Paris, ich komme!

Der Ryder Cup, das größte Golfereignis der Welt, steht unmittelbar bevor. Österreichs Nummer eins Bernd Wiesberger kann zwar nicht aktiv mitwirken, ist aber als Sky-Experte vor Ort.

Der Ryder Cup macht erstmals in Frankreich und erst zum zweiten Mal überhaupt auf europäischem Festland Station. Austragungsort ist der Golfclub Le Golf National nahe Paris. Team Europe wird dort alles daransetzen, den prestigeträchtigsten Pokal im Golfsport bei der 42. Auflage wieder auf dem Alten Kontinent zu behalten. Und die Statistik spricht dafür: Denn seit 1993 haben die Amerikaner keinen Ryder Cup auf europäischem Boden gewonnen. Geht es nach dem dänischen Kapitän Thomas Björn, der als Spieler bei drei Teilnahmen dreimal gewinnen konnte, soll es auch dabei bleiben. Doch das US-Team um Kapitän Jim Furyk und Golflegende Tiger Woods kommt diesmal als favorisierter Titelverteidiger. Geschenke dürfen sie sich auf der anderen Seite des Atlantiks aber keine erwarten, dafür eine elektrisierende und eindrucksvolle Atmosphäre, die so typisch für den Kontinentalwettkampf ist.

EIGENE DIMENSIONEN
Der Platz ist das Herzstück des französischen Golfsports. Das 45-Loch-Resort bietet vor allem mit dem „Albatros“-Kurs, auf dem die Matches ausgetragen werden, Golfsport vom Feinsten. 1985 aus öffentlichen Mitteln erbaut, gilt der Par-72-Stadionkurs unter den Profis als einer der besten und ob seines Variantenreichtums als einer der herausforderndsten Plätze der European Tour. Ausgelegt auf große Meisterschaften, spielt er sich teils wie ein Links-Kurs mit tiefen Bunkern, teils erinnert er an wasserlastige Plätze, wie man sie auch in Florida findet.

Ein Event dieser Größenordnung, mit erwarteten 750 Millionen TV-Zusehern rund um den Globus und täglich mehr als 50.000 vor Ort, verlangt auch abseits des Platzes nach ganz eigenen Dimensionen: Um das Match des Jahres ungestört über die Bühne bringen zu können, werden keine Kosten und Mühen gescheut. Elite-Spezialeinheiten, Infrarot-Missiles, Armee und Luftraumsperren bilden einen „Ring of Steel“, um den Ängsten vor Terrorattacken vorzubeugen. Die Besucher dürfen nicht direkt zum Gelände zufahren, sondern werden von außerhalb per Shuttlebussen transportiert, angesiedelte Industrie, wie zum Beispiel das nahegelegene Renault-Technologiezentrum mit mehr als 10.000 Mitarbeitern, wird während des Ryder Cup sogar gesperrt.

REDE UND ANTWORT
Österreichs Beitrag zum prestigeträchtigen Duell zwischen Europa und den USA heißt wie erhofft Bernd Wiesberger. Allerdings darf der 32-Jährige, der verletzungsbedingt keine Chance hatte, sich zu qualifizieren, nicht seine Schläger schwingen, sondern steht bei seinem ersten Ryder-Cup-Besuch als Experte mit Insiderinfos vor dem Sky-Mikrofon Rede und Antwort. „Auf mich wartet in Paris eine spannende Aufgabe als Experte für Sky – dar­auf freue ich mich bereits sehr. Ich habe am Le Golf National schon die Open de France gewonnen und kenne diesen Platz sehr gut. Als Golffan habe ich mir vorgenommen, den Ryder Cup trotz des engen Terminplans auch zu genießen“, so Wiesberger auf Nachfrage von Color of Sports.

EXPERTENTIPP
Vom Match erwarte er sich ebenso viel Spannung: „Team Amerika reist natürlich mit vielen großen Namen und ordentlich Selbstbewusstsein nach Frankreich, jedoch muss sich Team Europe keinesfalls verstecken. Der Mix aus Rookies und Veterans ist sehr interessant, und der europäische Team-Spirit wird die Jungs zu Höchstleistungen pushen.“ Welche Spieler er besonders auf der Rechnung hat? „Auf beiden Seiten sind Spieler von ganz großem Kaliber dabei, und es wird sicherlich wieder ein Kampf auf höchstem Niveau. Das Team Rose/Stenson ist mittlerweile schon sehr bekannt und gefürchtet, aber auch einige Rookies können für ordentliche Überraschungen sorgen.“ Und welches Team holt sich den Titel? Auf diese Frage gibt es für ihn nur eine Antwort: „Go #TeamEurope!“

KARRIEREPLAN

Ein weiteres Gesprächsthema war auch sein Karriereplan. „Mein primäres Ziel liegt aktuell noch in der vollständigen Genesung und der Arbeit, welche mich wieder in die Position bringen soll, alle großen Events zu spielen. Verletzungen wie diese müssen keine großen Auswirkungen auf langfristige Karriereziele haben, solange ordentlich damit umgegangen wird. Natürlich will ich als Golfer wieder dorthin, wo ich bereits war, und noch weiter“, gibt er den Takt vor. Das Handgelenk fühle sich mittlerweile auch ganz gut an, und die Genesung ist nach Plan verlaufen. Auch die Werte und Messungen der Physio­therapie zeigen eine durchwegs positive Entwicklung. „Die volle Belastbarkeit und Beweglichkeit sind noch nicht erreicht, wir sind mit dem Fortschritt jedoch sehr zufrieden“, so Wiesberger weiter.

Dazu bedarf es manchmal allerdings auch kleinerer Schritte: „Natürlich ist es für mich eine Riesenerleichterung, dass ich inzwischen mit leichtem Golftraining beginnen konnte. Seit dieser Woche habe ich die Freigabe, mehr an der Kräftigung der Hand zu arbeiten. Mit Chipping und Putting steht mittlerweile auch golfspezifisches Training auf dem Plan“, zeigt sich Wiesberger ermutigt. Und in zwei Jahren steht ja wieder ein Ryder Cup an – vielleicht dann mit aktiver österreichischer Beteiligung.

FOTO: GEPA Pictures

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