Training fürs Hirn – ohne Sudoku

Sport kann den Verfallprozess nicht nur aufhalten, sondern auch umkehren.

Wenn du gerne stärkere Beine hättest, sollten die Beine trainiert werden. Wenn du einen größeren Bizeps willst, sollte die Armmuskulatur trainiert werden. All diese Tipps sind naheliegend und keine Überraschung. Doch was machst du, wenn du gerne kreativer, schlauer und konzentrierter sein möchtest? Was machst du, um dein Gedächtnis zu trainieren? Ein kleiner Hinweis: Es kommt anders, als du denkst!

WIE FUNKTIONIERT DAS?
Dein Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen. Jede dieser Zellen besitzt etwa 10.000 Synapsen zu Neuronen. Das ergibt etwa eine Billiarde Verbindungen. Somit ist die rosa Masse in deinem Kopf eine der komplexesten Strukturen, die unsere Natur erschaffen hat.

Lange Zeit wurde vermutet, dass sich das Gehirn mit Kreuzworträtsel und Soduku trainieren lässt. Doch wenn du jeden Tag Kreuzworträtsel löst, wirst du genau in einer Sache besser: Kreuzworträtsel lösen. Was unser Hirn wirklich braucht, was uns wirklich kreativer, konzentrierter und fokussierter macht? Bewegung!

Was würdest du sagen, wenn ich dir eine Tablette verschreibe, die dir verspricht, dass du damit deinen Stress abbauen, dein Gedächtnis trainieren und kreativer werden kannst? Ich sage dir, was diese Tablette für Inhaltsstoffe hat: Laufschuhe und mindestens 30 Minuten Zeit.

Leider reagieren die meisten nicht ganz so erfreut auf diese Nachricht. Die Couch ist doch so gemütlich! Ich weiß. Doch wäre es nicht auch super, wenn MitarbeiterInnen konzentrierter, gesünder und kreativer wären? Wäre es nicht wunderbar, wenn du selbst mehr Energie und weniger Stress hättest? Ab einem Alter von rund 30 Jahren baut unsere Muskulatur ab. Wir werden schwächer, wenn wir nicht trainieren.

AMERIKANISCHE GEHIRNFORSCHUNG & UMKEHRPROZESSE
Das gilt auch für Teile unseres Gehirns, vor allem dem Hippocampus, der essentiell für diverse Gedächtnisleistungen ist. Dieser Teil des Hirns schrumpft um ca. 1 % pro Jahr und lange dachte man, es sei unmöglich, dem entgegenzuwirken. Ein paar amerikanische ForscherInnen hatten dazu aber eine andere Idee: Sie teilten ihre ProbandInnen in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe durfte mehrmals pro Woche einen Spaziergang machen und die zweite Gruppe führte stattdessen Dehnübungen durch. Der Hippocampus der TeilnehmerInnen wurde zu Beginn der Studie und ein Jahr später mittels MRT gemessen. Bei den ProbandInnen, die die Dehnübungen durchgeführt haben, schrumpfte der Hippocampus um 1,4 %. In der Spaziergängergruppe passierte allerdings etwas Faszinierendes: Der Hippocampus wuchs um 2 %!

Das Fazit dieser Studie: Sport kann den Verfallprozess also nicht nur aufhalten, sondern auch umkehren. Eine weitere Studie zeigt, wie Bewegung unsere Kreativität steigert. Am kreativsten sind trainierte Personen, direkt nach dem Training und zwar um satte 60 % im Vergleich zu stillsitzenden Personen.

DURCHHALTEN!
Die positiven Effekte des körperlichen Trainings treten nicht sofort auf. Vor allem als Anfänger ist das Training oft mühsam, weil man nicht genau weiß, was man tun soll, unsicher ist und die Bewegungen oft unökonomisch ausgeführt werden. Halte durch! Empfohlen werden drei Sporteinheiten pro Woche, bei welchen der Puls leicht erhöht wird und vor allem der Spaß im Vordergrund steht. Unser Gehirn zählt jeden Schritt. Je mehr Alltagsbewegung du integrierst, desto mehr wird es dir dein Hirn danken. Auch Charles Darwin soll oft um sein Haus spaziert sein und diesen Prozess seinen „thinking path“ genannt haben. Wie wäre es also mit einem „Walking Meeting“ fürs nächste Brainstorming im Büro?

ZUR PERSON
Klara Fuchs

(Bloggerin, Mentaltrainerin, Podcasterin, Autorin)

FOTO: Winfried Fuchs

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