Sponsorfan

Dornbach Networks: Geführt von einem Fan, jetzt Hauptsponsor des Wiener Sport-Clubs.

„Ich arbeite im Schnitt 70 bis 80 Stunden in der Woche. Vielleicht ist das nicht ganz gesund“, sagt Christian Hetterich, Gründer von Dornbach Networks. Aber er macht es mit Leib und Seele. Ein Event hier, eine Vermittlung da. Dornbach Networks ist der Zusammenschluss lokaler Wirtschaftstreibender mit dem Ziel, den Wiener Sport-Club zu unterstützen – und noch viel mehr. Das Netzwerk aus dem Wiener Vorort ist dabei viel mehr als nur eine Geldbeschaffungsgeschichte für einen Sportverein.

BANDENWERBUNG?
„Ich betreibe Sponsoring für den Verein, aus ihm kommend“, erzählt Hetterich, „dadurch habe ich vielleicht einen anderen Blick auf Sponsoring.“ Zuerst war er Fan des Fußballklubs aus Wien-Hernals. Der erlebte bekanntlich lange, schwierige Zeiten. Hetterich war zunächst Fan der Schwarz-Weißen, dann Mitarbeiter. „Ich bin seit zwei Jahrzehnten dabei, habe zuerst an der Kassa angefangen, war irgendwann sogar Klubmanager“, blickt er zurück. Schon damals hat er mit dem Netzwerken begonnen. Dadurch kam Geld her­ein, Christian Hetterich hat sich sein Gehalt quasi selbst erwirtschaftet. „Ich wollte immer mehr. Die Werbewirkung einer Bande bei einem Regionalligisten mit tausend Zusehern hat mich nicht überzeugt.“ Um dieses Mehr zu schaffen, hat er 2008 Dornbach Networks gegründet: „Ich konnte nicht mehr argumentieren, warum ein derartiges Sponsoring positiv sein soll.“

MEHR LIEFERN
Dornbach Networks funktioniert nun so: Man zahlt einen (freiwilligen) Mitgliedsbeitrag, davon gehen zwei Drittel an Herren- und Frauenteam. Rund 180.000 Euro sind das im Jahr, 115.000 gehen an die Herren. Der größte Brocken im Budget des Regionalligisten. 30.000 gehen an die Frauen. Beide ersten Teams spielen drittklassig, mit Ambitionen nach oben – wenngleich diese bei den Frauen realisitischer sind. Doch das Geld alleine ist es nicht, das das Netzwerk ausmacht. „Die Menschen sollen sich wohlfühlen, neue Leute kennenlernen“, führt Christian Hetterich aus. Das führt so weit, dass er Probleme löst, und sei es auch, dass Mitglied A einen guten Installateur oder Caterer braucht. Dann vermittelt Hetterich. Die Menschen können einander vertrauen. Insgesamt haben sich so über die Jahre rund 200 Mitglieder ergeben, mit doppelt so vielen gesammelten Kontakten. Vom Rechtsanwalt bis zum Fleischer oder Elektrotechniker, sogar ein Bestatter ist mittlerweile im Netzwerk.

LEIDVOLLE GESCHICHTE
Neben dem Sponsoring geht der Rest in das Netz­werken selbst, auch soziale Projekte weden unterstützt. Für den Einzelunternehmer bleibt freilich auch noch etwas übrig. In der großen weiten Sportwelt ist die Idee, mittels eines lokalen Wirtschaftsnetzwerkes Geld für (Profi-)Sport zu sammeln, beinahe einzigartig. Große Einzelsponsoren brauchen viel Aufmerksamkeit, brechen sie weg, hat der Verein ein Problem. Das kennt der Hernalser Traditionsverein aus leidvoller Geschichte. 1995 gab es zwei Ausgleiche, die in einem abgeschlossenen Konkursverfahren mündeten sowie dem Rückzug aus der zweiten Spielklasse. Mit der AXA-Versicherung als Hauptsponsor wurde aus dem Sport-Club mit C 2001 der Sportklub mit k, der es bis in die Relegation für die zweite Liga schaffte. Nach dem Abstieg nach einer Saison dümpelte der WSK, seit kurzem wieder WSC, in der Regionalliga herum. Die Lösung, via outgesourctes Netzwerk und mittels vieler kleiner Sponsoren Geld zu lukrieren, ist dadurch wohl gut erklärbar.

EIN VORBILD?
„Man weiß ja nicht, warum einer plötzlich so viel Geld in einen Fußballverein stecken will. Da werde ich skeptisch. Auch beim Sport-Club gab es das, da will dann einer alles bestimmen“, meint Christian Hetterich. „Da sind mir die Kleinsponsoren lieber, die ins Netzwerk eintreten wollen, aufs Match gehen, ein Bier trinken.“ Vermutlich, so der Netzwerk-Gründer, gebe es derartige Zusammenschlüsse noch in kleinen Dörfern, wo ein Funktionär alle kennt, Geld aufstellt. Neben den klassischen Sponsoren-finanzierten und Mäzenklubs gehen Sportvereine immer neue Wege. Wiener Neustadt brandete das Stadion bei Heimspielen ganz verschieden, Austria Salzburg verloste den Stadionnamen. Seine Idee hält Hetterich für ein Vorbild, weil man sich eben nicht einem ausliefert: „Ich habe lieber 200 Leute, mit denen ich etwas Leiwandes mache.“

NACH OBEN OFFEN
Die Teilnehmer im Netzwerk können ihre Beiträge jederzeit erhöhen oder niedriger gestalten. Die Wertschätzungskette muss eben in Gang gesetzt werden. Das Wichtigste: „Man muss ehrlich mit den Leuten umgehen.“ Die Skala, wohin es gehen kann, ist nach oben offen. Seit 2017/18 ist Dornbach Networks Hauptsponsor der Frauen, es schaut gut aus mit dem Aufstieg. Und wer weiß, vielleicht spielen die Herren auch irgendwann mit dem Logo des Netzwerks auf der Brust gegen Juventus Turin. Das haben sie schon einmal, nach einem 1:3 im Hinspiel des Landesmeisterwettbewerbs. Das Ergebnis: 7:0. Vielleicht passiert das an irgendeinem Tag wieder. Träumen muss eben als Fan erlaubt sein.

FOTO: C. Hetterich (l)/, Wolfgang Fürst

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