Rallye? Rallye!

Der Motorsport im Gelände erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Vor allem wegen der Nähe.

Autos, die auf abgesperrten, öffentlichen Straßen mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die Pampa brettern, wirken eigentlich mittlerweile anachronistisch. Benzinduft liegt in der Luft, wenn die sieben Läufe der österreichischen Rallyemeisterschaft ausgetragen werden, und das Ganze hat ein bisschen ein Flair der 80er. Dennoch erfreuen sich nach wie vor mit gewissen Schwankungen bis zu 500.000 Menschen im Jahr an der Raserei in der Natur. Um die Interessen kümmert sich in Österreich die Interessengemeinschaft Rallye, kurz IG Rallye. „Von jeder der sieben Veranstaltungen sitzt einer in der IG Rallye“, erklärt deren Präsident Gerhard Leeb im Gespräch, „wir treffen uns regelmäßig, um das Reglement zu besprechen, und versuchen, alles unter einen Hut zu bringen.“ In der Gemeinschaft wäre es schlichtweg leichter, sich um Sponsorengelder und Medienpräsenz zu bemühen, als als sieben Einzelkämpfer.

ENTWICKLUNG
Leeb hat Erfahrung. Vier Jahrzehnte lang veranstaltete er die Lavanttalrallye, momentan ist er bei der Rebenland-Rallye involviert. Das gibt Einblick in die Materie: „Ich organisiere seit 43 Jahren Staatsmeisterschaftsläufe. Es gab immer Höhen und Tiefen. Die gibt es aber im normalen Wirtschaftsleben auch. Die Tiefen muss man durchtauchen. Heuer haben wir beispielsweise weniger Starter, manche haben aufgehört, andere fahren Europameisterschaft. Auch in Deutschland gab es neulich eine Rallye mit 55 Startern, im Jahr davor waren es 80 – und im nächsten Jahr schaut es vielleicht wieder anders aus.“ Man jammere auf zu hohem Niveau, in Österreich ohne Europameisterschaft wäre es eben schwierig, immerhin sind bei der Rebenland- und der Lavanttalrallye rund 30 Starter aus dem Mitropa­cup dabei. „Zwischen 45 und 55 Starter haben sonstige Meisterschaftsläufe.

SPONSORING
Die Nenngelder sind ein nicht unerheblicher Anteil am Budget einer Rallye. Gesamt braucht es im Großen und Ganzen rund 150.000 Euro, um die mehrtägigen Events durchzuführen. Rund ein Drittel oder mehr machen Nenngelder aus, ein weiteres öffentliche Förderungen und der Rest Sponsoren. Hier hat sich einiges geändert. „Große Sponsoren wie OMV, BP oder Castrol und so weiter, die sind momentan nicht mit dabei“, erklärt Leeb. „Das hat immer verschiedene Gründe. Wir arbeiten eher mit regionalen Sponsoren.“ Bei der von 3. bis 5. Mai stattfindenden Wechsellandrallye ist es obm, „ein Tischler aus der Region, der österreichweit arbeitet. Ihm taugt es, wenn etwas passiert.“ Bei der Aprilrallye im Lavanttal war es beispielsweise Holzbau Weinberger. Eine regional große Firme, die hinter der Unterstützung steht. Es geht um Grundsätzliches. Große Sponsoren sind Erzählungen nach mit der Stoppuhr vor dem Fernseher gesessen und monierten wenige Sekunden weniger TV-Zeit.

SO GEHT ES
Eine Rallye in Österreich ist nach wie vor ein recht erdiges Event. Horst Nadles veranstaltet ein solches im Lavanttal. Er blickt auf das Rennen Anfang April zurück: „Wir sind als Motorsportclub Lavanttal ein Verein mit 300 Mitgliedern und einem dreiköpfigen Vorstand. Die Organisation verschlingt rund 700 Stunden, es gibt ein Jahr Vorlaufzeit, es gibt drei Durchführungstage.“ Nadles selbst arbeitet ehrenamtlich. Es müssen Genehmigungen eingeholt werden, mit der Exekutive die Strecken besprochen werden. Der Rest firmiert dann unter dem Motto rustikal. Lizenzen, wer was wann und wo ausschenken darf, existieren im Rallyesport in Österreich nicht. Die Region freut sich einfach darüber, die Wertschöpfung stimmt.

ZUMANGREIFEN
Wer sich nun Gedanken über die Umwelt macht, der sollte vielleicht auch bedenken, dass der Österreicher liebster Sport, das Skifahren, auch nicht gerade nachhaltig ist. „Motorsport ist faszinierend, etwas zum Angreifen“, führt Leeb ins Treffen, „bei der Formel 1 sitzt man auf der Tribüne. Bei der Rallye kann ich hingehen, mich vielleicht auch in ein Auto reinsetzen.“ Es gab aber auch schon gasbetriebene Autos, alternative Antriebe. Motorsport spielt dabei schon eine Rolle: „Das muss ja unter Extrembedingungen getestet werden, wenn es auf der Straße fährt.“

DIE ZUKUNFT IS DIGITAL
Doch natürlich macht man sich bei der IG Rallye auch Gedanken über die Zukunft. Man müsse hier schon etwas machen, ist man sich einig und auch sicher. Denn die Mediencoverage ist für einen Amateursport eigentlich schon gut. Bei der Jännerrallye gab es zudem schon eine App, mit der man die Sonderprüfungen live beobachten konnte. So etwas könnte für die gesamte Meisterschaft relevant werden. Dazu bräuchte es entsprechende Partner. Das wäre laut Leeb allerdings „Zukunftsmusik“, von heute auf morgen funktioniere es nicht. Es ist der Versuch, neue Schichten anzusprechen, sich dem Konsumverhalten der Jugend anzunähern.  Im Fernsehen wäre man dann eben nur 30 Sekunden, so mancher wartet auf den Fußball, der Nächste auf Handball. „Mit einer App kann ich mit dabei sein, auch wenn ich nicht da bin.“  Es scheint so, als ob es Rallye noch länger geben wird.

FOTO: Harrald Illmer

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