Sportartikelhandel?

Der stationäre Handel kämpft seit Jahren mit dem Internet. Doch im Sportartikelhandel scheint das etwas anders zu sein.

Sport 2000 ist eine Marke, die als Sport- und Einkaufskooperation international operiert. Color of Sports hat mit Steffen Kunz über die Welt des Sportartikelverkaufs gesprochen. Er ist für den Bereich Outdoor, Schuhe und Equipment bei Sport 2000 International verantwortlich. Er hat sehr gute Einblicke in das Wohlergehen des Sportartikelhandels.

COLOR OF SPORTS:
Wie geht es dem Sportartikelhandel im Jahr 2019?

STEFFEN KUNZ:
Dem Sportartikelhandel geht es gut, eigentlich wie immer. Es gibt natürlich Gewinner und Verlierer, im Vergleich zu anderen Branchen geht es uns nicht schlecht. Das heißt aber nicht, dass wir ein sehr großes Plus machen. Es gibt Bereiche, die positiver sind als andere. Da gehört etwa der Schuhbereich dazu. Dann gibt es Bereiche, die eher stabil sind, wie Equipment. Textil ist teilweise unter Druck, weil ein T-Shirt nun einmal billiger ist als eine Jacke.

COS:
Wie sieht die Umsatzentwicklung aus?

KUNZ:
Wir haben in den letzten Jahren ein solides Wachstum hingelegt, nicht überdimensioniert, aber wir sind stetig auf Wachstum ausgerichtet. So konnten wir unsere Position stärken.

COS:
Online-Handel wird immer stärker. Eine Stoppuhr kann ich online gut kaufen, bei Schuhen oder Sportgeräten braucht es wohl Beratung?

KUNZ:
In meinem Bereich ist das schon so, aber auch der Online-Handel wächst im Schuhbereich. Einen Schuh sollte man probieren und die Entscheidung vor Ort treffen. In dem Fall ist das nicht ganz so einfach, online zu kaufen. Auch bei Outdoor ist die Expertise unserer Händler gefordert. Ein Verkäufer, der ähnliche Sportarten wie der Kunde ausführt, kann seine Erfahrung entsprechend mitgeben.

COS:
Wie positioniert sich Sport 2000?

KUNZ:
Wir haben in unserer Gruppe auch Online-Händler, da muss jeder seinen Job machen – Spezialisierung, Beratung und Serviceleistung gehen im stationären Bereich besser. Das ist online nicht immer leicht umzusetzen. Wir haben viele Geschäfte, bei denen der Inhaber noch drinnen steht und einfach einen besonderen Bezug zum Geschäft hat. Wir haben in unserer Gruppe nicht die großen Ketten mit vielen Filialen, sondern hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen in den Regionen. Jeder muss seinen Weg finden und seine Stärken hervorheben.

COS:
Ist das ein besonderes Asset des Sportartikelhandels im stationären Verkauf? Andere Branchen ächzen.

KUNZ:
Bei unserer Struktur mit den Händlern ist die Expertise ein Bestandteil unserer Ausrichtung. Wir haben den Mitbewerb online auch. Vielleicht ist es für unsere Branche etwas leichter. Aber solange sich der Online-Handel hauptsächlich über den Preis definiert, muss man darauf schauen, was die Marken dagegen machen. Eine Marke hat einen Wert, und wenn die im Internet permanent mit 30, 40 Prozent verheizt wird, verliert sie ihren Wert. Da ist die Frage, wie das der Endkonsument dann sieht.

COS:
Aber ist die Klientel nicht grundsätzlich bereit, mehr Geld auszugeben?!

KUNZ:
Das kann man nicht so pauschal sagen. Ein Skiurlaub oder eine Fernreise kosten ja Geld, und dann versucht man eigentlich schon zu sparen. Wenn ich mir dann vor Ort einen Artikel raussuche, mich beraten lasse und ihn dann im Netz um 30 Prozent billiger bekomme, weiß ich nicht, ob das so zielführend ist. Unabhängig davon, ob jemand viel Geld ausgibt, wird da der Urlaub dann doch wohl mehr Priorität haben.

COS:
Und was erwartet uns in Zukunft?

KUNZ:
Man muss die Augen offen­halten und Trends erkennen. Welche sind nur ein kurzer Hype? Es ist da wichtig, informiert zu bleiben, um zu erfahren, wo der Markttrend hingeht. Sonst verpasst man Segmente, die gerade im Kommen sind. Aber das erwarte ich auch von unseren Händlern. Zudem gibt es auch regionale Trends. Wir haben gute Händler, die wissen, ob man gleich drauf anspringen muss oder es besser noch eine Saison länger beobachtet.

FOTO: Sport2000/Stefan Leitner

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