Profis für den österreichischen Sport

Ob großer Verband mit Millionenbudget oder kleine Randsportart: Österreichs Sport braucht einen Professionalisierungsschub.

Die Präsentation der neuen Sport Agenda Austria von Heinz- Christian Strache im Dezember hat in Österreichs Öffentlichkeit für Aufsehen gesorgt. So intensiv wie kaum einer seiner Vorgänger hat sich der neue Sportminister mit Österreichs Sport in den vergangenen Monaten auseinandergesetzt. Das ist grundsätzlich positiv zu bewerten, wenn man das Glas halb voll sehen will. Natürlich gibt es aber auch die andere Blickweise. Jene, bei der das Glas halb leer ist: Papier ist nunmal geduldig und dass Österreichs Sportminister das Rauchverbot gekippt hat, passt so gar nicht zu einem sportlichen Image Österreichs. Im Gegenteil: Kinder und Erwachsene sind in hunderten Sportkantinen dem blauen Dunst ausgesetzt.

COMEBACK DER GOLDSCHMIEDE
Die nächsten Monate (und vermutlich auch Jahre) werden also erst zeigen, wie ernst es Sportminister Strache wirklich mit einer österreichischen Sportnation ist. Die kommunizierten Visionen, wie etwa das Comeback der österreichischen Goldschmiede im Sport oder die tägliche Turnstunde, sind hoch gesteckt und daran sind auch schon andere Sportminister gescheitert.

Das hängt natürlich auch mit der gewachsenen Struktur zusammen. Der Föderalismus ist auch im österreichischen Sport ein Thema, man denke nur daran, dass die Infrastruktur Ländersache ist und gut gemeinte Projekte daher nicht immer leicht umzusetzen sind. Bestes Beispiel ist das Hin und Her bei Straches Prestigeprojekt Nr. 1, dem Neubau bzw. Umbau des Ernst-Happel-Stadions. Strache hat dieses Projekt bereits einige Male medienwirksam in Szene gesetzt, die Stadt Wien musste darauf auf die Bremse steigen, weil so einfach, wie sich Strache das Ganze vorstellt, ist es halt dann auch nicht. Andererseits: Vielleicht braucht es aber auch ein Leuchtturmprojekt wie das neue Stadion, um ein Zeichen für den österreichischen Sport zu setzen.

ES BRAUCHT MEHR ALS EIN NATIONALSTADION
Der Bau eines neuen Nationalstadions allein wird den österreichischen Sport jedoch nicht weiterbringen. Viele kleinere Sportarten kämpfen in Öster­reich um Anerkennung, vor allem in Form von geeigneter Infrastruktur. Dass zum Beispiel die Millionenstadt Wien keine Leichtathletik-Meisterschaft durchführen kann, weil es schlichtweg an der Infrastruktur fehlt, darf als bestes Beispiel dafür verstanden werden.
Runtergebrochen auf kleine Kommunen zeigt das Wiener Beispiel auf, wie sehr es die sportliche Infrastruktur braucht, um aus Österreich wirklich eine Sportnation zu machen, so wie es z.B. nordische Länder in Euro­pa vorzeigen.

PROFESSIONALISIERUNG
Neben der Infrastruktur ist der österreichische Sport aber auch gefordert, die eigenen Strukturen in Verbänden und Klubs zu professionalisieren. Hier hilft kein Jammern nach mehr Geld oder besserer Infrastruktur, denn jeder einzelne Klub oder Verband hat es selbst in der Hand, das Beste aus den aktuellen Rahmenbedingungen zu machen.

Sich auf Strukturen zu verlassen, die in den 1980er-Jahren möglicherweise „en vogue“ waren, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Zudem gibt es oftmals aufgeblasene Strukturen mit zu vielen Funktionären, im Gegensatz dazu zu wenige Ressourcen für die Arbeit am Sportler selbst.

NEUE SPORTFÖRDERUNG
Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist durch die Neuvergabe der Sportfördermittel durch die neue Bundes-Sport GmbH unter der Leitung von Geschäftsführer Clemens Trimmel passiert. Über die Professionalisierung der österreichischen Verbände meinte Trimmel im September: „Ich würde sagen, dass wenige Überraschungen dabei waren. Bei vielen Verbänden weiß man, wie professionell gearbeitet wird, das hat sich durch die Konzepte bestätigt.“

Hört man sich jedoch unter der Hand in der österreichischen Sportszene um, so gibt es durchaus berechtigte Kritik an einigen Verbänden, die es beispielsweise nicht geschafft haben, die Konzepte zur Einreichung der Förderung rechtzeitig abzugeben.

Beispiele wie diese zeigen wohl am besten, dass es einen Professionalisierungsschub in Österreichs Sport benötigt, wenn man nicht einmal davon ausgehen kann, dass bei der wichtigen Frage um die Sportförderung pünktlich gearbeitet wird. Wie professionell Österreichs Sport arbeitet, haben wir in dieser Ausgabe für Sie gründlich recherchiert.

FOTO: GEPA PICTURES

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