Hype nutzen?

Nach Thomas Muster ist Dominic Thiem ­Auslöser eines Tennis-Hypes. Wie nutzt man den?

Dominic Thiem ist der aufsteigende Star im internationalen Tennis und in Österreich Auslöser eines regelrechten Hypes rund um die Jagd nach dem gelben Filzball. Thiem selbst hat seit kurzem einen neuen Manager, Herwig Straka. Der möchte rund um Thiem ein Team aufbauen, ein Umfeld für den Tennisstar. Straka selbst ist auch Turnierdirektor eines der drei großen Turniere in Österreich, des ATP 500 in der Wiener Stadthalle.
Der Österreichische Tennisverband (ÖTV) ist natürlich sehr interessiert, aus diesem Hype rund um Thiem einen Mehrwert zu erzielen.

EINFACH ANDERS
Im Profitennisbereich sind die Sportler Einzelkämpfer auf der WTA bzw. ATP Tour. „Das ist bei uns nicht so wie beim ÖSV und anderen Verbänden, wo der Sportler den Fachverband braucht, um überhaupt international starten zu dürfen. Der Verband hat keinen Einfluss, wer wo spielen darf“, sagt ÖTV-Präsidentin Christina Toth. Zwar richtet der ÖTV die Bundesliga und die Staatsmeisterschaften aus, die drei heimischen Profitennisturniere werden aber von anderen Veranstaltern umgesetzt. Darauf hat der ÖTV keinen Einfluss. Neben dem Stadthallenturnier sind das das ATP-Turnier in Kitzbühel (Herren) und das WTA-Turnier in Linz (Damen). Der ÖTV ist Mitglied der International Tennis Federation, die die Teambewerbe Davis Cup und Fed Cup sowie die vier Grand Slams ausrichtet. Im Davis Cup entscheidet sich je nach Auslosung, ob Österreich daheim oder auswärts spielt. Und nach der Einberufung durch den Kapitän, welche Spieler Öster­reich vertreten werden. Der Spieler ist für eine Zu- oder Absage selbst verantwortlich. „Siehe Graz: Dominic Thiem hat unsere Nationalmannschaft angeführt, wir haben Australien besiegt und sind in die Weltgruppe aufgestiegen“, sagt Toth. „Der Hype vor Ort und in den Medien war beeindruckend.“

ZUSAMMENSETZUNG
„Unser Budget steht auf drei Säulen, umfasst rund 2,3 Millionen Euro im Verband und der Davis-Cup-Vermarktungsgesellschaft“, legt die Präsidentin dar, „Fördergelder, Mitgliedsbeiträge aus den Landesverbänden und Erträge aus dem Sponsoring.“ Die Vermarktung des Verbandes gestaltet sich nicht immer einfach, da die Planbarkeit des Davis Cup von der Auslosung und somit von der kurzfris­tigen Bekanntgabe des Spielorts und des Gegners abhängt. Diese Zeitspanne beträgt manchmal nicht mehr als vier Monate. Vom Thiem-Hype profitiere man, wenn die Nummer 1 tatsächlich für die Nationalmannschaft antritt, das Heimstadion wie in Graz füllt und im TV zu sehen ist. Ein weiterer essenzieller Punkt der Vermarktung ist die Digitalisierung bzw. die ÖTV-Homepage. Die Website hat dadurch, dass alle News zusammengeführt werden und alle Ergebnisse aus allen Bundesländern aufscheinen, top Zugriffszahlen. Tennisaffine Marken nutzen immer mehr die digitalen Vermarktungsmöglichkeiten des ÖTV auf der Homepage, via Newsletter und im Social-Media-Bereich, der bis vor drei Jahren kaum bedient wurde. Das ergibt unglaubliche Kontaktchancen für die Marken, sich beim zweitgrößten Sportfachverband des Landes zu präsentieren. „Leider geht es gar nicht, dass wir die Athleten der ATP und der WTA direkt vermarkten“, sagt Toth.

ABER DEN HYPE GIBT ES
Doch es tut sich einiges. „21.000 Zuseher an drei Tagen beim Davis Cup in Graz sowie eine ausverkaufte Halle in Salzburg unterstreichen, dass der Tennissport die Menschen begeistert“, sagt Toth.  ORF und Servus TV sind stark interessiert, Thiems Matches von großen internationalen Turnieren zu übertragen – mit Top-Quoten, wie etwa beim Grand-Slam-Finale in Paris gegen Nadal. „Der Tennissport rückt wieder vermehrt in den Fokus. Das führt langfristig dazu, dass das Interesse am Tennissport steigt und immer mehr Kinder und Jugendliche zu spielen beginnen. Davon profitieren der ÖTV und die neun Landesverbände mit ihren 1600 Vereinen.“

SPORT UND -STÄTTEN
„Die Top-Spieler sind unser Motor“, sagt ÖTV-Vizepräsident und Sportchef Raimund Stefanits, „das ist keine Frage. Wir haben die Talsohle nach Thomas Muster verlassen. Wir spüren das im Kinder- und Jugendbereich.“ Wie heißt es immer? Ohne Spitze keine Breite! Bei größeren Nachwuchsturnieren ginge mittlerweile schon der Platz aus. Die große Herausforderung scheint, den Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich gut zu gestalten. „In der Breite sind wir noch nicht auf einem hohen Niveau“, führt Stefanits aus. Dazu braucht es eben die Spieler zwischen 25 und 45, die in andere Sportarten abwandern – aus den Thiem-Fans von heute sollen ebenjene
Spieler werden, die lange beim Verband bleiben. Hinzu kämen auch Platzprobleme, gerade im Winter im ­Westen. Nicht ver­gessen darf man übrigens, dass es in Österreich rund 400.000 Tennisspieler gibt, davon sind 50.000 Lizenzkartenspieler, treten also durchaus bei Turnieren an.

SPANNEND!
„Der Tennissport in Österreich hat durch Dominic Thiem das nächste Level in der öffentlichen Wahrnehmung erreicht“, sagt Toth. „Der Sport begeistert alle Zielgruppen, vom Kind bis zum Senior. Die meisten, die einmal zum Schläger gegriffen haben, bleiben hängen.“ Die Aufgabe ist nun, den Hype um Dominic Thiem & Co zu nutzen.

FOTO: GEPA PICTURES

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