Sport vs. Bewegung

„Wir sind alle Künstler.“ Wenn ich meine eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich betrachte, möchte ich Joseph Beuys nur bedingt Recht geben. Die Aussage auf den Sport bezogen, „Wir sind alle SportlerInnen“, möchte ich so gar nicht gelten lassen. Was ich dennoch unterschreiben kann, ist, dass wir alle „Bewegte“ sind. „Panta Rhei“ – alles fließt, das heißt, alles ist in Bewegung, dieser Ansicht war schon Heraklit.

Ich glaube, dass sich jeder Mensch gerne bewegt, das meint nicht Sport, sondern Bewegung in allen erdenklichen Formen. Historisch hat sich bei uns der englische Sportgedanke gegenüber dem deutschen/österreichischen Turnen und der schwedischen Gymnastik durchgesetzt: höher, schneller, weiter. Mit Bewegung hat das nicht wirklich viel zu tun, sondern viel mehr mit Leistung. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft – derjenige, der seine Leistung abliefert, kommt auch weiter.

Derjenige, der sich „nur“ bewegt, wird abgehängt. Sport gilt als Spiegel der Gesellschaft. Oft wird Sport nur noch in Verbindung mit Leistungssport gesehen. Wir schauen uns die Schnellsten, die Stärksten, die Besten im Fernsehen an – sie sind unsere Idole, ihnen eifern wir nach, mit ihnen fiebern wir mit und hoffen auf den Sieg. Der ÖBSV möchte diese Sichtweise aufbrechen und verändern, denn im Gegensatz zum Leistungssport gehen Breitensport und Alltagsbewegung jeden etwas an, und zwar jeden Tag.

Die aktuellen Österreichischen Betriebssport Meisterschaften im Mai 2019 verdeutlichen, was ich sagen möchte. Der olympische Gedanke wurde gelebt. Natürlich gab es ambitionierte Teams, die gewinnen wollten und mit gesundem Ehrgeiz um den Titel Österreichischer Betriebssport Meister gekämpft haben. Das ist auch gut so. Es muss immer Vorbilder geben, von denen man lernen kann. Viel wichtiger als das bloße Gewinnen war aber allen TeilnehmerInnen, eine gute Zeit mit den KollegInnen zu verbringen, sich auszutauschen, sich zu vernetzen und sich zu bewegen.

Ich möchte für Bewegung, für den Breitensport, für Bewegung im Alltag – das heißt auch im Setting Arbeitswelt – appellieren – denn jeder und jede ist ein/e Bewegte/r.

Ihr Florian Ram

FOTO: ÖBSV

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