutung, wie Florian Gosch, Marketingleiter beim heimischen Olympischen Comité, darlegt: „Unsere Partner nutzten den umfangreichen Minsk-Countdown, um die enge Verbindung mit den AthletInnen zu nutzen. Backaldrin – The Kornspitz Company hat eine Niederlassung in Weißrussland.“

ZAHLEN
In die Heimat brachte der ORF die Spiele. Auf Sport+ gab es tagtäglich eine einstündige Zusammenfassung des Tagesgeschehens. Die Veranstalter vor Ort haben Kooperationen mit vielen verschiedenen Medien, laut Bogdanovich kann man die Games in jedem Land Europas im Fernsehen oder als Internetstream sehen. Dazu kommt die Medienpräsenz vor Ort: „Es sind insgesamt 1000 akkreditierte Journalisten vor Ort, 400 davon kommen aus dem Inland, 600 sind internationale Vertreter der Presse.“

SCHWIERIGE SUCHE?
Trotz dieser Präsenz ist es für das international eher isolierte Land schwierig gewesen, die Sponsorenpakete ins Ausland zu verkaufen. „Sponsoring zählt neben dem Ticketverkauf, dem Verkauf von Merchandise-Artikeln und Übertragungsrechten zu den Hauptbestandteilen des Gesamtbudgets. Wir haben alle lokalen und nationalen Sponsoring-Pakete verkauft, leider konnten die Europäischen Olympischen Komitees keine Sponsoren gewinnen“, blickt der Kommunikationschef zurück, hat aber auch positive Erinnerungen: „Erst Ende 2018 erhielten wir die Genehmigung, auch mit internationalen Sponsoren zu verhandeln, und konnten sehr rasch einen großen Deal mit internationalen Unternehmen abschließen.“ Unter den internationalen Supporters der Spiele finden sich Marken wie Coca-Cola oder Nivea. Über das Gesamtbudget konnte man bis Redaktionsschluss keine Angaben machen.

UND ÖSTERREICH?
Auch die österreichische Abordnung braucht offensives Marketing, wie Florian Gosch erklärt: „Ohne Marketing-Aktivitäten könnten wir den aktuellen ­Service-Umfang für Athleten, Betreuer bei Europaspielen nicht finanzieren. Vom Austria-House-Projekt gar nicht zu reden. Ein konkretes Beispiel für die Europaspiele in Minsk: Dank unserer sechs Ausstatter können wir unserer 102-köpfigen Delegation eine Ausrüstung im Wert von 1.900 Euro pro Person zur Verfügung stellen.“

OLYMPIA-STRAHLKRAFT
Von den Spielen sollen nun alle profitiert haben. Zunächst einmal das ÖOC. Denn die Athleten zeigten sich durchaus erfolgreich. Florian Gosch weiß: „Olympia ist sicher die stärkste Sportmarke der Welt. Wir als ÖOC haben in den letzten Jahren unsere Marketing-Einnahmen vervielfacht.“ Und auch das unbekannte Land Weißrussland konnte sich als Gastgeber eines sportlichen Großereignisses beweisen: „Die Europaspiele waren eine exzellente Gelegenheit für Minsk, seine Rolle als eine der führenden europäischen Städte für Sportereignisse, seine Geschichte und ihre Menschen zu zeigen.“ Ein Zeichen der Öffnung des Landes, das umgekehrt noch einen weiten Weg nach Europa hat.

FOTO: GEPA PICTURES

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