Sport Strategie Austria

Mehrere Monate wurde in vielen Arbeitsgruppen an der neuen Sport Strategie Austria gearbeitet. Jetzt wurde sie von Heinz-Christian Strache vorgestellt.

Pünktlich zum einjährigen Jubiläum seiner Amtszeit als Sportminister hat Heinz-Christian Strache am 4. Dezember seine „Sport Strategie Austria“ vorgestellt. Die damit verbundenen Ziele sind durchaus hochgesteckt, denn damit will Strache „ein Comeback der Goldschmiede Österreich einleiten und Österreich wieder zu einer Sportnation machen.“

In den vergangenen Monaten wurde dafür in verschiedenen Arbeitsgruppen unter dem Projektleiter Wolfgang Gotschke die gesamte Bandbreite des Sports, von Leistungssport, über Breitensport, Rahmenbedingungen für den Sport, Sportinfrastruktur/Sportveranstaltungen, Wissenschaft im Sport, Bildungssystem Sport bis hin zu Sport und Gesellschaft einer tiefgehenden Analyse unterzogen. Dabei kamen hochrangige Fachleute aus der Praxis genauso zum Einsatz wie ehemalige Spitzensportler, wie etwa Alois Stadlober, der 1999 Skilanglauf-Gold für Österreich holte, Gregor Högler (ehemalige Weltklasse-Leichtathlet und heuer zur Trainerpersönlichkeit des Jahres gewählt) oder auch Ex-Skistar Petra Kronberger sowie Gernot Schweizer, Fitnesscoach von Marcel Hirscher und auch Sportwissenschaftler Walter Hable.

„KEINE AUSREDEN“
„Mein Anspruch ist, vom heutigen Tag an an die Umsetzung zu gehen. Wir haben die Mängel im Sport erkannt“, so der Minister. „In Zukunft gibt es keine Ausreden mehr für mich. Jetzt können wir, die politischen Verantwortungsträger, an die Arbeit gehen. Wenn wir uns in ein paar Jahren hier wieder treffen, können wir dann beurteilen, ob wir die Ziele erreicht haben oder ob sie mich mit einem nassen Fetzen davonjagen“, erklärte Strache.

Stadlober zeigte sich von seiner Arbeitsgruppe durchaus angetan und meinte: „Jeder der drin war, will was weiterbringen. Die Erwartung ist, dass das umgesetzt und nicht mit einem Regierungswechsel wieder eingestellt wird. Ich bin guter Hoffnung, dass es uns gelingt, den Sport in die richtige Richtung zu führen.“ Mit dabei war auch Vienna-City-Marathon-Organisator Wolfgang Konrad, der durchaus einen anderen Weg eingeschlagen sieht. Er mahnte aber ein: „Es darf aber nicht bei Worthülsen bleiben, sonst sitzen wir in vier Jahren wieder da.“

Am Ende des Prozesses für Strache ein Sportsystem stehen, „das Sport-Talente erkennt, fördert und betreut, dem Breiten- oder Leistungssportler jene professionelle Infrastruktur und modernen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt, die sie brauchen, um zu siegen. Ein Sportsystem, das Erfolg nicht länger dem Zufall überlassen will“. Strache warnte aber davor, bereits Ergebnisse für die nächsten Olympischen Spiele in Tokio 2020 zu erwarten, „denn kann man nur noch an wenigen Schrauben drehen.“ Ergebnisse will man bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris sehen.

MEHR GELD
Im Rahmen einer Diskussionsrunde rund um die Präsentation der Sport Strategie Austria sorgte Armin Assinger für Raunen, als er meinte, dass es eigentlich genug Geld für den österreichischen Sport gäbe, diese Mittel aber nicht immer zielgerecht eingesetzt würden. Das sahen die anderen Teilnehmer am Podium aber nicht so. Strache hat zudem eine Taskforce ins Leben gerufen, „wo wir überlegen, wo wir in unterschiedlichen Bereichen Geld für den Sport generieren können. Im Sport-Onlinewetten sehen wir Möglichkeiten. Mit der Steuerreform 2020 wollen wir ein Paket in Kraft setzen, wo für den Sport x-Millionen Euro mehr freigesetzt werden“. Zudem soll die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden im Sportbereich auch endlich Realität werden.

In den 31 Sitzungen der mit hochkarätigen Experten besetzten Arbeitsgruppen wurde der Sport in seiner ganzen Breite erfasst, von Leistungssport (Leiterin Karin Glatt), über Breitensport (Leiter Christian Halbwachs), Rahmenbedingungen für den Sport (Leiter Rainer Rösslhuber), Sportinfrastruktur/Sportveranstaltungen (Leiter Alois Stadlober), Wissenschaft im Sport (Leiter Walter Hable), Bildungssystem Sport (Leiterin Katja Kosak) bis hin zu Sport und Gesellschaft (Leiterin Anna Kleissner). Auch ein Sportstätten-Masterplan, der seit zwei Jahrzehnten immer wieder angekündigt worden ist, steht wieder ganz oben auf der Agenda und wird Mittel benötigen.

TÄGLICHE TURNSTUNDE
Die neue Sport Strategie Austria soll aber auch für den Breitensport deutliche Verbesserung mit sich bringen. Das Dauerthema „Tägliche Turnstunde“ soll laut Strache in allen Pflichtschulen kommen, was rund 55 Mio. Euro an Kosten verursachen würde. In Kooperation mit dem Bildungs- und Gesundheitsministerium soll daran gearbeitet werden. „Wir wollen nicht am falschen Eck sparen. Die 55 Millionen werden es uns wert sein“, meinte der Sportminister, der auch die von der BSO vorgebrachte Idee einer Pension für Spitzensportler positiv findet.

Die Sportstrategie soll sichtbar machen, „was braucht‘s, wohin wollen wir und wie kommen wir da hin. Mein Anspruch ist, vom heutigen Tag an an die Umsetzung zu gehen. Wir haben die Mängel im Sport erkannt“, so der Sportminister. Als nächste Schritte sollen die für den Sport zuständigen Länder mittels Arbeitsgruppen miteingebunden werden, um die operative Vorgehensweise zu besprechen. Bei der nächsten Landessportreferentenkonferenz im Herbst 2019 soll die Vereinbarung zur Umsetzung der Strategievorschläge samt Zeitplan getroffen werden.

REAKTIONEN
BSO-Präsident Rudolf Hundstorfer meinte zur Präsentation von Strache: „Wir freuen uns darüber, dass wir vom Vizekanzler bei der Frage der besseren sozialen Absicherung für Spitzensportlerinnen und -sportler, aber auch Trainerinnen und Trainer, Unterstützung bekommen. Die BSO steht natürlich bei der Umsetzung jederzeit mit ihrem Know-how zur Verfügung. Das gilt freilich auch für eine weitere BSO-Forderung, nämlich die Ausweitung der Finanzierungsgrundlage des Sports zum Beispiel durch Online-Wettabgaben.“

„Die zig-tausenden Ehrenamtlichen in unseren Vereinen brauchen Erleichterungen im Bereich der Bürokratie, Haftungen und Steuern. Um möglichst viele Menschen für den Sport zu begeistern und für Bewegung zu sorgen, brauchen wir außerdem moderne, zeitgemäße Mehrzweckhallen für die Sportlerinnen und Sportler verschiedenster Sportarten und eine verpflichtende Öffnung der aus Steuermitteln finanzierten Schulsportstätten für Vereine auch an schulfreien Tagen“, meint Sportunion-Präsident Peter McDonald.

„Vieles von dem, was wir zu hören bekommen haben, ist alt bekannt. Die engagierten Ziele des Sportministeriums für die kommenden Jahre sind Themen, die der organisierte Sport schon seit Jahren einfordert,“ so der anwesende ASKÖ-Präsident Hermann Krist in einer ersten Stellungnahme.
„Bei der Vorstellung der geplanten Maßnahmen durch Sportminister Strache sind wichtige Arbeitsgebiete der Dachverbände angesprochen worden“, fasst ASVÖ-Präsident Siegfried Robatscher seine Eindrücke zusammen. „Auf diese Ankündigungen werden bald konkrete Maßnahmen folgen. Wir sind als großer Breitensportverband mit unseren 5.400 Mitgliedsvereinen dabei gerne Partner.“

Bemerkenswert ist aus Sicht des ASVÖ die klare Kompetenzaufteilung, die Minister Strache in den Fokus gestellt hat. „Bei den breitensportlichen Aufgaben, insbesondere in der Nachwuchsarbeit an der Vereinsbasis, liegt unsere besondere Stärke in der Nähe zu unseren Vereinen. Die Absicht des Ministers, neue Mittel für den Sport aus dem Wettgeschäft zu erschließen, ist sehr begrüßenswert. Damit könnten wir unsere Aktivitäten bei Kindern und Jugendlichen verstärkten, und zwar sowohl in der Vereinsarbeit als auch in Richtung der täglichen Bewegungseinheit in Kindergärten und Schulen“, zeigt sich Robatscher überzeugt.

FOTO: GEPA Pictures

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