Color of Sports im Fokus: Kick & Boxen

Kickboxen ist in Österreich noch recht jung – und steht vor einigen Problemen.

Während der Verband für Boxen als ältester Sport-Fachverband schon 1921 und jener für Judo 1948 gegründet wurden, dauerte es bis 1982, bis Kickboxen von der BSO bzw. vom Sportministerium offiziell anerkannt wurde. Der Vorläufer wurde 1976 gegründet. Jiu-Jitsu (1964), Karate (1965), Taekwondo (1969) sind als Verbände ebenfalls älter. Inwiefern unterscheidet sich Kickboxen aber von diesen Kontaktsportarten? Als Wettkampfdisziplin wurde der Sport 1974 gegründet und setzt sich im Wesentlichen aus Boxtechniken für die Oberarme und Kicks aus dem Taekwondo und Karate zusammen. Kickboxen beinhaltet zwei Sparten: auf der Matte und im Ring. Eine Crux in den ersten gut 30 Jahren der Sportart waren – ähnlich wie im Boxen – verschiedene Weltverbände. Die größten waren die International Amateur Kickboxing Sport Association und die World All-Style Karate Organization. Unter Letzterer wurde vor allem in Österreich gekämpft.

2005 UND 2006
Otmar Felsberger ist seit 1978 beim Kickbox-Verband und seit 2005 Geschäftsführer und blickt auf den großen Einschnitt zurück. „2006 haben sich die zwei größten Kickboxverbände der Welt in der WAKO zusammengeschlossen. Damals waren wir eine recht kleine Gruppe.“ Das sollte sich ändern. „Wir hatten am Anfang ein Budget von rund 150.000 Euro, inklusive Förderungen kommen wir derzeit auf rund 450.000 Euro“, sagt Felsberger. Natürlich würde da die Neuausrichtung der Sportförderung hinsichtlich olympischer Sportarten einen Einschnitt bedeuten. Organisatorisch ist man gut aufgestellt. Erst im September krönten sich beispielsweise die Nachwuchsathleten Raphael Wassertheurer, Jasmin Aigner und Anna Schmidl zu Weltmeistern in ihren jeweiligen Gewichtsklassen. Das ist auch gleichzeitig eines der größten Mankos des Sports.

DIE GEWICHTSKLASSEN
Neben den verschiedenen Disziplinen gibt es die entsprechenden Gewichtsklassen. „Dadurch kommen wir nicht auf die geforderte Anzahl von Nationen, die für Förderungen notwendig sind“, erklärt der Geschäftsführer. Erfolge in gewissen Gewichtsklassen würden da nicht zählen, man wähnt sich in einer „Sackgasse“ deswegen. Betrachtet man aber die Entwicklung von 2006 bis heute, dann „haben wir sehr viel weitergebracht.“ Weiters vertritt der Kickboxverband auch Thaiboxen, um Synergien zu nutzen. Thaiboxen ist zudem als olympische Sportart anerkannt. „Nur zusammen ist man stark, kleine Gruppen können nichts weiter entwickeln“, führt Felsberger aus.

MEHR SPEZIALISIERUNG
Der Verband ist durchaus bemüht, gezielter zu fördern. Die Sportler sind Amateure, in der allgemeinen Klasse sollen die Besten in den Genuss der Unterstützung kommen. „Ab der U19 müssen wir umdenken, schauen, wer wirklich will!“, sagt der Geschäftsführer dazu. „Das übergeordnete Ziel ist es, sich für die World Games 2021 in Birmingham, Alabama, zu qualifizieren. Da wollen wir eine Medaille holen. Das wäre dann aber im Thaiboxen, im Kickboxen erfahren wir erst, welche Disziplinen und Gewichtsklassen ausgetragen werden.“

SPONSORING
Sponsoring ist in einer Amateursportart, die Kickboxen in Österreich ist, sehr schwierig. Neben den sportlichen Zielen verfolgt man auch hier das Ziel, „endlich einen Sponsor zu bekommen, der nicht aus der Sportart kommt“. Da geht es oft um Material-, weniger um finanzielles Sponsoring. Dabei ist der Sport gar nicht so klein, kann sich mit anderen Kontaktsportarten durchaus messen.

Im Verein 2018 gibt es 96 Vereine bei 3.275 gemeldeten Sportlern. Damit hat man mehr als Boxen (2.751), aber weniger als etwa Taekwondo (8.967) oder Karate (11.725). Mit aufgebaut hat die Strukturen Juso Prosic. Der ehemalige Vizeweltmeister und 15-fache österreichische Staatsmeister unterhält sein eigenes Sportzentrum im Inntal und ist Obmann des Klubs JP Martial Arts. Die erwähnte Jasmin Aigner wird von ihm trainiert. Bei ihm sieht es so aus, dass er 70 Prozent Mädchen trainiert, viele gehen in die Schule oder in die Lehre. „Die müssen dann für Trainingslager und Wettkämpfe befreit werden“, erzählt Prosic. Er als Landestrainer macht die Trainingspläne, der Nachwuchs besucht dann oft Sportschulen, damit sie auch gezielt und besser gefördert werden. „Ich als Lehrbub habe meinen Urlaub immer für Trainingslager und Wettkämpfe aufgebraucht.“

ZWEI DRITTEL
Insgesamt teilt sich der Kick­boxsport in zwei Drittel Breiten- und ein Drittel Wettkampfsport. Wo sich der Sport hinentwickeln kann, steht in den Sternen. Die Anerkennung vom IOC wäre wünschenswert, würde aber wenig bringen, wichtig wäre die Anerkennung im olympischen Sportprogramm. Es gehe viel mehr um das Image, es bräuchte die berühmten local heroes. „Wir brauchen das, wir haben zum Beispiel Roman Bründl. Die Vermarktung ist das Problem. Er ist Tiroler, ist die Nummer eins, hat internationale Sponsoren.“ Es fehle wohl noch an der Lobby. Dabei wäre Kickboxen ein toller Sport für alle: Es stärkt das Selbstvertrauen, macht fit, man trifft auf vergleichbare Gegner. Vielleicht wird es ja bald besser.

FOTO: ÖBFK

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