Zukunftstrends der Sportindustrie

Die Sportindustrie blickt positiv in die Zukunft. Dennoch müssen Hausaufgaben erledigt werden. Vor allem Innovationsfreudigkeit ist gefragt. Zudem blickt Color of Sports auf aktuelle Trends.

Die führenden Vertreter der Sportindustrie sind optimistisch und prognostizieren für die nächsten drei bis fünf Jahre global eine jährliche Wachstumsrate von sieben Prozent. Die Branche steht dennoch vor Herausforderungen: Die Sportorganisationen müssen innovativer werden und mediale Inhalte „Direct-to-Consumer“, das heißt, auf direkterem Weg, zu den Konsumenten bringen. Die Sportverbände müssen sich darüber hinaus anstrengen, um ihre zentrale Bedeutung in der Branche auch zukünftig zu sichern.

WANDEL DER BRANCHE
Im Rahmen von PwCs Sports Survey 2019 befragte PwC Schweiz ganze 590 Branchenführer aus 49 Ländern zu ihren Wachstumserwartungen und einer Vielzahl strategischer und organisatorischer Themen. Zentral für die Bewertung des Gesamtzustands der Branche sind dieses Jahr folgende Themen: der Innovationsbedarf etablierter Sportorganisationen, der Wert des Vertriebs medialer Inhalte direkt an die Konsumenten und die zukünftige Rolle der Sportverbände in der Branche.

David Dellea, Leiter Sports Business Advisory bei PwC Schweiz, unterstreicht die Kernaussage der diesjährigen Ergebnisse: „Ein Großteil der Rechteinhaber in der Sportindustrie und insbesondere auch die Verbände sind gefordert, mit dem Wandel der Branche mitzuhalten. Es bedarf einer Veränderung der Geschäftsabläufe und -prozesse im Vertrieb, genauso wie Innovationskraft.“ Weltweit befinden sich die Akteure der Sportindustrie gemäß Dellea in unterschiedlichen Stadien ihrer Transformation. Die Ergebnisse der Studie sollen Aufschluss darüber geben, unter welchen Gesichtspunkten sich betroffene Organisationen neu ausrichten können, um den Wandel erfolgreich zu meistern.

RÜCKSTAND AUFHOLEN
Während 94 Prozent aller Branchenführer im Sportbereich weltweit Transformation und Innovation als wichtig einstufen, setzen nur 46 Prozent davon konkrete Innovationsstrategien um. Die Sportorganisationen müssen ihren Fokus wieder auf die richtige Kombination aus Strukturen, Prozessen und Menschen ausrichten, um innovativ zu sein und in einer zunehmend wettbewerbsorientierten und disruptiven Branche relevant zu bleiben. Hinsichtlich ihrer Wachstumserwartungen sind die Organisationen optimistisch und prognostizieren für die nächs­ten drei bis fünf Jahre eine jährliche Wachstumsrate von sieben Prozent.

Die befragten Branchenführer bezeichnen den Direktvertrieb medialer Inhalte an die Verbraucher (Direct-to-Consumer) als schwierig und bisher wirtschaftlich enttäuschend. Schlüsselfaktoren für das erfolgreiche Umsetzen der „Direct-to-Consumer“-Strategie sind vor allem, die eigenen Kunden und ihre Bedürfnisse tiefgehend zu verstehen und fähig zu sein, eine direkte Beziehung zu den Fans aufzubauen. Organisationen, die diesen Aspekten bereits Rechnung tragen, haben gute Grundvoraussetzungen, auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben. Die weltweit am häufigsten genannten Herausforderungen bei der Implementierung einer Plattform für Over-the-Top-Content, also einem Online-Service für die Übertragung von Video und Audio, sind die Sicherstellung einer hohen Servicequalität (76 Prozent), ausreichende Inhalte, um langfristiges Interesse zu generieren (75 Prozent) und die Entwicklung einer effektiven Preisstrategie (68 Prozent).

ROLLE SICHERSTELLEN
Die Ergebnisse des Sports Survey von PwC Schweiz zeigen auch, dass die Sportverbände noch viel zu tun haben, um weiterhin eine zentrale Rolle bei der Steuerung und Entwicklung des jeweiligen Sports zu spielen. So sollten sie fokussierte Strategien entwickeln, innovative Formate und Regeln etablieren, ihre Reichweite erweitern und Partnerschaften eingehen. Auf diese Weise können sie sicherstellen, über die richtigen Fähigkeiten zu verfügen, um gute Resultate zu erzielen und relevant zu bleiben.

Im Rahmen der Studie wurden dieses Jahr erstmals fast 600 Branchenführer aus knapp 50 Ländern befragt. Dellea dazu: „Es ist bemerkenswert zu sehen, wie viele Organisationen und Personen innerhalb des Ökosystems der Sportindustrie die Bedeutung einer unabhängigen Perspektive auf den Zustand der Branche schätzen.“ Color of Sports nimmt die Studie zum Anlass, einen Blick auf einige Zukunftstrends und die Startups der Sportindustrie zu werfen.

TREND #1 DIGITALISIERUNG
Die Generationen Y und Z kaufen nicht nur online ein, sie leben quasi online und teilen alles mit ihrer Community. Daher ist es für Brands und Retailer besonders wichtig, die digitale Welt mit der realen Welt zu vereinen. Adidas präsentierte einen Teil der digitalen Strategie des Konzerns auf dem ISPO Digitize Summit 2019.

Die Stärke von adidas sei es, laut  Tim Janaway, dass man „beide Seiten“ kenne, „die digitale sowie die reale“, so der SVP der Weltmarke mit den drei Streifen. Dazu gehört es auf der einen Seite, sich mit Verbrauchern und Händlern auszutauschen und die dadurch gewonnenen Informationen später mit den Erkenntnissen zu kombinieren, die durch digitale Tools gesammelt werden. Dazu gehören etwa Moodboards, aber auch ein fundiertes Wissen über die Demografie der Target Group. Bis 2023 möchte adidas 50 % seiner Outdoor-Absätze digital erwirtschaften. Dafür ist ein gelungener Onlineauftritt ausschlaggebend.

Zusammenfassend sagte Janaway über die Abhängigkeit von eigenem Onlineshop und Retailern:„Wenn wir keinen guten Onlineshop haben, bleiben uns die Großhändler fern. Und wenn wir nicht bei Großhändlern vertreten sind, besucht wiederum auch niemand unseren Onlineshop.“

Etwas düsterer sieht Jörn Leo­grande, Executive Vice President Innovation and Value Added Services bei Wirecard, die Lage. Er spricht von der sogenannten „Retail Apocalypse“, also vom Tod der klassischen Einkaufsstraße. Hinzu kommen E-Commerce-Giganten wie Amazon oder Alibaba, die verstärkt auf physische Stores setzen und dadurch kleinere Unternehmen verdrängen. Das hängt damit zusammen, dass jüngere Verbraucher dazu neigen, längere Schlangen zu meiden und stattdessen bei Prime Now online bestellen, oder, wie zum Beispiel bei Alibabas Stores in China, einen Self-Check-out bevorzugen. Bezahlt wird hier ausschließlich per Gesichtserkennung an der Kasse, dazu benötigen Kunden lediglich eine App. Beratung gefällig? Ganz einfach den QR-Code scannen, der an jedem Artikel angebracht ist.

TREND #2 TRAILRUNNING
Seit Jahren wächst die Sportart Trailrunning, viele neue Marken drängen auf den Markt, der sich weiter ausdifferenziert. „Was macht Trailrunning so sexy?“, fragten sich bei der OutDoor by ISPO 2019 in München die Branchenexperten von Adidas, On Running und The Running Company, die weiter Potenzial für Sportunternehmen sehen. Schon vor Jahren hat daher auch Adidas den Markt erkannt und sich gewappnet, Adidas Terrex als starke Marke etabliert. Zudem führte das Unternehmen Ende Juni 2019 auch die „Adidas Infinite Trails – Trailrunning World Championships“ durch, eine Staffel-WM im Trailrunning im Gasteinertal in Österreich.

Dabei ging es dem Unternehmen auch um Nachhaltigkeit. Einerseits aus Sportsicht: „Uns war es wichtig, dass wir jeden ansprechen und zum Sport bringen. Wir wollte nicht nur ein Event sponsern, sondern jeden abholen“, sagt Robert Mücke zu den mehr als 800 Teilnehmern. „Ich bin weit davon entfernt, das immer Extremere ins Licht zu stellen.“ Dennoch war etwa auch der Adidas-Athlet und Ultraläufer Timothy Olsen am Start. Die Triebfeder fürs Trailrunning und für die Teilnahme an Trail-Events ist ohnehin die Liebe zur Natur. Obwohl die stark ausgeprägt ist, macht derzeit nur ein kleiner Prozentsatz der 18 Millionen Läufer in Deutschland Trailrunning. „Den Sport kennen alle, aber ausprobiert haben ihn die wenigsten“, sagt Meyer. Dennoch merkt sie in ihren Laufgruppen schnell: „Trailrunning ist sehr sexy. Ich kann es nur jedem ans Herz legen – egal ob mit vielen oder wenigen Höhenmetern.“

STARTUP #1 AIO SMART SLEEVE
Die Entwickler von Aio Smart Sleeve haben sich der Probleme bei der Verwendung von Fitness­armbändern zur Aktivitätsverfolgung angenommen. Normale Fitnessarmbänder werden häufig zu locker getragen und bewegen sich deshalb während des Trainings ums Handgelenk. Das könnte die Genauigkeit des Armbandes stören oder die Herzfrequenz wird gar nicht erfasst. Wenn das Armband zu eng getragen wird, kann es den Blutfluss beeinträchtigen.

Aio Smart Sleeve wird hingegen wie ein Ärmel über den Arm gestreift und hält den eingebauten Fitnesstracker an der richtigen Stelle. Das Produkt ist eines der wenigen Wearables, das sich wirklich für jede Art von Aktivität eignet. Es kombiniert Kompressionskleidung mit Fitnesstracking-Technologie, um detaillierte Daten für Fitnessanalysen über Smartphone-Anwendungen anzubieten.

STARTUP #2 CAREWEAR
Carewear Corp Wearable Therapeutics ist ein in Nevada ansässiges Unternehmen, das das erste tragbare, drahtlose, von der US-Arzneimittelbehörde FDA registrierte LED-Lichtpflas­ter für Sportler aller Sportarten entwickelt hat. Das Pflaster erzeugt blaues und rotes Licht, um Schmerzen zu lindern und die Geweberegeneration zu verbessern, indem es die lokale Durchblutung und die Gewebetemperatur erhöht. Das bedeutet, dass die Nutzer, unabhängig von ihrem sportlichen Leistungsniveau oder der Sportart, die sie ausüben, ihre Erholung beschleunigen und schneller in den Sport zurückkehren können. Carewear ist nicht unbedingt ein Sport-Wearable, aber definitiv perfekt für Sportler aller Leistungsklassen, weshalb sie einen Platz auf der Liste bekommt.

STARTUP #3 SKIIOT
Skiiot ist ein Wintersport-Digitizer aus dem nördlichen Teil Finnlands. Das Produkt ist ein All-in-One-Sensorgerät in Kombination mit einer Mobile/Web-Applikation und kann derzeit im Skilanglauf eingesetzt werden.

Mit Skiiot kann der Benutzer zuverlässige Schneetemperaturmessungen auf der gesamten Strecke und Daten über die Skileistung, die Umgebungsbedingungen und die Technik erhalten. Das Produkt hat bereits in der Skiwelt für Aufsehen gesorgt und wird vom norwegischen Olympia­toppen, der höchsten Autorität im norwegischen Spitzensport, sowie vom Team Ragde Eiendom, das zu den führenden Teams im Langlauf gehört, eingesetzt.

STARTUP #4 ONTRACKS
On Tracks mit Sitz in Marseille wurde 2016 gegründet, um ein einfaches Navigationssys­tem für Läufer zu entwickeln. Der Gründer, Philippe, wollte sich ohne Sprachführung durch seine Route leiten lassen, damit er die Natur beim Laufen ungestört genießen kann. Seine Lösung für dieses Problem sind die On-Tracks-Guide-Uhren. Diese beiden Uhren werden von Läufern wie normale Smartuhren am Handgelenk getragen, allerdings je eine rechts und links. Bevor der Läufer startet, wählt er seine Route in der On-Tracks-App. Mit diesen Informationen steuern die Uhren den Läufer durch Vibrationen ans Ziel, vibriert die linke Uhr, geht es nach links, vibriert die rechte, geht es nach rechts.

On Tracks wird in Kürze eigene Uhren für Motorräder und Fahrräder anbieten, die ein sicheres Fahren ermöglichen, ohne anhalten zu müssen, um die Karte zu überprüfen.

STARTUP #5 VITASCALE
Vitascale™ ist ein deutscher Spezialist für Headset-Systeme zur atembasierten Diagnose und Kontrolle. Sein Produkt ist ein All-in-One-System für Nutzer, die sich um ihre individuelle Trainingsintensität kümmern, die Kalorien und Fettverbrennung überwachen und ihre allgemeine Leistungsentwicklung verfolgen wollen.

Das Headset-System ist besonders gut geeignet für Menschen, die ihre Fitnessziele nur mit Mühe erreichen, obwohl sie sich subjektiv gesund ernähren und regelmäßig trainieren. Objektive Daten zur Leistung liefert die Vitascale-App. Sie arbeitet mit einem intelligenten Algorithmus, der anhand der Informationen den Trainingsplan ständig weiterentwickelt. Darüber hinaus hilft Vitascale bei der Optimierung der Ernährung und der Bestimmung des individuellen Stoffwechsels.

FOTO: Messe München

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