Mehr Fans? Ja und nein!

Die Bundesliga erwartet sich durch die Ligareform einen deutlichen Fanzuwachs. Das ist je nach Sichtweise gelungen – oder auch nicht.

Die Bundesliga hat ein selbsternanntes Ziel: In der Vision 2020, die bereits vor ein paar Jahren  noch vor der Umstellung auf das neue 12er-Format definiert wurde, hofften die Liga-Vertreter bis zum Jahr 2020 (oder folgend) auf einen Zuschauerschnitt von 10.000 Fans pro Match. Davon ist man noch weit entfernt, doch Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer erwartete sich am Anfang dieser Saison einen deutlichen Impuls durch das neue Ligenformat.

6.459 PRO SPIEL
Die erste Bilanz nach den 22 Runden im Grunddurchgang sieht aus Sicht der Liga so aus: Insgesamt 852.605 Zuschauer waren im Grunddurchgang im Stadion live mit dabei – pro Spiel ergibt dies 6.459 Fans. Mathematiker erkennen gleich: Rund 3.500 Fans pro Match fehlen – oder insgesamt mehr als 350.000 Fans.

RAPID AN DER SPITZE MITMINUS
Mit durchschnittlich 17.547 Zuschauern steht der SK Rapid an der Spitze der Zuschauertabelle, gefolgt vom SK Puntigamer Sturm Graz (11.255) und dem FK Austria Wien (10.149), die ebenfalls durchschnittlich mehr als 10.000 Zuschauer in ihren Heimstadien begrüßen konnten. Bei Rapid macht sich die mittlerweile jährlich wiederkehrende Krise auch im Zuschauerrückgang bemerkbar. Die Hütteldorfer muss­ten ein Minus von 6,62 % hinnehmen. Besonders erfreulich ist hingegen, dass neun von zwölf Klubs ein großteils sehr deutliches Zuschauerplus im Vergleich zum Vorjahr verbuchen konnten. Klammert man die beiden Aufsteiger aus, konnte der FK Austria Wien den größten relativen Zuwachs verzeichnen, die Veilchen lockten fast 50 % mehr Zuschauer ins Stadion als in der Vorsaison. Das Beispiel der Austria zeigt, dass neue Infrastruktur auch neue Fans in die Stadien lockt.  Auch der TSV Prolactal Hartberg, spusu SKN St. Pölten, RZ Pellets WAC, FC Wacker Innsbruck FC Red Bull Salzburg und der FC Flyeralarm Admira konnten Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich verbuchen. Besonders auffällig ist, dass in den ersten vier Frühjahrsrunden im Vergleich zu den 18 Runden im Herbst durchschnittlich 525 Zuschauer pro Spiel mehr ins Stadion kamen. Die erste Entscheidungsphase des neuen Spielmodus hatte somit bereits einen spürbaren positiven Effekt auf die Zuschauerzahlen der Klubs.

NACHHALTIG?
Fraglich ist jedoch, ob der gesteigerte Zuschauerschnitt im Frühjahr auch nach der Teilung der Liga anhält. Erfahrungswerte dazu fehlen und es ist auch zweifelhaft, ob Rapid in der Qualifikationsgruppe, wie die untere Gruppe positiverweise heißt, gegen Admira, Altach, Hartberg & Co die Massen in das Allianz-Stadion locken wird. Ebenso fraglich ist, ob die Meis­terschaft in der Meistergruppe trotz (unfairer) Punkteteilung an Spannung gewinnt und somit auch neue Fans in die Stadien bringt. Als bisheriges Fazit kann  man also festhalten: Erste zarte Impulse sind registriert worden, der große Zuschauer-Wurf war die neue Liga bisher nicht.

FOTO: GEPA Pictures

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