Peckerl für die Sport-Promis

Wenn ein Sportstar ein Tattoo will, dann geht er zu Helmut „Slimheli“ Zeiner. Nun gibt es eine Biografie mit interessanten Einblicken.

Helmut „Slimheli“ Zeiner war Profi-Eishockeyspieler, ehe der passionierte Zeichner durch seine Frau zum Tätowierer wurde. In Österreich ist er quasi der Peckerlmeister der Stars, tätowierte die Fußballstars David Alaba und Marko Arnautovic, Boxer Marcos Nader oder Eishockeyspieler Raphael Rotter. Im Interview gibt er einen Einblick, wie es ist, weltbekannte Stars zu tätowieren und verrät, wen er noch gerne unter seiner Nadel hätte.

Color of Sports:
Sie haben Fußballstars wie David Alaba oder Marko Arnautovic tätowiert. Wie findet man das richtige Tattoo mit so bekannten Personen?

Helmut „Slimheli“ Zeiner:
Egal wer der Kunde ist, jeder hat seine Vorstellungen. Jeder Kunde kommt und sagt, was er möchte. Dann gibt es vielleicht einen Feinschliff, eine Verbesserung. Wenn wer eine Zeichnung von einem Schmetterling hat, dann kann man noch Effekte dazu machen. Aber alle kommen mit ihren Vorstellungen.


CoS:
So eine Tätowierung dauert ja. Wie ist es, diese Berühmtheiten kennen zu lernen?

Zeiner:
Na klar, man hört ja auch sehr viele Geschichten, die man so nicht weiß. Durch die Tattoos werden teilweise Sachen verarbeitet und es kommt drauf an, wie er reagiert: Will er drüber reden oder gibt es da ein Problem? Bei manchen erfährt man viel, andere sind verschlossener.

CoS:
Ist da ein Unterschied zwischen Sportlern und „normalen Menschen“?

Zeiner:
Nein, das kann ich nicht sagen.


CoS:
Kommt es auf die Sportart an?

Zeiner:
Ein Fußballspieler will eher einen Schriftzug oder einen Engel, ein Boxer will was anderes. Marcos Nader wollte einen Old-School-Boxer auf dem Oberarm. Man sieht schon, in welche Richtung es geht. Sie wollen zeigen, womit sie etwas zu tun haben. Wenn er baden geht, sieht man, dass er kein Golfspieler ist. Fußballer haben dann auch keine Boxer, viele sind gläubig, sie machen ja auch oft das Kreuzzeichen.


CoS:
Haben Sie auch schon gesagt: Nein, das tätowiere ich nicht?

Zeiner:
Selbstverständlich. Es gibt Tabus. Makabre Sachen oder Rechtsradikales mache ich nicht. Auch Sachen, die nicht gut rüber kommen. Etwa die Anfangsbuchstaben (Anm.: ACAB), die mache ich nicht mehr. Wenn ein Junger kommt, dann sage ich ihm, dass das keinen Sinn macht und es nur Probleme macht. Da wird man anders behandelt. Das hat mit Tätowieren nichts zu tun – aber ansonsten eigentlich alles.


CoS:
Hilft es Ihnen, dass Sie selber Sportler waren, wenn Sie Profis tätowieren?

Zeiner:
Das kann ich so nicht beurteilen. Das Buch ist noch nicht so lange draußen, es weiß ja nicht ganz Österreich, dass ich Eishockeyspieler war. Mir ist aber egal, welchen Sport wer macht. Fußballer stehen mehr im Rampenlicht. Es kann schon sein, aber sie wissen halt, dass ich Sportler tätowiere. Das ist schon ein Punkt, dass einer sagt, dass er deshalb zu mir kommt.


CoS:
Es ist auch ein Teil von Ihrem Business?

Zeiner:
Das kann ich ehrlich sagen. Punker beispielsweise habe ich nie gestochen. Ich würde sie schon reinlassen, aber dieses Publikum habe ich nicht. Wahrscheinlich, weil ich die Fußballer oder Musical-Stars oder Politiker tätowiere. Wenn man bekannte Leute tätowiert, denken sich die anderen, warum sie zu dem gehen – der muss ja was können, sonst würden die ja nicht hingehen, wenn sie so viel Geld haben. Sie könnten ja zu jedem gehen.


CoS:
Früher waren Tattoos etwas Verruchtes, man kennt die „Häfenpeckerl“. Sie waren auch unschuldig im Gefängnis. Finden Sie es gut, dass Tattoos ganz normal sind?

Zeiner:
Das ist so eine Sache. Heutzutage gibt es jene, die nicht tätowieren können und es schaut so aus, als ob man im Gefängnis gesessen wäre. Wenn ich ein Tattoo mache und es ist gezeichnet wie ein Bild, dann schaut es eben anders aus. Ein Tattoo ist viel Arbeit. Schöne gibt es nicht im Gefängnis. Aber es gibt die Menschen, die sich gleich den Hals und das Gesicht tätowieren lassen, dann geht das schon in eine andere Richtung. Das heißt nicht, dass sie Verbrecher sind, aber es schaut fürchterlich aus und für viele Menschen ist das nicht normal.


CoS:
Wie sind Sie ursprünglich zum Tätowieren gekommen?

Zeiner:
Das hat meine Frau eingeleitet. Sie hat sich mit Kosmetik selbstständig gemacht und hat gemerkt, dass die Szene mit den Tattoos gerade beginnt, dass das mehr im Gespräch ist. Ich habe schon als Kind gezeichnet und sie hat mich gefragt: Warum machst du nicht Tattoos? So hat sich das dann entwickelt, dass ich mir das angeschaut habe. Dann wurde es mein Traumberuf.


CoS:
Würden Sie noch gerne eine Person tätowieren?

Zeiner:
Das wird mein ganzes Leben lang Eminem sein. Ich war knapp dran, habe 50cent und Drake, seine Freunde kennengelernt. Ich kann nur leider nicht so gut Englisch.


CoS:
Und Sportler?

Zeiner:
Ich bin sehr stolz auf die österreichischen Kicker, die ich tätowiert habe, auch Brasilianer, wie Naldo. Am Anfang war ich stolz, die kennen zu lernen. Aber einen Quaresma habe ich persönlich kennen gelernt, das war schon eine Ehre.

SLIMHELI, verfasst von Christoph Hellmann und Egon Thei­ner, erschien im egoth-Verlag und ist im gut sortierten Buchhandel und im Internet erhältlich.
ISBN: 978-3-903183-17-9. Preis: 24,90 €

FOTO: Christian Ort

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