Weltsportart!?

Österreich zählt zu den Topnationen in der Weltsportart Tischtennis – aber es gibt Probleme.

Sportlich  sind wir eine der besten Ligen in Europa“, attestiert Bundesliga-Vorsitzender Frank Mair. Das muss er in seiner Funktion einerseits, andererseits rangieren Österreichs Teams zwar hinter Frankreich und Deutschland, können sich aber mit den weitaus größeren Ländern wie Russland oder Italien messen. Daniel Habesohn, Roland Gardos, Stefan Fegerl oder Sofia Polcanova und Liu Jia sind in der Weltsportart Tischtennis Größen. Nicht erst seit Werner Schlagers Weltmeistertitel 2003, der Einzeleuropameisterin Liu Jia, dem Teameuropameistertitel der Herren 2017 und allen weiteren Erfolgen.

BASISARBEIT
Die grundlegende Arbeit wird in den heimischen Vereinen gemacht. Neben Ski und Fußball sind Tischtennistische fixes Inventar in Schulen und im öffentlichen Raum. Der Sport ist billig, der Zugang niederschwellig. Einsteigerschläger gibt es im Sportdisonter um unter zehn Euro. An die weit über 2.000 Fußballvereine mit den 300.000 aktiven Spielern kommt Tischtennis nicht ran, aber Frank Mair ist zufrieden: „Wir haben über 570 Vereine, die mehrere Mannschaften haben. Aktiv sind 30.000 Spieler gemeldet, wirklich aktiv sind rund 10-12.000.“ Aufgrund der Erfolge, die vor allem in den riesigen chinesischen Markt ausstrahlen, kann er auch sagen: „Wir sind ein Tischtennisland. Das klingt wild  im Vergleich zu Ski und Fußball. Aber unser Nationalteam ist top, unsere Topspieler wurden wie Schlager Weltmeister, Sofia Polcanova ist zeitweise Nummer eins in Europa.“

SCHMALER SPORT
Eines scheint aber klar: Wer es nicht wie Fegerl oder Habesohn in eine große Liga wie Deutschland schafft, kann in Österreich kaum vom Tischtennis leben. „Wir haben ganz wenig Budget, nur die Besten setzen sich durch und kommen ins HSZ. Wer dort ist, kann wie ein Profi trainieren. Oder man hat das Glück, im Verein schon in jungen Jahren einen guten Trainer zu haben“, erklärt der Ligaboss. Ganz im Gegensatz zu den schmalen Budgets steht das Turnier in Linz. Denn hier ist Österreich einer von nur sechs Austragungsorten der Platinum-Serie, die mit den Grand Slams im Tennis vergleichbar ist.

PLATINUM!
Seit 1989,  anfangs im Zweijahresrhythmus, wird in Linz und Wels das Austrian Open ausgetragen, 2018 mit einem Budget von 760.000 Euro. ÖTTV-Verbandspräsident Johann Friedinger ist quasi selbst für das Turnier zuständig, gemeinsam mit weiteren Funktionären. Er erklärt die Größenordnung des Events mit Topathlethen aus über 50 Nationen mit allen Stars, besser als bei jeder WM oder Olympia: „Wir haben 80 bis 90 internationale Fernsehstationen, CCTV 5, TokioTV, die ganze Welt. Man spricht davon, dass weltweit ca. 320 Millionen Leute zugeschaut haben.“ Die Vermarktung macht der ÖTTV selbst, letztes Jahr konnte der heimische Weltkonzern Liebherr als Haupt- und Namenssponsor gewonnen werden. Dieses Jahr wird er in der zweiten Reihe stehen. Gesucht wird ein heimisches Unternehmen mit Schwerpunkt China. Liebherr fungiert auch als Hauptsponsor des Verbands selbst, dazu kommen noch Donic und Ströck. Auch eigene Austria-Packages gibt es, wie zum Beispiel Generali Top12. Der Verband lässt sich einiges einfallen.

DAMOKLESSCHWERT
Das muss er auch, denn über dem ÖTTV hängt das Damoklesschwert von Rückforderungen vonseiten des Sportministeriums. 320.000 Euro sollen anfallen, dazu finanzierte der Verband indirekt das Finanzdebakel Werner Schlager-Akademie mit. Für letzteres Problem gibt es eine Lösung, für ersteres soll sie bald da sein. Friedinger meint: „Wir wollen aufklären, sind in stetigem Austausch mit dem Ministerium. Die offenen Forderungen datieren hauptsächlich aus den Jahren vor 2013.“ Unvorstellbar scheint, dass vonseiten der Politik ein großer finanzieller Ungemach herbeigeführt werden wird. Im Tischtennis ist Österreich eben eine der erfolgreichsten Nationen weltweit – und das in einer Sommersportart. Um die Zahlen einzuordnen: Laut Finanzreferentin Gisela Fritsche beträgt der Aufwand für den Spitzensport jährlich rund 1,1 Millionen Euro. Zwar erhält man 1,3 Millionen Euro an Bundesförderung, diese Subventionen umfassen aber auch den Behindertensport sowie Rackelton.

NOCH MEHR
Auch die Liga ist versucht, einiges zu unternehmen, um medial durchzukommen. Große Turniere wie die in Linz werden vom ORF übertragen, aber für Sponsoren zählen eben auch sonstige Print- und Online-Präsenzen. Mair: „Wer nie vorkommt, nie einen Sponsor erwähnen kann, woher sollen die Gelder von den Sponsoren fließen? Die brauchen auch Gegenwerte. Die Liga hatte bis vor zwei Jahren einen Sponsor, aber er wurde in den Medien kaum genannt. Wenn man easyTherm Tischtennis Bundesliga heißt, ist das ein langer Name.“ Derzeit arbeitet man daran, dass alle Spiele der Finalspiele in der kommenden Saison live gestreamt werden, mit eigenen Werbemitteln, einheitlichem Boden und als Angebot an Online-Portale, den Content zu liefern. Die Liga geht in Vorleistung. „Wir produzieren Promovideos, die werden bis zu 150.000 Mal angesehen. Nur so haben wir längerfristig die Chance, auf uns aufmerksam zu machen und für Sponsoren attraktiv zu sein.“

FOTO: GEPA

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