Warum eigentlich Betriebssport?

Sport kann man beinahe überall betreiben. Warum also gerade im Betrieb, wo man arbeitet?

In der heutigen Arbeitswelt der All-in-Verträge ist Freizeit, die gut genutzt werden kann, eigentlich schon fast Mangelware. Nicht wenige Menschen verbringen mehr Zeit mit den Arbeitskollegen als mit den Partnern. Da drängt sich eigentlich die Frage auf, warum man dann auch noch Betriebssport machen soll. Freilich, wer 40 oder gar noch mehr Stunden in der Woche in einem Raum verbringt, muss sich gut verstehen. Die Bezeichnung „Arbeitsehemann“ oder „-frau“ fällt da öfters in Unterhaltungen.

DARUM BETRIEBSSPORT
Magdalena Hauer von der Zaunergroup formuliert es so: „Viele von uns sitzen mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro. Gerade das Sitzen kann zu Verspannungen und Fehlhaltungen führen. Generell kann man sagen, Sport macht den Kopf frei, und dies führt dazu, dass man sich besser bei der Arbeit konzentrieren kann. Nebenbei fördert es auch den Teamgeist und stärkt das Wir-Gefühl.“ So ähnlich sieht es auch Hans Langer, seit 1990 bei der Wiener Städtischen Versicherung im Außendienst, seit 13 Jahren Leiter der Golfsektion: „Ich sehe darin eine ideale Möglichkeit, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einem Hobby nachzugehen. Es stärkt zudem die Gemeinschaft im Unternehmen, vor allem bei diversen Wettkämpfen. “ Und bei manchen hat es Familientradition. „Ich habe dies von meinen Eltern so übernommen“, erzählt Gertraud List-Grill, bei der Oesterreichischen Nationalbank in der Personalabteilung, „es wurde mir so vorgelebt, und jetzt mit meinen 56 Jahren merke ich, wie gut dies war. Jeder von uns kennt das: Wenn man viel sitzt, ist es echt wichtig dagegenzusteuern.“

VERSCHIEDENSTE ANGEBOTE
Die Unternehmen setzen dabei bekanntlich auf die verschiedensten Möglichkeiten. Bei der Zaunergroup gibt es das, was man vielleicht auch von den eigenen Kindern aus der Schule kennt: „Bei der ­Zaunergroup gibt es die bewegte Pause. Hier werden kurze Fitnessübungen und kleine Bewegungseinheiten zwischendurch gemacht – wozu alle eingeladen sind mitzumachen. Die ,Bewegungsbeauftragten‘ zeigen dabei laufend neue Übungen. ­Außerdem wird immer wieder zu kleinen und leicht umsetzbaren Challenges aufgerufen, wie zum Beispiel den Drucker in einer anderen Etage zu benutzen.“

Große Unternehmen setzen auf Sektionen. „Wir haben insgesamt 30 Sektionen in unserem Haus, die die Mitarbeiter, wenn sie Mitglied sind, in Anspruch nehmen können. Wir können wirklich sagen, da ist für jeden etwas dabei, von gemütlich bis hin zum Wettkampf“, erzählt List-Grill über die OENB. Und bei der Wiener Städtischen? „Innerhalb der Wiener Städtischen Versicherung werden verschiedene Sportsektionen des Betriebsrates angeboten. Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir seit Jahren Unterstützung vom Betriebsrat und vom Unternehmen bekommen.“

SPORTLICHER VERGLEICH
Doch der Betriebssport dreht sich nicht nur um das Sporteln während der Arbeitszeit. Der sportliche Wettkampf zählt da auch, wie Franz Ranger, Abteilung für Finanz- und Rechnungswesen bei der Wiener Städtischen, zu Protokoll gibt: „Ich spiele aktiv Tischtennis seit Jahren und nehme auch an den Tischtennis-Meisterschaften der Banken und Versicherungen teil. Ein großes Lob an die Unternehmen bzw. die Betriebsräte, die weiterhin Betriebssport unterstützen und fördern.“ Selbiges gilt für Golf, wie sein Kollege Langer meint: „Im Golfsport sind die Meisterschaften immer hervorragend organisiert, und wir besuchen diese Veranstaltung immer wieder gerne.“ Magdalena Hauer bringt es nochmals auf den Punkt: „Es gibt hier verschiedenste Sportarten – von Badminton über Laufen bis hin zur Schachmeisterschaft ist alles dabei. Eine gute Gelegenheit, den Teamgeist zu fördern und das gesetzte Ziel gemeinsam zu erreichen.“

UND IM ALLTAG?
Tatsächlich gibt es viele gute Tipps, wie man sich auch während des Arbeitens fit halten kann oder zumindest ein bisschen Bewegung in den Alltag integrieren kann. Franz Ranger macht das so: „Ich arbeite im vierten Stock und versuche immer, die Stockwerke zu Fuß zu erreichen, egal ob ich zu Terminen muss oder zum Mittagessen gehe – so bleibe ich fit.“

Getraud List-Grill überlistet sich ein bisschen selbst: „Meine Lieblingsbewegung ist  Gehen. Ich versuche so viel wie möglich zu gehen – habe mir meinen Drucker ins andere Zimmer gestellt, nehme keinen Aufzug, gehe alles zu Fuß.“ So sieht man recht gut, dass Betriebssport im Großen und im Kleinen gut umgesetzt werden kann. Für den einen braucht es dann vielleicht eine kleine Selbstüberlistung, für den anderen eben gleich eine Meisterschaft. Hauptsache Bewegung, oder?

FOTO: ZAUNER

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