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Moser Medical ist gerne Sportsponsor. Auch weil der Impact anders kaum erreichbar wäre.

Wer regelmäßig Sportzeitungen oder -websites liest, kommt um Moser Medical nicht herum. Der Medizindienstleister ist Namenssponsor des Eishockeyteams Graz 99ers, des Kremser Handballteams, wirbt mit „Haare statt Glatze“ bei Länderspielen des Fußballnationalteams oder beim Tennisturnier in Wien und Kitzbühel. Dass Moser Medical Sportsponsoring betreibt, hat mehrere sehr gute Gründe. „In erster Linie bin ich selbst sehr sportaffin, habe Fußball und Handball gespielt, fahre Mountainbike, gehe klettern und surfen“, erzählt Karl Moser gegenüber Color of Sports. „Eines Tages dachte ich mir, dass sich Politiker auch im Sport herumtreiben und es doch etwas wäre, was zu uns passt.“ Das Unternehmen war eines der ersten Medizinunternehmen, das schon vor mehr als drei Jahrzehnten ins Sportsponsoring investierte. Der Start in die große, österreichische Sportwelt war aber dennoch ungewöhnlich. Und es war durchaus auch ein Wagnis, in die Unterstützung des Sports einzusteigen.

DER MIKROMANN
Ö3-Mikromann Gernot Kulis brachte den Stein ins Rollen, breitenwirksam im Eishockey aufzutreten. „Eigentlich ist er Kärntner, aber er war immer schon ein fanatischer 99ers-Fan. Er machte uns darauf aufmerksam, dass dort ein Sponsor abgesprungen war und fragte, ob wir nicht die Möglichkeit hätten, da einzuspringen.“ Denn für Moser selbst ist klar: Nur um zu werben, irgendwo ein „Fleckerl“, wie er sagt, draufzukleben, kam und kommt für ihn nicht in Frage. „Es muss im Wortlaut heißen: Moser Medical Graz 99ers, Moser Medical UHK Krems im Handball, Moser Medical FC Rohrendorf im Fußball.“ Das stand immer an erster Stelle, weil diese Namen in der Zeitung stehen. Das Sponsoring läuft laut dem Unternehmen zwar nicht mit einem übergeordneten Marketingplan ab, aber sehr gut durchdacht.

Seit 2006 bespielt man Österreich mit den Eishacklern bis in den Süden. Handball, seit 2008, wirkt im Norden bis in den äußersten Wes­ten. Sponsorings in Kitzbühel und Wien sprechen das Herz Österreichs an: „Wir decken so eigentlich das ganze Land ganz gut ab. Das war schon auch unsere Strategie.“ Kitzbühel oder eben das Tennisturnier in der Stadthalle sowie Sponsorings beim Skispringen strahlen weiter nach Deutschland. Philanthropie ist lediglich das Sponsoring des Jugendfußballklubs in Rohrendorf: „Nur aus Jux und Tollerei machen wir es auch nicht. Aber in Rohrendorf haben wir eine Arena gebaut, das hat schon auch etwas damit zu tun, dass wir etwas zurückgeben wollten.“ Allerdings spielt der Verein in der Landesliga, auch hier ist Medienpräsenz gewiss.

RICHTIGE ZIELGRUPPE
Warum ein Unternehmen, das sich auf Eigenhaarverpflanzung spezialisiert, in den Sport inves­tiert, liegt wohl auf der Hand. Die Sportfans sind oft männlich, auch körperbewusst. Aber es gilt neue Märkte zu bespielen, weswegen man beim UKH Krems nur noch Namenssponsor ist, nicht mehr Hauptsponsor. Dafür gibt es bei dem altehrwürdigen Fußballklub Fiorentina Bandenwerbung, in Mailand gibt es eine neue Informationsstelle. Alle Sponsorings sind prominent platziert, auch wenn alle anderen klassischen Werbekanäle wie Radiospots oder Anzeigen ebenfalls bespielt werden. Karl Moser stellt dazu klar: „Bei uns geht sehr viel in die Werbung. Wir haben das Problem, dass die Männer es nicht gerne weitererzählen. Wir haben auch Kliniken für plas­tische Chirurgie in Deutschland. Frauen gehen aber offener damit um. Wir sind quasi dazu verdonnert zu werben, sonst ginge es nicht. Wir sind europaführend, weltweit bekannt. Aber wer nicht wirbt, der stirbt.“

Dass es nicht immer gut geht, zeigt das Einzelsponsoring von Tennisspieler Nikolau Moser. Dieser war am Weg an die Welt­spitze, Verletzungen verhinderten das aber. Einzelsportler unterstütze man auch deswegen nicht gerne, da „da immer auch Glück dazu gehört“.

NOCH BESSER
Die Technik, der Lifestyle und die Medien kommen Moser entgegen. So war es beispielsweise gut, dass der englische Fußballstar Wayne Rooney seine Glatze behandeln ließ. Mit den modernen Frisuren kann man nach nur einer Woche wieder voll sporteln. „Es ist für uns ein Vorteil, dass diese Verkrustungen aufgebrochen werden. Da ist der Sport eben ungemein wichtig und hat viel dazu beigetragen. Die Marke und der Spruch ‚Haare statt Glatze‘ sind sehr gefestigt.“

In Zukunft könnte man das Sponsoring laut Moser schon auch ausreizen, aber zu groß soll es auch nicht werden. Es soll bei den bestehenden Kliniken bleiben und dem Umstand, dass man ein verlässlicher Partner ist – für die Kunden und auch die unterstützten Vereine. Letztlich geht es aber doch um die Wirkung.

„Wenn man sich überlegt, was eine Werbeminute im Fernsehen kostet“, überschlägt Karl Moser abschließend die Wirkung des Sponsorings, „beim Tennis sind wir etwa durch die Bande auf der Aufschlagseite stundenlang im Bild, dann ist das gewaltig. Das könnte man anders gar nicht bezahlen.“

FOTO: GEPA Pictures

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