Fotos im Fokus

Erst kürzlich sorgten die Graz 99ers mit ihrer Forderung nach Gratis­fotos quasi als Gegenleistung für die Akkreditierung von Pressefotografen bzw. Sportjournalisten für Aufsehen. Und das just zum Start der laufenden Eishockey-Saison. Anlässlich dieses Vorfalls bat Color of Sports die beiden Gepa-Pictures-Geschäftsführer Ingrid Gerencser und Martin Ritzer zum Interview.

Letztes Jahr feierte die heimische Fotoagentur ihr 30-jähriges Bestehen. „In diesen drei Jahrzehnten habe ich etwas Derartiges noch nicht erlebt“, quittiert Ingrid Gerencser kopfschüttelnd das Vorgehen der Graz 99es mit Unverständnis. Auch Martin Ritzer zeigt sich not amused.

Color of Sports:
Frau Gerencser, wie sieht der österreichische Sportfotografie-Markt im Detail aus? Was sind die Besonderheiten?
Ingrid Gerencser:
Wie überall auf der Welt sind die Medien – sowohl im Print- als auch Online-Bereich – die Multiplikatoren jeder Veranstaltung. Veranstaltungen brauchen Medien, insbesondere auch Foto­agenturen, um ihre Sponsoren ins Bild zu bringen. Und die Medien brauchen Veranstaltungen, um entsprechend Content liefern zu können – darüber sollten sich alle Player im Klaren sein. Eine der Besonderheiten in Österreich ist sicherlich der extrem kleine Markt mit nur rund zehn Tageszeitungen. Die Player sind die großen Nachrichtenagenturen, Gepa Pictures und eine Vielzahl von Einzelfotografen.

CoS:
Wie kommt es zu derartigen Forderungen einzelner Vereine wie etwa jener der Graz 99ers?
Gerencser:
Diese Situation ist ein Einzelfall. Alle anderen Vereine wissen die Medienarbeit zu schätzen, und die Pressefotografen und Journalisten sind willkommen. Hier glaubt der Verein, dass er ein exklusives Produkt hat, das alle unbedingt haben wollen.

CoS:
Herr Ritzer, rein hypothetisch gefragt: Wie hoch wäre die tatsächliche Ersparnis (pro Jahr) aus Sicht eines Vereins, wenn er für jede ­Akkreditierung wirklich zwei ­Gratisfotos erhalten würde?
Martin Ritzer:
Die Ersparnis kann nur sehr schwer beziffert werden, da die Vereine natürlich sehr unterschiedliche Zugänge zur Wertigkeit eines Bildes haben. Eine All-in-Nutzung, wie sie der Verein fordert, liegt bei rund 1.700 Euro. Jedoch ist auch klar, dass der Großteil der Bilder in erster Linie online genutzt wird, was natürlich einen anderen Preis darstellt.

CoS:
Wie sieht die Situation in anderen Sportarten aus? Gibt es da ähnliche Probleme?
Ritzer:
Nicht nur in anderen Sportarten, sondern auch andere Eishockey-Vereine und Verbände wissen die Situation wesentlich besser einzuschätzen und sind froh, dass über ihren Verein respektive über die jeweilige Sportart berichtet wird.

CoS:
Was würde es für eine Fotoagentur wie Gepa bedeuten, wenn das Vorgehen der Graz 99ers Schule macht und andere Vereine bzw. Vereine aus anderen Sportarten ähnlich agieren?
Gerencser:
Bei einem einzelnen Verein – der zurzeit sogar nur mäßig erfolgreich ist – hält sich der Schaden in Grenzen. Die Frage ist vielmehr: Kann es der Verein seinen Sponsoren gegenüber vertreten, dass die Berichterstattung ohne Bilder erfolgt? Außerdem denke ich, dass die Medien untereinander einen Schulterschluss machen könnten und dann eben nicht mehr über den jeweiligen Verein berichten. Aber letztendlich geht es hier grundsätzlich um die Pressefreiheit. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: „Wir gehen nicht davon aus, dass es für ein derartiges Modell Nachahmer geben wird.

CoS:
Gibt es Neuigkeiten in der Causa Graz 99ers oder gar eine Einigung?
Ritzer:
Derzeit gibt es noch keine schriftliche Einigung. Wie immer geht es ums liebe Geld. Wir als Fotoagentur können aber auf keinen Fall hinnehmen, dass die Wertigkeit eines Bildes nicht anerkannt wird und Fotos verschenkt werden sollen. Hier geht es natürlich auch um die Wertschätzung unserer Dienstleistung gegenüber! Aber ich denke, wir sind bereits nahe an der Lösung – es fehlen nur noch die Unterschriften.

CoS:
Was beinhaltet die Vereinbarung mit der Eishockey-Liga? Welche Vereinbarungen gibt es mit anderen Ligen (Fußball, Handball …) oder etwa bei Tennis oder Skifahren usw.?
Gerencser:
Die Vereinbarung mit der Eishockey-Liga ist gesondert zu sehen. Die Liga darf für ihre Kanäle das Gepa-Bildmaterial nutzen. Die einzelnen Vereine müssen sich allerdings selbst um ihre individuellen Rechte kümmern. Das ist in jeder Sportart so. Auch die FIS kann keinen kollektiven Vertrag für alle Verbände oder Athleten abschließen. Der Unterschied ist allerdings, dass im Skizirkus vielerorts die Bedingungen viel besser und Medienvertreter willkomen sind. Aber wie gesagt: Auch mit den meisten Eishockey-Vereinen funktioniert das sehr gut – für alle Beteiligten.

FOTO: GEPA Pictures

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