Wirtschaftsfaktor

Wie wichtig ist der österreichische Sport für die Wirtschaft. Lange Rede, kurzer Sinn: sehr wichtig!

Folgt man den Ergebnissen der aktuellsten Studie zur ökonomischen Bedeutung des Sports in Österreich, dann zeigt sich, dass der Sport unmittelbar und mittelbar für 5,75% der Wertschöpfung verantwortlich ist. Damit liegt der Wertschöpfungsbeitrag des Sports höher als jener der Bauwirtschaft, in etwa doppelt so hoch wie der Beitrag der Finanzdienstleister oder sechsmal so hoch wie jener des Sektors Landwirtschaft. Das methodische Instrument, um den gesamtwirtschaftlichen Beitrag der Querschnittsmaterie Sport zu messen, ist ein sogenanntes Satellitenkonto Sport. Ein solches ist erforderlich, um über den Kernbereich des Sports, welcher die Tätigkeit der Vereine und den Betrieb von Sportanlagen umfasst, auch alle anderen Wirtschaftsbereiche zu erfassen, die mit dem Sport verbunden sind, wie beispielsweise die Sportartikelproduktion, den Sportartikelhandel, die Bauwirtschaft, das Unterrichtswesen oder das Gesundheitswesen.

Ein detaillierterer Blick auf die Zahlen zeigt, dass es vor allem die Beherbergung und Gastronomie sind, die mit 3,9 Mrd. Euro Wertschöpfung am stärksten vom Sport profitieren, gefolgt vom Unterrichtswesen und dem Einzelhandel. Der Kernbereich des Sports, also die Tätigkeit der Vereine, die Aktivitäten von Profisportler und Trainer sowie der Betrieb von Sportanlagen, liegen mit 920 Millionen Euro nach dem Gesundheitswesen und dem Landverkehr erst an sechster Stelle.

Noch höher als der Wertschöpfungsbeitrag ist der sportbezogene Beschäftigungsanteil mit 7,13% oder 295.000 Erwerbstätigen. Der Sport schafft und sichert damit gleich viele Arbeitsplätze wie die Sektoren Beherbergung und Gastronomie gemeinsam oder die Bauwirtschaft. Die Zahl der im und durch den Sport Beschäftigten liegt damit höher als die gesamte Einwohnerzahl des Burgenlands.

FISKALISCHER BEITRAG
Erstmals konnte auch der fiskalische Beitrag des Sports quantifiziert werden: Demnach fließen aus dem Sport rund 123 Millionen Euro an Steuern und Abgaben an den Staat zurück, wobei die lohnabhängigen Steuern und Abgaben für rund die Hälfte des Gesamtaufkommens verantwortlich sind. Am stärksten profitieren hier der Bund (41,6%) und die Sozialversicherungsträger (31,7%), gefolgt von den Ländern und Gemeinden. Österreich ist Europameister.

Eindrucksvoll sind diese Zahlen auch im europaweiten Vergleich. Ein solcher Vergleich ist möglich, da Definitionen und Methoden heute europaweit harmonisiert sind, was im Wesentlichen auf die österreichische Ratspräsidentschaft 2006 zurückzuführen ist.

Mit einem direkten Anteil am BIP in Höhe von 4,2 Prozent liegt der Wert in Österreich in etwa doppelt so hoch wie im EU-28-Durchschnitt von 2,12 Prozent und höher als in allen anderen Mitgliedsstaaten der EU. Man kann daher zu Recht sagen, dass Österreich Europameister ist, was den wirtschaftlichen Beitrag des Sports anbelangt. Auch hinsichtlich der Beschäftigungseffekte liegt man in Österreich mit einem direkten Anteil von 5,6 Prozent deutlich vor unserem Nachbarn Deutschland mit 4,6 Prozent und dem sportaffinen Großbritannien mit 3,8 Prozent. Zurückzuführen ist dies auf die hohe Bedeutung des Sporttourismus in Öster­reich: 58 Prozent aller Übernachtungen, das entspricht 63 Millionen Übernachtungen pro Jahr oder 172.000 Übernachtungen täglich, sind
als sportrelevant einzustufen. Der Sporttourismus in Österreich ist damit so stark wie der gesamte Tourismus in Kroatien oder Polen.

SOZIOÖKONOMISCHE EFFEKTE
Diese Zahlen sind beachtlich, aber umso beachtlicher, als diese nur jenen ökonomischen Teil des Sports erfassen, welcher auch in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgedeckt wird. In diesen Ergebnissen spiegeln sich folglich noch gar nicht alle sport­relevanten Aspekte wider.

In seiner wirtschaftlichen Dimension in diesen Zahlen nicht abgebildet ist beispielsweise die Bedeutung des Sports als Innovationstreiber. Möchte man die wirtschaftliche Bedeutung des Sports insgesamt abbilden, so ist es auch unumgänglich, den Beitrag der Freiwilligenarbeit im Sport entsprechend zu visualisieren und zu quantifizieren. Die Bedeutung der Freiwilligenarbeit ist in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht berücksichtigt, weil der Arbeitsleistung kein Geldfluss gegenübersteht. Demnach wird hierdurch keine originäre Bruttowertschöpfung produziert. Nichtsdestotrotz hat die Freiwilligenarbeit einen großen wirtschaftlichen Beitrag, welcher auf europäischer Ebene auf 0,88 Prozent des BIP geschätzt wird. Der Wert der Freiwilligenarbeit übersteigt somit den wirtschaftlichen Beitrag der Vereine, des Betriebs von Sportanlagen sowie der Sportler, Trainer usw. um das 2,5-Fache!

FOTO: Dirk Schulz auf Pixabay

ARTIKEL TEILEN.