Nachruf

Auf dem Rückweg vom kanadischen Howse Peak starben die österreichischen Alpinisten David Lama und Hansjörg Auer.

Seit 16. April galten David Lama (28) und Hansjörg Auer (35) sowie der US-Amerikaner Jess Roskelley (36) als vermisst, sie wollten den Howse Peak (3.295 Meter) im Nationalpark Banff besteigen. Wenige Tage später gab es traurige Gewissheit: Die drei Alpinisten starben bei einem Lawinenunglück, nachdem sie den Gipfel des kanadischen Berges erklommen hatten. Der Tod der zwei heimischen Alpinisten bewegt Österreich seitdem, wohl auch wegen des noch jungen
Alters.

AUSNAHMETALENT
David Lama wurde am 4. August 1990 in Innsbruck als Sohn eines Nepalesen und einer Innsbruckerin geboren. Die Berge lagen ihm doppelt im Blut, und bereits im Alter von fünf Jahren begann er mit dem Bergsteigen.  Er besuchte einen Kletterkurs bei Extrembergsteiger Peter Habeler. Dieser erinnert sich gegenüber Medien: „Mit einem Schmunzeln hab ich gesagt: ‚David, du kletterst ja schon wie ein Weltmeister. Du wirst einmal Weltmeister.‘“ Und Lamas Erfolge stellten sich schon sehr schnell ein. 2004 und 2005 gewann er die Gesamtwertung des Kletter-Jugendeuropacups sowie die Jugendweltmeisterschaften in Edinburgh und Peking. Im Jahr 2006 war er der erste Kletterer, dem es gelang, in seiner ersten Saison im Weltcup sowohl einen Boulder-Weltcup als auch einen Vorstieg-Weltcup zu gewinnen. Damit war er der bis dahin jüngste Weltcupsieger der Geschichte. Bereits noch während der Zeit im Weltcup hatte Lama begonnen, sich dem Alpinismus zu widmen. Ab 2010 galt diesem seine volle Konzentration. Bereits 2011 brachte er Bergsteiglegende Reinhold Messner zum Schwärmen, als er den Cerro Torre in Patagonien bestieg: „„Als du den Cerro Torre frei geklettert bist, waren wir alle begeistert – nicht nur ich. Wir standen mit offenem Mund da und haben gesagt, das ist es!“

WEITERE BERGE
2011 erklärten Lama, Stephan Siegrist und Denis Burdet eine Erstbegehung, „Yoniverse“, am Cerro Kishtwar im indischen Kaschmir. 2013 eine weitere Erstbesteigung am Moose’s Tooth in Alaska. Mit Dani Arnold bestieg er die 1.500 Meter hohe Ostwand. Noch am 25. Oktober 2018 schrieb Lama abermals Geschichte. Nach zwei gescheiterten Versuchen 2015 und 2016 bezwang er alleine den Lunag Ri in Nepal, 6.895 Meter hoch, über den Westpfeiler. Immer wieder stellte er sich den schwierigsten Routen der Welt, auch in Europa. Etwa der Bellavista in den Dolomiten, der Eiger-Nordwand, oder dem Lofer.

BERÜHRENDER NACHRUF
David Lamas Eltern Claudia und Rinzi formulierten einen bewegenden Nachruf: „David lebte für die Berge, und seine Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen hat uns als Familie geprägt und begleitet. Er folgte stets seinem Weg und lebte seinen Traum. Das nun Geschehene werden wir als Teil davon akzeptieren. Wir bedanken uns für die zahlreichen positiven Worte und Gedanken von nah und fern und bitten um Verständnis, dass es keine weitere Stellungnahme von uns geben wird. Vielmehr bitten wir, David mit seiner Lebensfreude, seiner Tatkräftigkeit und mit Blick Richtung seiner geliebten Berge in Erinnerung zu behalten. Die Familien von Hansjörg und Jess schließen wir in unsere Gedanken ein.“

FREE SOLO
„Ein ,Free Solo‘-Kletterer buchstäblich ohne Sicherheitsnetz, ein Grenzgänger und authentischer Individualist“, beschreibt die APA den im Alter von 35 Jahren verstorbenen Hansjörg Auer. Geboren wurde er 1984 in Zams, und er machte mit dem Klettern ohne Sicherheitsnetz auf sich aufmerksam. Auer war daneben ein sehr nachdenklicher, reflektierter Mensch. In seiner 2017 veröffentlichten Autobiografie „Südwand: Vom Free-Solo-Kletterer zum Profibergsteiger“ erzählte er von der Magersucht, die er letztlich überwinden konnte, sowie von Depressionen. Im Vorwort schrieb Reinhold Messner: „Auer kommt immer wieder zurück von Bergen, die kaum jemand kennt, und beschwört mit seinen Berichten die Launen der Natur. Solange Typen wie Auer Gefahren und Schwierigkeiten in absoluter Exposition aufsuchen und offen darüber berichten, bleibt der traditionelle Alpinismus lebendig und spannend zugleich.“ Weiters trauert die Bergsteiger-Community um Jess Roskelley. Der 36-jährige Schweißer machte sich im Himalaya und Alaska einen Namen. Die Welt trauert um drei außergewöhnliche Sportler.

FOTO: GEPA

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