Offene Zukunft

Ohne Zuwendungen der öffentlichen Hand gibt es für die Erste Bank Open keine Zukunft in Wien.

Die Erste Bank Open stehen wieder vor der Türe – von 20. bis 28. Oktober werden Dominic Thiem und andere Stars des Tennissports die gelbe Filzkugel übers Netz fetzen und dabei zehntausende Fans begeistern. Color of Sports hat mit Turnierdirektor Herwig Straka über die Entwicklungen, die Sponsorenlandschaft, aber auch über die Gefahren des Turniers in der Zukunft gesprochen.

Color of Sports:
Gibt es eine bessere Marketingmaßnahme als das Tennis-Viertelfinale zwischen Dominic Thiem und Raphael Nadal bei den US Open?
Herwig Straka:
Nein. (schmunzelt) Dabei war es gar nicht so wichtig, ob Thiem das Spiel schlussendlich gewinnt, sondern wie er es spielt. Auch wenn es zur nächtlichen Stunde war, es war eine perfekte Dramaturgie und hat gezeigt, dass er mit den Besten der Welt mit-halten kann und auf Augenhöhe ist – das ist die beste Werbung für Wien.

CoS:
Überspitzt formuliert: Hätten Sie mit diesem Wissen anderes Marketingbudget einsparen können?
Straka:
Das kann man nicht, im Gegenteil, wir versuchen das zu verstärken und haben auch Spots zu den US Open geschalten. Wir versuchen diese Ereignisse zu verstärken, denn auch wenn das Produkt gut ist, muss man es bewerben.

CoS:
Wie gelernt ist der Tennisfan in Wien, wie sehr muss man ihn Jahr für Jahr überzeugen, in die Stadthalle zu kommen?
Straka:
Unser Vorverkauf zeigt, dass die Leute sehr früh schon Karten kaufen. Das ist einer der großen Unterschiede zu der Zeit, als Wien noch ein 250er-Turnier war. Insofern ist es ein bisschen unabhängiger vom Spielerfeld, jetzt ist es unabhängiger davon, weil die Leute wissen, dass tolle Spieler nach Österreich kommen.

CoS:
Die Kultur soll verstärkt mit dem Wiener Turnier verbunden werden. Dient das auch dazu, neue Zielgruppen anzusprechen?
Straka:
Wir wollen damit mehrere Dinge bezwecken: Wir haben unsere Markenkerne herausgearbeitet, und da ist auch immer wieder das Thema „Musik und Kultur“ gekommen. Wir wollen international das Turnier als besonderes Turnier hervorheben, wenn man den Fernseher einschaltet. Zusammen versuchen wir aber auch neue Leute und neue Zielgruppen in die Stadthalle zu bekommen. Es geht auch darum, zu unterhalten und ein neues Programm zu bieten.

CoS:
Mit welchem Budget ist das Turnier 2018 geplant?
Straka:
Wir liegen aktuell bei 8,5 Millionen Euro. Das ist für Österreich sehr viel, vor allem weil die Hälfte des Budgets an die Spieler in Form von Start- und Preisgeldern geht. Im internationalen Vergleich sind wir aber noch sehr weit hinten, daher ist es sehr wichtig, dass wir hier eine möglichst breite Unterstützung bekommen.

CoS:
Wie setzt sich das Budget einnahmenseitig zusammen?
Straka:
Ganz genau will ich das nicht sagen. Der Anteil an Besuchern und VIP-Gästen hat signifikant zugenommen. Das ist bei vielen anderen Veranstaltungen sicher ein geringerer Anteil. Daher ist es für uns auch wichtig, gutes Marketing zu machen und auf die Marke zu achten.

CoS:
Die Erste Bank hat ihr Engagement erfreulicherweise verlängert. Wie sieht die Sponsorenlandschaft der Erste Bank Open aus?
Straka:
Wir sind stolz, dass wir sehr viele internationale Sponsoren haben, auch dass die Erste Bank verlängert hat, das ist ganz wichtig für uns. Aber auch Unternehmen wie Rado, Lavazza, Interwetten, Emirates, um nur einige zu nennen, sind internationale Konzerne, bei denen die Entscheidung zum Großteil nicht in Österreich fällt, die auch verlängert haben. Das Credo ist gewesen, dass sie einen Bezug zu Österreich haben, aber auch eine internationale Strahlkraft besitzen, weil unser Turnier zu 90% im Ausland gezeigt wird, dort generieren sie auch den meisten Werbewert.

CoS:
Vor einem Jahr haben Sie mir in einem Interview gesagt, dass es wichtig wäre, dass das Wiener Turnier einen internationalen Hauptsponsor bekommt, um das Turnier auf eine höhere Ebene heben zu können. Wie sieht es mit diesen Plänen aus?
Straka:
Wir haben mit der Erste Bank einen sehr guten Sponsor, es gibt aber auch Konzepte, wo eine nationale Marke wie die Erste Bank neben einer internationalen Marke ganz groß parallel geführt werden kann und Platz findet. Diese Brand fehlt noch, das ist unser Ziel. So wie sich Dominic Thiem Schritt für Schritt der absoluten Weltspitze nähert, so wollen wir das auch. Es gibt viele Gespräche, am Ende des Tages ist es Zufall, oder man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

CoS:
Was würde sich mit einem finanziellen Sprung bewerkstelligen lassen. Geht das dann rein in neue Startgelder für Top-Stars?
Straka:
Das Spielerfeld ist ein Teil, es gibt aber auch viele Punkte in der Infrastruktur oder im Programm, wo wir Aufholbedarf haben. Hier konnten wir die vergangenen Jahre mit viel Engagement, Herzblut und Einsatz kompensieren, aber das geht nicht ewig. Wenn man denkt, dass das Preisgeld Jahr für Jahr um 200.000 Euro steigt und das so weitergehen wird, wird der internationale Kampf um die Top-Spieler auch mit Blick auf die neuen Formate immer schwieriger. Wir müssen finanziell zulegen, sonst können wir das Turnier nicht in Wien halten.

CoS:
Eine wichtige Säule sind die Business-Plätze und Logen. Wie sieht es diesbezüglich für das aktuelle Turnier aus?
Straka:
Wir sind, obwohl wir mehr Kapazitäten geschaffen haben als letztes Jahr, ausverkauft. Es gibt noch VIP-Einzeltickets, aber Logen gibt es keine mehr. Das ist ein sehr gutes Signal für die Business-Plattform, wir haben in einer Woche über 5.000 Business-Kunden. Das ist auch der große Unterschied zu internationalen Turnieren, die viel Geld aus dem Sponsoring bekommen. Wir generieren die­se Mittel aus dem Hospitality-Bereich, was aber natürlich auch relativ viel kostet. Das ist aber auch eine ganz andere Identifikation mit dem Turnier, weil die Business-Gäste dann vom Turnier erzählen, was wiederum einen Schneeballeffekt auslöst.

CoS:
Vor ein paar Jahren ist das Complience-Thema aufgepoppt und hat zu zurückhaltenden Business­-Verkäufen geführt. Das dürfte wohl angesichts der ausverkauften Business-Logen kein Thema mehr sein, oder?
Straka:
Ich habe einmal den Satz gesagt: Wenn jemand hingehen will, dann findet er einen Weg. Das war in den letzten Jahren auch der Fall. Wenn man diese vielzitierten Compliance-Regeln genau betrachtet und dann die Großveranstaltungen wie Kitzbühel, Beachvolleyball, Erste Bank Open etc. ansieht, da würden viele Leute nicht hingehen dürfen, aber es gehen viele trotzdem hin. Man hat damals übers Ziel hinausgeschossen, die Personen denken darüber mehr nach, wie oft sie wohin gehen. Aber klar ist auch, ohne Business gäbe es keine Unterhaltung. Es gibt wieder einen gesunden Zugang zu diesem Thema.

CoS:
Sie haben die Politik bei der Präsentation der Erste Bank Open in der Person von Heinz-Christian Strache besonders betont und sinngemäß gemeint, dass im Sportministerium ein Paradigmenwechsel zu spüren ist. Ist das das übliche Bauchpinseln eines neuen Ministers oder steckt doch mehr dahinter?
Straka:
Inhaltlich merke ich beim Sportminister einen starken Wechsel. Es war schon so, dass sich der vergangene Sportminis­ter auch sehr bemüht hat, Wege zu schaffen, das Turnier zu unterstützen. Man merkt einen frischen Wind, auch in der Stadt Wien gibt es neue Konstellationen. Von mir gibt es dazu auch die klare Aussage, dass es sonst mittelfristig keine Chance gibt, das Turnier in Wien zu halten, weil der internationale Bewerb so stark ist. Das ist nicht so dahergesagt, sondern gänzlich ernst gemeint. Wenn man sieht, dass eine Kosmos-Gruppe 2,5 Milliarden in die Hand nimmt, um einen neuen Bewerb zu installieren, dann sieht man, wo wir stehen. Die Spieler lieben Wien, am Ende des Tages entscheidet trotzdem das Geld.

CoS:
Das heißt: Ohne Zuwendungen der öffentlichen Hand wird es früher oder später künftig kein Turnier mehr in Wien geben können?
Straka:
Eher früher als später. Das ist die klare Botschaft, das ist die Realität. Der Wirtschaftsmarkt ist in Österreich für große Sponsoren einfach zu klein.

CoS:
Und wie sieht der aktuelle Status bezüglich der Gespräche mit dem Sportminister aus?
Straka:
Wir sollen noch in diesem Jahr zu einem Abschluss kommen.

FOTO: GEPA Pictures

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