Fünf Jahre danach

Vor fünf Jahren hat der „Fall Taboga“ Österreichs Sport erschüttert. Wie sieht die Situation fünf Jahre danach aus?

Es ist ein unermüdlicher Kampf gegen Wettmanipulation, den Play-Fair-Code-Geschäftsführer Severin Moritzer und Präsident Günter Kaltenbrunner führen. Im Interview mit Color of Sports sprechen die beiden über die aktuellen Herausforderungen.

Color of Sports: Fünf Jahre ist es her, dass Dominic Tabogas Fall in Österreich seinen Höhepunkt erreicht hat. Rein medial gesehen ist das Thema Wettmanipulation in Österreich derzeit eher kein Thema. Wie sieht man das bei Play Fair Code?
Günter Kaltenbrunner: Tagesaktuell ist es momentan medial gerade wieder ein großes Thema – Stichwort Belgien. Für uns ist weder der Fall Taboga noch die mediale Aufmerksamkeit rund um diesen Fall oder eben jetzt gerade um den belgischen Fall alleine ausschlaggebend für unsere Arbeit. Entscheidend ist es, die Prävention, die Aufklärung und die Bewusstseinsbildung immer weiter zu treiben. Richtig ist, dass jeder neue Fall unsere Arbeit in der Prävention unterstreicht und vor allem für die Athleten, Schiedsrichter und Funktionäre greifbarer und realitätsnäher macht – so gesehen ist mediale Aufmerksamkeit für uns ein relevanter Bestandteil in der Wahrnehmung.

CoS: Inwiefern ist es mittlerweile „schwieriger“ geworden, Sportler für das Thema zu sensibilisieren, wenn es medial nicht mehr so vorkommt?
Severin Moritzer: Wie gesagt flankiert die mediale Präsenz unsere Präventionsarbeit. Wir haben uns – unterstützt durch unsere Mitglieder und Partner – über die vergangenen sieben Jahre einen sehr guten Zugang zu den Athleten und unseren Zielgruppen geschaffen. Man kennt uns, schätzt uns und respektiert uns und unsere Arbeit sehr. Die mediale Präsenz dieser Fälle unterstreicht tendenziell die Relevanz und das Gesamtverständnis für die Problematik bei und in unseren Zielgruppen.

CoS: In Belgien hingegen ist vor wenigen Tagen ein Riesenskandal öffentlich geworden, der auch mit Manipulation zu tun hat. Kann man das auch „nützen“ für Österreich, um wieder etwas mehr Wind zu machen?
Kaltenbrunner: Klar hatten wir in den letzten Tagen einige Medienanfragen, natürlich auch weil der Fall Taboga gerade genau fünf Jahre her ist. Unseren Wind machen wir aber nicht mit oder über die Medien. Wenn Krisen da sind, ist natürlich eine unserer zentralen Aufgaben der Umgang mit den Medien und eine entsprechende Servicierung mit Information. Grundsätzlich spielt sich unsere Tätigkeit aber direkt mit den Athleten, Verbänden und Ligen ab.

CoS: Welche Verbände sind zuletzt beim Play Fair Code dazugekommen?
Moritzer: Unser Ziel ist es, die am meisten bewettbaren Verbände bzw. Ligen als Partner zu gewinnen. Derzeit halten wir bei vier Sportarten und mit Handball bzw. dem ÖTV gib es aktuell sehr erfreuliche Signale, als Partner 2019 bei Play Fair Code anzudocken.

CoS: Der Tennisverband, der nicht Mitglied ist, ist seit Jahren ein Thema. Gibt es hier Fortschritte?
Kaltenbrunner: Wir sind in Gesprächen mit dem Verband und vorsichtig zuversichtlich, die Verantwortlichen von einer Partnerschaft mit dem Play Fair Code überzeugen zu können. Dazu haben wir Anfang Dezember die Gelegenheit, den Play Fair Code, unsere Aufgaben und Tätigkeiten, aber auch die immensen Gefahren in der Einzelsportart Tennis dem Länderkuratorium des ÖTV präsentieren zu können.

CoS: Seit einem Jahr gibt es eine neue Regierung. Hat sich der Stellenwert von Play Fair Code in dieser Konstellation geändert?
Moritzer: Wir haben im Bundesministerium mit Philipp Trattner einen kompetenten Ansprechpartner, der die Thematik, die Problemstellung und die Arbeit des Play Fair Code sehr gut kennt, unterstützt und schätzt. So gesehen hat sich durch die neue Regierung für uns in der momentanen Situation nichts geändert.

CoS: Welche Projekte wurden in letzter Zeit umgesetzt?
Kaltenbrunner: Erfreulich ist, dass wir momentan in der Zielgeraden der mittlerweile dritten Schulungsrunde in der Österreichischen Fußball Bundesliga sind und seit dem Schulungsauftakt Ende Juli bereits 21 der 28 Bundesligisten besuchen konnten. Die Schulungen in der ADMIRAL Basketball Bundesliga und in der 2BL sind nahezu abgeschlossen, für 2019 haben wir einen neuerlichen Besuch in den zwölf ÖFB Nachwuchsakademien, die ÖFB Schiedsrichter und die zweite Schulungsrunde in der Erste Bank Eishockey Liga am Arbeitsplan.

CoS: Findet Play Fair Code auch internationale Beachtung?
Moritzer: Unverändert positiv ist die Tatsache – auf die wir auch ein wenig stolz sind -, dass unsere Arbeit und unser Zugang zur Thematik auf dem internationalen Level sehr intensiv beobachtet und nachgefragt wird. Über die Jahre haben sich hier hochkarätige Kooperationen und Partnerschaften mit dem IOC, der UEFA, der IIHF, Sportradar und im Rahmen diverser Erasmus+ Projekte ergeben.

FOTO: GEPA Pictures

ARTIKEL TEILEN.