In vollem Umfang

Für das Heeressportzentrum wird sich trotz neuer Sportförderung und -strategie nichts ändern.

Die Leistungsfähigkeit des österreichischen Bundesheeres zeigt sich in zahlreichen Facetten. Katastrophenschutz, Auslandseinsätze oder Schutz kritischer ­Infrastruktur sind nur Beispiele des umfangreichen Spektrums des Bundesheeres“, erklärt Oberst Christian Krammer, Kommandant des Heeressportzentrums (HSZ). „Hier zählen auch die sportlichen Erfolge unserer Heeressportlerinnen und -sportler.“ Heeressportler sorgen immer wieder für Erfolge. Lukas Weißhaidinger holte bei der Leichtathletik-EM in Berlin Bronze im Diskuswurf. Der Skispringer Stefan Kraft, Weltmeister und ­Gesamtweltcupsieger 2017 oder das Eiskunstlaufpaar Severin ­Kiefer und Miriam Ziegler sowie Kletterweltmeisterin Jessica Pilz – sie alle sind Heeressportler.

GESICHERT
Während manche Sportarten einen Rückgang der Sportförderung hinnehmen mussten, ist das Budget laut Oberst Krammer sicher. Krammer selbst leitet das HSZ seit 2017, seit 1. Oktober dieses Jahres ist er offiziell Kommandant. Er studierte Pädagogik, Sportwissenschaft und Philosophie und hat damit eine gute Basis für die Arbeit mit den jungen Sportlern. Die Absicherung läuft auf zwei Ebenen ab. Einerseits budgetär: „Das HSZ ist eine Organisationseinheit im Bundesheer und erhält für den laufenden Betrieb die notwendigen budgetären Sicherstellungen. Die Personalkosten sind wie bei allen anderen Bediensteten im BMLV im Stellenplan des Bundes verankert.“ Und für die Sportler andererseits: „Ohne die gesicherte Förderunterstützung durch das Bundesheer würden viele Nachwuchssportlerinnen und -sportler auch den Anschluss an die Weltspitze nicht schaffen. Mit den derzeitig zugewiesenen Mitteln kann der Heeressport in vollem Umfang betrieben werden.“

DER WEG ZUM SPORTLER
Um überhaupt Heeressportler zu werden, muss die Leistung stimmen. Das erfolgt bei Männern über Nominierung des zuständigen Bundesfachverbandes an die Bundessportorganisation. Frauen müssen mittels Leis­tungsnachweis bis November bzw. Dezember des Vorjahres der gewünschten Einberufung als Spitzensportlerin an die Bundessportorganisation genannt werden, wobei der Leistungsnachweis vom zuständigen Bundesfachverband bestätigt sein und von der Bundessportorganisation den Befürwortungsvermerk beinhalten muss. Neben einigen weiteren Parametern muss natürlich die uneingeschränkte Tauglichkeit vorliegen (Männer) bzw. eine militärische Eignungsprüfung absolviert werden (Frauen).

DER ALLTAG
Wie sieht der Heeressport für die Athleten aus? Je nach Trainingsort gibt es mindestens einmal in der Woche eine Standeskontrolle. Ansonsten steht es den Sportlern frei, wie sie sich ihr Training einteilen. Das Heer gibt die Trainingsstruktur nicht vor, es kann bei den eigenen Coaches trainiert werden. Freilich können die Anlagen des Heeres genutzt werden. Die Freiheit ist aber wohl wichtig, genauso wie die finanzielle Unterstützung der Streitkräfte – in vielen Sportarten gibt es ansons­ten kein Profitum. Und mit dem Ende der aktiven Karriere ist diese Unterstützung noch nicht vorbei.

Danach wird man Militärperson auf Zeit und bekommt eine Berufsförderung. Die Dauer hängt von der Karriere ab. ­Meistens bekommen die Athleten einen Dreijahresvertrag, das ergibt ein Jahr Berufsförderung. Maximal kann das fünf Jahre in Anspruch genommen werden, dafür muss man aber 15 Jahre beim Heeressport gewesen sein.

UNABHÄNGIG
Rund 300 Sportler werden jährlich vom Heer unterstützt, Stand 1. Juni 2018 waren es 294. Rund ein Zehntel stammt nun aus Sportarten, die bei der Bundessportförderung in Zukunft mit weniger Mitteln bedacht werden. Sorgen müssen sich diese 29 laut Krammer nicht: „Einschränkungen in den Fördermitteln sind hierorts nicht bekannt. Keine Heeressportlerin und kein Heeressportler muss um ihren/seinen Dienstvertrag fürchten. Die Entscheidung über die Dauer der Unterstützung durch das Bundesheer ist abhängig von der erbrachten sportlichen Leistung und dem sportlichen Entwicklungspotenzial.

Diese werden jährlich im Rahmen der Athleten-Beurteilungskonferenz festgelegt. Die Fördermittelvergabe durch das Bundessportfördergesetz betrifft nur die Bundessportfachverbände.“ In die Entwicklung der neuen Sportstrategie war man nur bedingt eingebunden. „In der Strategieentwicklung der Fördermittelvergabe war das Bundesminis­terium für Landesverteidigung nicht eingebunden. Die Abteilung Heeressport im BMLV war aber mit einem Bediensteten in der „Sport Strategie Austria“ vertreten“, so Oberst Krammer.

GUTER WEG?
Der Heeressport soll also bleiben, wie er ist. Fraglich bleibt am Ende, ob das auch in Zukunft so sein wird und ob man weiterhin entscheiden kann und wird, welche Sportler aus welchen Sportarten ins Heeressportzentrum aufgenommen werden – das wird man erst sehen.

FOTO: GEPA Pictures

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